14.10.2005 · Konnte der ungarische Forint lange Zeit vom Zinsvorsprung des Landes und der boomenden Börse profitieren, so kommt es im Moment zu einer Gegenreaktion in allen Bereichen. Denn die internationalen Anleger werden defensiver.
Die hohen Geldmengen und die lange Zeit enorm tiefen Zinsen in den Industriestaaten haben in den vergangenen Jahren Blüten aller Orten getrieben. Denn auf der Suche nach Renditevorteilen sind die internationalen Anleger mit Vehemenz in Märkte geströmt, von denen sie früher die Finger gelassen hätten.
So ist es wohl kaum verwunderlich, daß Börsen, Rentenmärkte und auch Währungen in vielen Schwellenländern förmlich abhoben. Dafür mag es in Einzelfällen wie Rußland, Brasilien oder den EU-Beitrittsstaaten gute Gründe gegeben haben und immer noch geben. Immerhin führen Rohstoffboom und so genannte Konvergenzprozesse zu wirtschaftlicher Dynamik und zu einer Verbesserung der Finanzverhältnisse.
Das war noch bis vor kurzem der Gesamteindruck. Allerdings hat sich inzwischen das Umfeld verändert. Nicht nur die Leitzinsen in Amerika sind inzwischen schon deutlich angehoben worden, sondern auch die Inflationserwartungen nehmen zu. Aus diesem Grund ändern sich auch die Anlegerpräferenzen. Riskante Anlagen werden im Moment kritischer betrachtet als noch vor wenigen Wochen. Die Details spielen wieder eher eine Rolle.
Unter diesem Aspekt sehen die Verhältnisse manchmal nicht ganz so vorteilhaft aus, wie es lange Zeit den Anschein hatte. So zogen beispielsweise die ungarischen Aktien und Anleihen aufgrund der vergleichsweise hohen Renditen und der attraktiven Bewertungen das Geld internationaler Anleger an und trieben auch die Währung des Landes nach oben. Immerhin hat sich der Forint von einem Tief bei 275,74 Forint je Euro im Dezember des Jahres 2003 wieder bis auf 241 Forint erholt im März des laufenden Jahres.
Nach einer kurzen Zwischenschwäche im weiteren Verlauf und einer Zwischenerholung befindet sich die ungarische Währung aber seit einigen Wochen wieder in der Defensive. Sie ist gefallen von 243,4 auf zuletzt 253,66 Forint je Euro. Alleine am Freitag gibt die Währung 66 Stellen nach. Hintergrund dürften einerseits Gewinnmitnahmen an der Börse des Landes und am Rentenmarkt sein. Seit Dienstag hat die ungarische Börse gemessen am BUX immerhin 8,5 Prozent verloren. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe mit einem Kupon von acht Prozent und einer Restlaufzeit von zehn Jahren ist in den vergangenen Tagen von 6,35 auf 6,55 Prozent gestiegen.
Diese Entwicklung läßt sich nicht nur mit den internationalen Preis- und Zinssorgen erklären, sondern auch mit der unsoliden Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes. Denn Ungarn war abgesehen von kosmetischen Bilanztricks nicht in der Lage, das Ausgabeverhalten einzuschränken. Finanzminister Janos Veres sagte jüngst, er rechne im laufenden Jahr mit einem Budgetdefizit in Höhe von 6,1 Prozent des Sozialproduktes. Für das kommende Jahr hat er die Prognose von einem Minus von 2,9 auf 4,7 Prozent angehoben. Das sind Zahlen, die meilenweit von europäischen Zielvorgaben entfernt sind, vor allem auch in Verbindung mit einem Leistungsbilanzdefizit von etwa acht Prozent im laufenden Jahr.
Auf dieser Basis dürfte die Wechselkursentwicklung volatiler als bisher werden. Sollten nach den anstehenden Wahlen keine entscheidenden Reformen absehbar werden, könnte die Währung mittelfristig sogar deutlicher unter Druck geraten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |