23.06.2003 · Die positive Stimmung an der Wall Street hat jüngst auch den Dollar beflügelt. Technisch betrachtet hat er weiteren Spielraum bis auf 1,1385 Dollar je Euro. Längerfristig spricht jedoch einiges gegen den Greenback.
Am Devisenmarkt richten sich alle Blicke auf das Treffen der amerikanischen Notenbanker am kommenden Mittwoch. Mit der guten Stimmung an den Weltbörsen, dem immer stärker aufkommenden Wirtschaftsoptimismus und abnehmender Angst vor einer deflationären Entwicklung mußten in den vergangenen Tagen nicht nur die Rentenmärkte zum Teil deutliche Kursverluste hinnehmen, sondern auch der Euro. Mit 1,1581 Dollar je Euro liegt die europäische Einheitswährung am Montag deutlich unter dem Allzeithoch von 1,1933 vom 27. Mai.
Ursache für diese Entwicklung ist auf der einen Seite die deutliche Zinssenkung der europäischen Zentralbank um einen halben Prozentpunkt auf zwei Prozent und die Erwartung, die amerikanische Notenbank Fed könnte am Mittwoch den Leitzins nur um einen Viertelprozentpunkt auf das Rekordtief von einem Prozent senken. Ursprünglich war die Mehrheit der Marktteilnehmer davon ausgegangen, die Fed werde einen weiteren „großen Zinsschritt“ auf gerade noch 0,75 Prozent vornehmen. Diese Erwartung wurde mit Alan Greenspans Sorge vor einer deflationären Entwicklung begründet. Mit den jüngsten Daten über die Preisentwicklung jedoch hat sich diese Erwartung etwas verflüchtigt.
Schaltet die Fed auf „neutral“, dürfte der Dollar zulegen ...
Damit hat sich die erwartete Zinsdifferenz zwischen den beiden großen Währungsräumen vermindert und das macht den Euro - zumindest aus dem Blickwinkel der Verzinsung - weniger attraktiv. Gleichzeitig gab es auf Grund der positiv interpretierten Konjunkturdaten wieder Nettokapitalströme nach Amerika. Und das läßt das gigantische Leistungsbilanzdefizit etwas in den Hintergrund rücken. Denn wenn die amerikanischen Finanzmärkte für internationale Anleger wieder deutlich interessanter werden, fällt die Finanzierung dieses Defizits leichter, so die Logik.
Nachdem Euro-Dollar am Freitag die technische Unterstützung bei 1,1585 Dollar „gerissen“ hat, gibt es zumindest aus technischer Sicht kurzfristig keine größeren Hürden mehr bis auf 1,1385 Dollar je Euro. Greenspan dürfte es entscheiden. Sollte er am Mittwoch nicht mehr ausdrücklich vor deflationären Gefahren warnen und den Leitzins dabei „nur“ um 25 Basispunkte senken, wird der Dollar sehr wahrscheinlich zumindest kurzfristig weiteren Boden gegen den Euro gut machen. Sollte er gleichzeitig die „Zinserwartungen“ auf „neutral“ stellen, also signalisieren, daß die Notenbank die Wirtschaftsentwicklung nicht weiter stimulieren wolle, dann dürfte der Dollar kurzfristig deutlich zulegen.
... wenn nicht, gerät er unter Druck
Anders dürfte es aussehen, wenn Greenspan einen weiteren kräftigen Schluck aus der „Zinspulle“ nimmt, sich besorgt über die schwache Entwicklung der Wirtschaft und die deflationäre Entwicklung zeigt und möglicherweise alternative Maßnahmen andeutet, die Wirtschaft mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. Dann dürfte der Euro wieder deutlich zulegen. Vielfach wird argumentiert, der Fed gehe langsam die Zinsmunition aus. Die Notenbank könnte jedoch zusätzlich dazu übergehen, Wertpapiere zu kaufen. Sofern sie das nicht schon tut.
Kurzfristig richten sich damit zwar alle Blicke auf die Fed. Möglicherweise tendiert sie dazu, den aktuell vorherrschenden Optimismus der Börsianer zu fördern und zu „liefern“, was der Markt erwartet. Längerfristig wird jedoch alles davon abhängen, wie sich die amerikanische Wirtschaft tatsächlich entwickelt. Und da sind die Risiken der relativ hohen Arbeitslosigkeit, der starken Verschuldung, der industriellen Überkapazitäten und der zunehmenden Konkurrenz im globalen Handel nicht zu übersehen. In diesem Sinne dürfte es Amerika schwer fallen, das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Und genau das dürfte den Dollar - abgesehen von kurzfristigen Gegenbewegungen - gegen den Euro weiterhin unter Druck setzen. Für die Analysten der UBS ist es nur eine Frage des Timings, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist, den Dollar wieder gegen Euro zu verkaufen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |