Home
http://www.faz.net/-gvz-phvq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisen Euro steigt über 1,26 Dollar

20.10.2004 ·  Die Stimmung am Devisenmarkt scheint sich wieder gegen den Dollar zu drehen. Da die amerikanischen Konjunktur- und auch die Unternehmenszahlen eher enttäuschen kommen die strukturellen Probleme des Landes zum tragen.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Nach Monaten der Konsolidierung scheint der Dollar nun wieder in die Defensive zu geraten. Sowohl gegen den Yen als auch den Euro mußte er in den vergangenen Tagen deutliche Kursverluste hinnehmen. Gegen die japanische Währung hat er den kurzfristigen Aufwärtstrend nach unten auf zuletzt 108,21 Yen je Dollar durchbrochen.

Gegen den Euro scheint er am Mittwoch mit Kursen von bis zu 1,2622 Dollar den Ausbruch aus der seit Ende Februar anhaltenden Seitwärtsbewegung nach oben weiter zu bestätigen. Der breiter angelegte Dollar-Index deutet mit dem Fall unter die Marke von 87 nicht nur die Fortsetzung des langfristigen Abwärtstrends an, sondern nach Interpretation von Charttechnikern kurzfristige Kursverluste von bis zu 2,8 Prozent. Sollten sie recht behalten, würde wohl das „Dollartief“ aus dem Frühjahr bei 1,2928 Dollar je Euro getestet werden.

Konjunkturdaten sprechen gegen den Dollar

Auf diese Weise könnten die jüngsten Konjunkturdaten aus Amerika „Früchte“ tragen. Schwache Arbeitsmarktdaten für September und das zweithöchste Handelsbilanzdefizit in diesem Jahr im August bestätigten die Trends der vergangenen Monate. Sie lassen immer mehr Zweifel an der Nachhaltigkeit der amerikanischen Erholung aufkommen. Es gibt deutliche Strukturschwächen: Steuer-, ausgaben- und zinsinduzierten Strohfeuercharakter, geringe Ersparnis bei den Konsumenten, hohes und steigendes Budgetdefizit und ein rekordhohes Leistungsbilanzdefizit.

Dazu kommen immer weniger übersehbare „Bremsspuren“, die von einem hohen Ölpreis und starkgestiegenen Rohstoffkosten ausgehen. Die jüngste Entwicklung der amerikanischen Kerninflationsrate deutet zusammen mit den Frühindikatoren auf eine denkbare gefährliche Entwicklung hin, die selbst Notenbankchef Alan Greenspan zu befürchten scheint. Nämlich eine Stagflation, also eine Kombination zwischen inflationärer Entwicklung und wirtschaftlicher Stagnation. Das würde die Zentralbank dazu zwingen, den Leitzins weiter zu erhöhen, obwohl es in manchen Branchen zu deflationären Tendenzen kommen kann. Beispielsweise im Bereich elektronischer Konsumgüter.

Amerikanische Wertpapiere nur noch bei „manipulativen“ Zentralbanken gefragt

Eine solche Entwicklung wäre für die Umsatz- und Ertragsentwicklung der amerikanischen Unternehmen sicherlich nicht sonderlich positiv. Gleichzeitig ist die „führende Wirtschaftsnation“ der Welt jedoch massiv vom Import günstigen Kapitals angewiesen. Lange Zeit war das kein Problem. Denn die internationalen Anleger wurden geblendet von scheinbar guten Konjunktur- und Unternehmenszahlen und wollten durch den Kauf von Aktien, Anleihen oder ganzer Unternehmen von der Entwicklung profitieren. Mit den Bilanz- und sonstigen Skandalen und den sich nun abschwächenden Konjunkturzahlen hat sich dieses Bild allerdings gewandelt.

Die jüngsten Daten zu den Investmentströmen und auch Fondsmanagerumfrage manchen deutlich, daß amerikanische Aktien im Ausland bei Anlegern kaum mehr gefragt sind. Die Staatsanleihen des Landes werden praktisch nur noch von den asiatischen Zentralbanken erworben, die auf diese Weise die Dollareinnahmen „recyceln“, die sie bei der Manipulation der Wechselkurse zu ihren Gunsten einnehmen. Dieses Spiel mag kurz- und mittelfristig aufgehen. Langfristig wird es allerdings auf Grund immer größer werdender Ungleichgewichte immer riskanter.

Sollten die Mittelströme aus dem Ausland nach Amerika deutlicher zurückgehen - und eine Korrektur ist dringend notwendig -, dann dürften die amerikanischen Zinsen deutlich steigen und die Konjunktur des Landes endgültig abwürgen. Allein aus diesem Grund dürften die Aussichten für den Dollar alles andere als positiv sein. Und zwar so lange, bis ein neues Gleichgewicht zwischen Zinsen und Wechselkurs die amerikanische Wirtschaft wieder in die Balance gebracht hat. Nach kritischen Analysen muß der Dollar dafür noch massiv abwerten, weniger gegen den Euro, sondern vor allem gegen die asiatischen Währungen. Auf der anderen Seite könnte das Gold Auftrieb erhalten. Am Mittwoch legt es 2,39 Dollar auf 422,24 Dollar je Unze zu und setzt damit seinen im Jahr 2001 etablierten Aufwärtstrend fort.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach