13.04.2007 · Die Entwicklung der Währungen - unter anderem von Euro-Yen - dürfte auf dem anstehenden G7-Treffen zum Thema werden. Es sei delikat, die Probleme deutlich anzusprechen, ohne dramatische Marktreaktionen auszulösen, argumentiert Goldman Sachs.
Die Marktteilnehmer an den Devisenmärkten scheinen auf die in den vergangenen Jahren etablierten und bewährten Trends zu setzen, als ob es kein Morgen gäbe. Viel anders lassen sich die jüngsten Trends bei Euro-Dollar, Euro-Yen und Euro-Franken einerseits und den Aufwertungstendenzen bei den Hochzinswährungen kaum erklären.
Während sich die Dollarschwäche alleine schon aufgrund der makroökonomischen Ungleichgewichte erklären lässt, gilt das für die relative Schwäche des Yen nicht und schon gar nicht für jene von Chinas Yuan und den Währungen anderer Staaten der Region.
Währungsreserven nehmen dramatisch zu
Sie müssten nicht nur aufgrund der Handelsströme deutlich aufwerten, sondern vor allem auch aufgrund der Kapitalverkehrsströme. Denn die künstlich tief gehaltenen Währungen fördern durch die dadurch verstärkten Wettbewerbsvorteile das Wachstum in der Region. Das wiederum führt zumindest im Durchschnitt zu rasch steigenden Unternehmensgewinnen, welche wiederum die Gelder internationaler Anleger anziehen.
Da die Währungen in weiten Teilen Asiens nicht frei vom Markt bestimmt werden können, haben die Währungsreserven in der Region und in anderen Staaten mit hohen Exportüberschüssen - dazu zählen vor allem auch die Ölförderer - in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen (siehe Chart). In China alleine legten sie im ersten Quartal um weitere 136 Milliarden Dollar auf 1,2 Billionen Dollar zu. Das mag nach den Erfahrungen der Schwellenländerkrise der neunziger Jahre zunächst positiv klingen.
Allerdings bringen hohe Währungsreserven selbst und der Zufluss weiteren Kapitals Probleme mit sich. Sie blähen die Liquidität auf, die wiederum zu steigenden Preisen oder zur Schaffung von industriellen Überkapazitäten führen kann. Nicht umsonst redet Konstantin Korishchenko von der russischen Zentralbank vom Kopfzerbrechen, das die Kapitalzuströme den Geldpolitikern des Landes bereitet und nicht umsonst versucht China immer restriktiver zu werden, indem es die Leitzinsen nach oben schraubt, Mindestreservesätze anhebt und andere Maßnahmen ergreift.
Blickt man auf die Kursentwicklung an der Börse des Landes und die Bewertung der Aktien, so scheinen diese Maßnahmen nicht oder nicht genügende zu greifen oder zu spät zu kommen. Längst hat alleine die verfügbare Liquidität die Kurse nach oben getrieben. Die Entwicklung lässt sich mit Japan in achtziger- und neunziger Jahren vergleichen, als die Kurse keine Grenzen mehr zu kennen schienen. Die depressive Entwicklung in den 20 Jahren danach war die logische Folge.
... und führen zu verschiedensten Verwerfungen
Nicht nur in den Überschussstaaten selbst kommen Probleme auf, sondern auch international. Immerhin werden die Währungsreserven weltweit investiert. Allerdings führen auch hier die unfreien Wechselkurse in Asien zu Ungleichgewichten. Das zeigt sich unter anderem an den Kursrekorden, die Währungspaare wie Euro-Yen beinahe täglich aufstellen, obwohl der Euro gegen den Yen massiv überbewertet ist. Alleine schon Diversifikationsüberlegungen scheinen dazu zu führen, dass der Euro weiter aufwertet.
Gleichzeitig kommt es zu protektionistischen Tendenzen. Immer mehr Branchen, die unter dem Wettbewerbsdruck aus Asien stehen, setzen ihre Lobbyisten ein, um den Wettbewerb durch die Einführung von Quoten oder ähnlichen Maßnahmen beschränken zu lassen. Das gilt vor allem für die Vereinigten Staaten, obwohl gerade sie eine Abwertungspolitik betreiben. Deutlich wird das an der vorläufigen Entscheidung, Sonderzölle auf Papierimporte aus China zu erheben. Sollten solche Entscheidungen tatsächlich umgesetzt oder gar ausgeweitet werden, könnte das den gegenwärtigen Welthandel empfindlich stören.
Aus diesem Grund gibt es die Erwartung, dass beim anstehenden Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G7 deutlicher als bisher auf die Aufwertung von Yuan und Yen gedrängt wird. Sollte eine entsprechende Erklärung zu schwach ausfallen, könnte das nach Ansicht der Währungsanalysten von Goldman Sachs die Märkte dazu verleiten, Euro-Yen noch weiter nach oben zu treiben. Schon die aktuellen Kurse könnten als Herausforderung an die Teilnehmer des Treffens betrachtet werden, denken sie.
Es sei eine delikate Aufgabe, die Probleme deutlich genug anzusprechen, ohne gleichzeitig eine dramatische Reduktion der Carry Trades und eine unter Umständen deutliche Yenaufwertung auszulösen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |