Die Nervosität an den Finanzmärkten nimmt zu. Das zeigt sich auf der Aktienseite unter anderem an der Entwicklung des Volatilitätsindex VDax. Er ist in den vergangenen Tagen deutlich angesprungen auf bis zu 17,51 Prozent, nachdem er zuvor auf einem extrem tiefen Niveau von gerade noch elf Prozent eine Art von Boden ausgebildet hatte.
Auf der Währungsseite nimmt die Volatilität im Markt nicht unbedingt zu, allerdings hält die Richtungslosigkeit an. Zunächst hatte sich der Dollar gegen den Euro und auch den Yen von seinen zu Jahresbeginn noch erreichten Tiefs erholt. Hintergrund waren der immer wieder gerne angeführte Wachstumsvorsprung Amerikas und die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen.
Es gibt gute Gründe gegen den Dollar ...
In jüngster Zeit hat sich diese Erwartung allerdings etwas verflüchtigt. Denn die jüngsten Konjunkturzahlen ließen gewisse Zweifel an der amerikanischen „Wachstumsgeschichte“ aufkommen. Zumindest an ihrer Nachhaltigkeit. Selbst das Zinsargument könnte nicht mehr so richtig ziehen, wenn die Preise in Amerika weiter anziehen sollten. Denn interessant sind nicht die Nominal-, sondern die Realzinsen.
Gleichzeitig gibt es so gut wie keine Anzeichen dafür, daß sich die amerikanischen Defizite trotz der Dollarabwertung der vergangenen Jahre stabilisieren oder gar abbauen würden. Auf dieser Basis scheint es nicht nur wenige Gründe für einen stärkeren Dollar zu geben. Sondern im Gegenteil. Sollten die asiatischen Staaten ihre Währung nicht flexibler machen - sie können sich auf Grund der Bindung des Yuans an den Dollar und auf Grund zum Teil massiver Interventionen nicht an die Handelsströme anpassen -, dann dürfte Amerika geneigt sein, die eigene Währung weiter schwach zu reden.
... aber auch gegen den Euro ...
Das muß nicht unbedingt bedeuten, daß der Dollar wieder gegen den Euro aufwerten wird. Denn es gibt eine Menge von Gründen, die gegen den Euro sprechen. Angefangen von der leichten Überbewertung gegen den Dollar, einer großzügigen Geldmenge, über das schwache Wirtschaftswachstum in Kerneuropa, die vorsätzliche Unterminierung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes, die mögliche Ablehnung der europäischen Verfassung in Volksabstimmungen, die nachlassende Reformdynamik, sozialistische Anwandlungen in den großen Volksparteien, bis hin zu Anzeichen für zunehmenden Protektionismus.
Sie manifestieren sich unter anderem in der Ablehnung der Reformen im Dienstleistungssektor in Frankreich und Deutschland. Denn was ist das anderes, als die primitive Abschottung der Pfründe privilegierter, überversorgter Bereiche gegen den harten Wind des Wettbewerbs auf Kosten der Konsumenten? Es gibt sogar schon Stimmen, die über ein Auseinanderbrechen der Währungsunion fabulieren.
So dürfte es kaum verwundern, daß der Euro nach einem schwachen ZEW-Index wieder unter die Marke von 1,30 Dollar zurückfiel. Damit sei die Range zwischen 1,2950 und 1,3054 Dollar zunächst bestätigt, heißt es. Solange die 1,2950 Dollar halte, bleibe der “Unterton“ für den Euro freundlich. Impulse für einen Ausbruch aus der Range seien jedoch nicht in Sicht. Der Euro habe bereits im Vorfeld der Daten Richtung 1,30 Dollar nachgegeben, da hätten “Marktteilnehmer vermutlich schon was gewußt und sich entsprechend positioniert“, so ein Händler.
... und für die asiatischen Währungen
Strategen wie Jim O'Neill von Goldman Sachs aber auch andere halten dagegen eine Aufwertung asiatischer Währungen für unausweichlich. Insbesondere in jenen Staaten, die starke Handelsbilanzüberschüsse erzielen und auf diese Weise Währungsreserven aufbauen. Dazu zählen - gemessen am Sozialprodukt - insbesondere Korea, Japan auch China. Wenn die asiatischen Währungen tatsächlich flexibler werden sollten, müßten sie insbesondere gegen den Dollar aufwerten. Strategisch ist damit der Kauf asiatischer Währungen direkt oder indirekt interessant.
Auf der anderen Seite sollte der Dollar gegen den Euro kaum aufwerten. Dagegen spricht vor allem die massive Überbewertung des Euro gegenüber asiatischen Währungen. Ein guter Indikator ist das Verhältnis zwischen Euro und Yen. Sollte der Euro gegen den Yen nach oben ausbrechen, würde die Überbewertung zunehmen. Sollte er nach unten laufen, würde sie abnehmen. Und genau das wäre bei flexiblen Wechselkursen sehr wahrscheinlich der Fall..