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Devisen Hochzinswährungen auf Erholungskurs

16.05.2007 ·  Bei anhaltendem Optimismus bestimmen am Devisenmarkt die so genannten Carry Trades die Richtung vieler Wechselkurse. Hoch verzinsliche Währungen wie die isländische Krone legen zu, Yen und Franken geben ab.

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Bei anhaltendem Optimismus an den internationalen Finanzmärkten bestimmen am Devisenmarkt die so genannten Carry Trades die Richtung vieler Wechselkurse. Sie bestehen in der Tendenz der Anleger, Gelder aus den Währungsräumen mit tiefen Zinsen abzuziehen, um sie in höher verzinslichen Märkten rentierlicher zu investieren.

Auf diese Weise lässt sich einerseits die anhaltende Schwäche des japanischen Yen und des Schweizer Frankens erklären. Der Yen hat am Mittwoch gegen den Euro mit Kursen von bis zu 163,86 Yen nicht nur ein neues Rekordtief markiert, sondern der Abwertungstrend hält weiterhin an. Daran dürfte sich bei unveränderten Rahmenbedingungen vorerst wenig ändern, da in Europa der Leitzins aufgrund des anhaltenden Wirtschaftswachstums weiter nach oben tendieren dürfte, während die japanische Zentralbank mit Zinserhöhungen zögert, obwohl sich beispielsweise im Immobiliensektor des Landes schon wieder so etwas wie einen Preisblase andeutet.

Carry Trades bestimmen nach wie vor das Bild

Auf diese Weise werden ausländische Anleger animiert, sich in Yen zu verschulden und japanische Anleger dazu inspiriert, Gelder verstärkt im Ausland zu investieren. Beides zusammen bringt den Yen tendenziell noch weiter in die Defensive. Gleichzeitig bleibt aus diesem Grund zumindest bisher auch die Nachfrage institutioneller Investoren aus, obwohl die japanische Währung deutlich unterbewertet ist und obwohl bei vielen Zentralbanken mit hohen Währungsreserven eine Diversifikation in diese Richtung sinnvoll wäre.

Allerdings wird sich eine beispielsweise die chinesische Zentralbank hüten, Yen zu erwerben, da sie dann mit den Reserven dann noch weniger verdienen würde, als bisher. Gerade in den vergangenen Monaten ist diese Rendite sowieso schon gering geworden und hat China's State Administration of Foreign Exchange (SAFE) zur Überlegung gebracht, das Geld nicht nur verzinslich anzulegen, sondern auch in andere internationale Vermögenswerte - zum Beispiel in Aktien - zu investieren. Auf diese Weise würde die sowieso schon üppige Liquiditätsversorgung an den internationalen Finanzmärkten noch weiter verstärkt werden.

Während Yen und Franken schwächeln, profitieren hoch verzinsliche Währungen von der Entwicklung. Allen voran die isländische Krone, der kolumbianische Peson, die indische Rupie, der brasilianischen Real, der israelische Schekel und nicht zuletzt die türkische Lira. Sie haben gegen den Euro seit Jahresbeginn zwischen knapp vier und zehn Prozent zugelegt. Diese Aufwertung fiel gegen Dollarblock - zu diesem gehören alle Währungen, die mehr oder weniger fest an die amerikanische Währung gebunden sind - noch deutlicher aus, da der Dollar gegen Euro gleichzeitig abwertete. Auch der Yen.

Isländische Krone: Reizvolles Zinsniveau

Alle diese Währungen haben sich in den vergangenen Monaten wieder von der deutlichen Korrektur erholt, die sie im vergangenen Jahr zu unterschiedlichen Zeitpunkten hatten hinnehmen müssen. Die isländische Krone hatte Im Frühjahr zu den ersten gehört, die massiv abgewertet hatte. Nach 71,395 Kronen im November des Jahres 2005 waren im April des Jahres 2006 bis zu 97,55 isländische Kronen notwendige gewesen, um einen Euro erwerben zu können. Das war ein Kursplus von knapp 37 Prozent in nicht einmal einem halben Jahr. Das ist viel für eine Währung.

Hintergrund waren ein starkes Leistungsbilanzdefizit des Landes einerseits und deutlich steigende Konsumentenpreise andererseits. Sie hatten so zu steigenden Leitzinsen und fallenden Kursen am Rentenmarkt geführt, die über den zumindest vorübergehenden Kapitalabzug internationaler Anleger auch die Währung schwächten.

Inzwischen hat sich die Lage allerdings etwas entspannt. Die Preisentwicklung hat sich etwas beruhigt: Die Inflationsrate ist von 5,3 Prozent im April auf 4,7 Prozent in Mai gefallen, ein weiterer Rückgang wird erwartet. Denn hohe Zinsen sollten den Konsum dämpfen und die noch relativ starke Krone sollte Importe günstiger machen. Allerdings dämpfte die Zentralbank am Mittwoch überzogene Zinssenkungserwartungen und ließ den Zins zum dritten Mal in Folg unverändert bei 14,25 Prozent. Im Mai des Jahres 2004 hatte er noch bei 5,3 Prozent gelegen.

In diesem Sinne mag die Spekulation auf fallende Zinsen in Island zunächst etwas verfrüht sein. Allerdings ist der Zinsvorteil isländischer Anlagen am kurzen Ende der Zinskurve in einem Umfeld mit hohem Risikoappetit an starker Anreiz für internationale Anleger, hier Geld zu parken. Selbst länger laufende Anleihen mögen gewisse Reize bieten. Allerdings sollten die Währungsrisiken angesichts der vergleichsweise geringen Liquidität eines sehr kleinen Staates nicht unterschätzt werden. Sie zeigten sich im vergangenen Jahr überdeutlich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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