Mit den stärksten Kursverlusten seit mehr als fünf Wochen reagierte der Dollar gegen den Euro auf die Arbeitsmarktzahlen vom Freitag. Unmittelbar, nachdem klar wurde, dass die amerikanische Wirtschaft im November nicht wie erwartet 36.000 Stellen geschaffen hat, sondern stattdessen 40.000 abgebaut, fiel der Dollar gegen den Euro zurück.
Innerhalb von wenigen Minuten stieg die Notierung von der Parität auf 1,012 Dollar je Euro in der Spitze, bevor sich der Dollar wieder leicht erholen konnte. Am späten Freitagabend liegt er relativ stabil bei 1,008 Dollar je Euro. Denn die schwachen Arbeitsmarktdaten wurden zwischenzeitlich etwas kompensiert durch den Rücktritt des amerikanischen Finanzministers Paul O'Neill und Präsident Buschs Wirtschaftsberater Lawrence Lindsey.
Schwacher Arbeitsmarkt gegen Hoffnungen auf Wirtschaftsprogramm
Während der Arbeitsmarktbericht das Vertrauen in die konjunkturelle Erholung der amerikanischen Wirtschaft deutlich geschwächt hat, werden die Rücktritte tendenziell positiv betrachtet. Denn sie deuten darauf hin, dass die Regierung ihre Anstrengungen verstärken möchte, die Wirtschaft anzukurbeln. Damit werden Steuersenkungen und steigende staatliche Ausgaben wahrscheinlicher, denken manche Anleger. Davon würde die Wirtschaft profitieren.
„Diese Regierung wird in nächster Zeit ein größeres Wirtschaftsstimulationspaket lancieren. Dafür war O'Neill nicht der richtige Mann, da er nicht an den Erfolg glaubt“, sagte beispielsweise der Anlagestratege Don Alexander von der Citigroup Private Bank. Was das für den Dollar bedeuten wird, ist allerdings ziemlich offen. Während der negative Einfluss der Arbeitsmarktzahlen offensichtlich ist, gibt es für den Ministerrücktritt unterschiedliche Interpretationen.
Während die einen vom Erfolg der zu erwartenden keynesianischen Impulse überzeugt sind und deswegen an einen starken Dollar glauben, sehen die anderen gerade das Gegenteil. Mit O'Neill sei auch die „Politik des starken Dollars“ verabschiedet worden, nun werde er fallen, denken sie. Dabei ist allerdings eine Kombination zwischen beiden nicht völlig ausgeschlossen. Immerhin würde ein schwächerer Dollar die Exporte aus den USA in die Welt günstiger machen und auf diese Weise die Wirtschaft positiv stimulieren. Gleichzeitig würden Importe in die USA teurer werden.
USA können sich einen schwachen Dollar kaum leisten
Beides zusammen könnte zumindest darauf hin wirken, den bisher extrem defizitären Außenhandel wieder etwas ins Lot zu bringen. Darin besteht für die Amerikaner aber auch eine große Gefahr. Denn sie sind aktuell auf einen Zufluss von ausländischem Geld in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar täglich angewiesen. Sollte sich abzeichnen, dass sich der Dollar stärker abschwächt, könnte dieser Zustrom sehr schnell abflauen. Und zwar gerade in einem Augenblick, in dem die US-Regierung wieder eine Reagensche Wirtschaftspolitik mit hohen Schulden fahren will. Bliebe das ausländische Geld aus, würde die Liquidität plötzlich äusserst knapp werden. Die Zinsen müssten in der Folge explodieren. Mit verheerenden Folgen für die Wirtschaft und die Wall Street.
Das werden sich die USA weder leisten wollen noch können. Sie sind deswegen an einem relativ stabilen Dollar interessiert. Aus diesem Grund werden sie vermeiden wollen, dass die Währung stärker schwankt. Denn sollte sie bestimmte Marken erreichen, beispielsweise die Fibonacci-Marke von 1,0212 Dollar je Euro, könnte der stark technisch orientierte Markt plötzlich unkontrollierbar abrutschen. Aus diesem Grund ist es sehr wahrscheinlich, dass die volatile Seitwärtsbewegung weiter anhalten wird. Eine Dollarschwäche wünscht sich niemand wirklich herbei.