15.12.2003 · Der Dollar reagiert zunächst positiv auf die Festnahme Saddam Husseins, hat dabei aber die entscheidende Chartmarke von 1,2050 Dollar nicht überwunden. Der Abwärtstrend scheint damit nur unterbrochen zu sein.
Die Neuigkeit des Wochenendes für Anleger ist auf der einen Seite die Festnahme Saddam Husseins im Irak auf der einen Seite und der Steuerkompromiß in Deutschland auf der anderen. International betrachtet hinterläßt vor allem die Entwicklung im Irak an den Finanzmärkten ihre Spuren. Sie führt bei Aktien und beim Dollar zu Kursgewinnen, während es an den Rentenmärkten, dem Gold und dem Öl zu Kursverlusten kommt.
Im Verlaufe des Handels haben sich allerdings die ersten Reaktionen in den einzelnen Märkten schon in ihrem Ausmaß wieder relativiert. Das wird allein schon bei der Betrachtung des Dollars deutlich. Nachdem er am Freitag noch ein neues Rekordtief von 1,2301 Dollar je Euro erreicht hatte, konnte er sich am Montag im frühen Handel zunächst bis auf 1,2132 Dollar erholen. Allerdings nur, um danach wieder nachzugeben. Zur Mittagszeit liegt er mit einem Kurs von 1,2222 wieder deutlich unter seinem Tageshoch.
Reduktion des Engagments im Irak könnte den Dollar kurzfristig stützen
Die Reaktion der Märkte auf die Festnahme Saddam Husseins wurde von Analysten mit der Erwartung begründet, die politische Unsicherheit sei international damit geringer geworden. Allerdings wurde diese Einschätzung schnell revidiert durch eine Serie von Bombenanschlägen im Irak. Das deutet darauf hin, daß die Festnahme die Probleme im eroberten Land nicht auf die Schnelle lösen wird.
Die entscheidende Frage wird nun sein, ob Amerika nun den Sieg erklärt und sich, wenn nicht rasch aus dem Irak zurückzieht, so doch zumindest die Präsenz deutlich reduziert. Diese „krasse“ Entscheidung wäre sicherlich schlecht für den Frieden in und die längerfristige Energieversorgung aus der Region und damit auch für den Dollar. Kurzfristig könnte es dem Greenback allerdings helfen, da der Finanzierungsbedarf schnell und deutlich fallen würde. Gleichzeitig würde die Chance auf eine Wiederwahl Präsident Bushs steigen, da nicht mehr ständig Nachrichten von Bombenanschlägen und Todesfällen über die Nachrichtensender laufen würden.
Gleichzeitig deuten Daten darauf hin, daß sich kurzfristig genügend ausländische Käufer finden lassen, die amerikanische Wertpapiere erwerben und damit den enormen externen Finanzierungsbedarf Amerikas decken. Gleichzeitig gibt es immer mehr Stimmen aus dem „offiziellen Europa“, die sich besorgt über den schwächer werdenden Dollar zeigen. Das fühlt sich immer mehr nach der Sorte verbaler Intervention an, mit der auch die japanische Administration versucht, die Aufwertung des Yen zu bremsen. Auf dieser Basis scheint eine Stabilisierung des Dollars kurzfristig möglich zu sein.
Entscheidende technische Marke bei 1,2050 Dollar je Euro
Auf der anderen Seite bleiben natürlich die bekannten makroökonomischen Ungleichgewichte Amerikas - stark steigende Verschuldung, stark negative Leistungsbilanz mit zunehmender Tendenz, geringe Sparneigung im Lande et cetera - bestehen und sprechen längerfristig gegen den Dollar. Da sich viele Marktteilnehmer gegen so eine Entwicklung absichern wollen, können sie mit ihren Transaktionen die Entwicklung indirekt sogar beschleunigen. Selbst die Bundesbank sieht beträchtliche Risiken für einen weiteren Dollarverfall.
Jim O'Neill, Research-Chef von Goldman Sachs, betrachtet die Marke von 1,2050 Dollar je Euro als entscheidende Hürde. Sollte sie unterschritten werden, könnten Anleger mehr Euros verkaufen, um Verluste auf ihren Positionen zu begrenzen. In diesem Fall dürfte es zu einer raschen, massiven Dollarerholung kommen. Alles andere würde den Dollar weiter schwächen. Er sieht den Euro in drei Monaten bei 1,26 Dollar und bei 1,30 Dollar in einem halben Jahr. Gegen den Yen liegt die entsprechende Marke bei 109,70 Yen je Dollar. Insgesamt ist es also durchaus möglich, daß es beim Überschreiten bestimmer technischer Marken kurzfristig zu einer deutlichen Dollarerholung kommen kann. Längerfristig sprechen allerdings viele Argumente dagegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |