23.07.2002 · Europas Börsen lassen sich von der Schwäche der Wall Street anstecken. Darunter leidet der Kurs des Euro.
Als eine „natürliche Kurskorrektur“ bewerten Händler die aktuelle Euro-Schwäche. Am Dienstag ist die europäische Einheitswährung erstmals seit rund einer Woche wieder unter die Parität zum Dollar gerutscht. In Asien fiel der Euro zeitweise bis auf 0,9958 Dollar, nachdem er im US-Handel am Vorabend noch knapp 1,01 Dollar gekostet hatte. In Europa notiert er um 15.00 Uhr bei 0,9919 Dollar.
Händler sehen dennoch kein Anzeichen für eine Trendwende. Auch nach dem Kurssturz an den Börsen im Jahr 1987 hat sich der Dollar kurz erholt und dann wieder verloren, heißt es. Die Währungsexperten von UBS Warburg sehen den Dollarkurs auch künftig unter Druck: Zwar sei den Anlegern mittlerweile klar, dass die ökonomischen Probleme der USA auch andere Volkswirtschaften belaste und damit ihre Währungen schwäche. „Aber längerfristig wird die Belastung der USA durch ihr Leistungsbilanzdefizit schwerer wiegen als die Sorge vor Ansteckung anderer Länder durch die US-Wirtschaftsschwäche“, urteilen sie. Bis auf 0,9800 Dollar könne der Euro noch fallen, ohne den grundsätzlichen Aufwärtstrend zu durchbrechen.
Euro leidet unter Börsenschwäche in Europa
Bislang hat der Dollar unter den schwachen US-Börsen gelitten, während der Euro profitierte. Jetzt ist es umgekehrt: Die Schwäche der Wall Street springt auf die europäischen Börsen über, und diese ziehen die Europa-Währung nach unten. Es sei normal, dass Anleger in dieser Situation Euros verkauften, um Gewinne mitzunehmen, sagten Händler.
Der Dollar machte auch gegenüber dem japanischen Yen, dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund Boden gut.
US-Aktien beeinflussen Dollar nicht mehr so stark
„Der Zusammenhang zwischen Dollarkurs und US-Aktien wird geringer, weil die Aktienkurse auch in anderen Regionen fallen“, sagte Mitsuru Sahara, Fachmann für Fremdwährungen bei der UFJ Bank Ltd. Der Dax hat am Montag seinen tiefsten Stand seit Oktober 1997 erreicht, der Dow Jones Stoxx-50-Index europäischer Aktien den größten Zweitagesverlust seiner im Jahr 1998 begonnenen Geschichte hingelegt. Er fiel um 19 Prozent und damit mehr als der Standard & Poor's-500-Index in den vergangenen zwei Wochen. Der S&P-500-Index liefert einen relativ breiten Querschnitt durch den US-Aktienmarkt. „Der dominante Trend im Währungsmarkt ist nun die Korrektur der zu großen Dollar-Schwäche“, sagte Sahara.
Neben den schwachen europäischen Börsen sahen Händler zwei weitere Gründe für die Dollar-Erholung: Die Suche der Anleger nach Sicherheit und die Umschichtung von Kapital aus dem Ausland - angesichts der auch dort schwachen Börsen - zurück in die USA. Viele Anleger scheinen ihr Geld angesichts der unsicheren Aktienkurse in US-Staatsanleihen zu stecken. Deren Kurse haben am Montag am dritten Tag in Folge zugelegt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |