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Devisen Euro im Banne hoher Erwartungen

06.02.2006 ·  Wie schon im vergangenen Jahr rechnen auch im laufenden wieder viele Anleger mit einem schwächelden Dollar. Zunächst sah es danach aus, aber kurzfristig scheint er wieder etwas Rückenwind zu erhalten.

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Fundamental betrachtet sprechen viele Argumente gegen den Dollar und für den Euro. Denn die amerikanische Wirtschaft ist zwar in den vergangenen Monaten gut gelaufen, allerdings auf Kosten der Substanz. Das zeigt sich unter anderem in der hohen Verschuldung der Konsumenten, des rasch wachsenden Budgetdefizits, des im Trend zunehmenden Leistungsbilanzdefizits und der mangelnden internationalen Wettbewerbsfähigkeit großer Teile der produzierenden Industrie.

Sie wird deutlich an der schlechten Lage ehemaliger „Blue Chips“ wie Ford und General Motors, aber auch an den hinterfragbaren Bilanzen bekannter Unternehmen von der Citigroup über AIG bis hin zu General Electric. GE hat seine Bilanz jahrelang mit Hilfe der Versicherungssparte frisiert und auf diese Weise Wachstum vorgetäuscht, das überhaupt nicht vorhanden war.

Wetten auf den Euro - beliebt aber vorerst erfolglos

Solche Tatsachen hinderten den Dollar allerdings nicht daran, sich im vergangenen Jahr gegen den Euro deutlich von seiner vorhergehenden Schwächephase zu erholen. Dafür waren vor allem die deutlichen Zinserhöhungen der amerikanischen Zentralbank verantwortlich, die spekulative Anleger zur Zinsarbitrage in großem Stile veranlaßten. Denn sie konnten sich günstig in Europa und Japan refinanzieren, um die Gelder in Amerika anzulegen. Zusammen mit steuerinduzierten Kapitalströmen trugen sie im vergangenen Jahr zur Dollarerholung bei.

Zu Beginn des Jahres 2006 sah es so aus, als ob sich das wieder ändern würde. Denn die Märkte rechneten damit, daß die amerikanische Zentralbank den Zinserhöhungszyklus bald abschließen würde. Gleichzeitig rechneten sie auch mit Zinserhöhungen in Europa und möglicherweise einer restriktiveren Geldpolitik auch in Japan. Aus diesem Grund konnte der Euro den kurzfristigen Abwertungstrend gegen den Dollar überwinden und von 1,1640 auf bis zu 1,2323 Dollar aufwerten.

Inzwischen scheint sich die Wahrnehmung aber schon wieder etwas verändert zu haben. Denn nun besteht die Möglichkeit, daß die kurzfristigen Zinsen im Amerika weiter erhöht werden, als bisher erwartet worden war. Gleichzeitig will sich Japan offensichtlich weiterhin geldpolitisch weiterhin nicht bewegen, obwohl das Land mit einer künstlich geschwächten Währung deutliche kompetitive Vorteile erreicht und auf diese Weise Handelsüberschüsse erzielt. Auch die Vigilanz der Europäischen Zentralbank ist trotz rasch steigender Vermögenspreise hinterfragbar. Zumal der jüngst medial groß gefeierte Wirtschaftsaufschwung eher auf schwachen Beinen zu stehen scheint.

Überschreiten kritischen Marken macht kurzfristig weitere Dollaravancen denkbar

Gleichzeitig scheinen viele Anleger von einer Abwertung des Dollars auszugehen und sind auch entsprechend positioniert. Das zeigt sich unter anderem an ausgeprägten offenen Positionen an den Terminmärkten, die auf einen steigenden Euro einerseits und auf einen fallenden Yen andererseits wetten. Je länger diese „Wetten“ jedoch nicht aufgehen, desto mehr verlieren die Marktteilnehmer ihre Geduld und könnten geneigt sein, ihre Positionen abzubauen. So etwas führt zu einem gewissen Verkaufsdruck, der zu einer raschen, deutlichen Bewegung werden kann, wenn Stop-Loss-Marken erreicht werden. In diesem Sinne können sie als antizyklische Signale gewertet werden.

Sollte Euro-Dollar unter die Marke von 1,1970 fallen, könnte auf diese Weise alleine aus technischer Sicht der Weg geöffnet werden in Richtung auf 1,19 und möglicherweise sogar 1,18 Dollar. Insgesamt stellen die hohen Erwartungen eine Bürde für den Euro dar, die bei Enttäuschungen zu unter Umständen deutlichen Gegenbewegung nach unten führen können. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß man den Dollar mittel- und langfristig kritisch betrachten muß. Darauf alleine schon die deutlich steigenden Preise bei den Rohstoffen, insbesondere jedoch bei den Edelmetallen hin. Denn sie stellen einen „Hedge“ gegen Risiken dar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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