In England käme einem der Herbst wie Frühling vor, schreiben die Währungsanalysten von State Street Global Markets. Aufgrund der unüblich hohen Temperaturen seien die Strände und Picknickplätze überfüllt, obwohl es bis Weihnachten gerade noch elf Wochen seien.
Das sonnige Gemüt überträgt sich wohl auch auf die Anleger. Die Börsen scheinen Sorgen über einen Oktobercrash beiseite zu schieben, und der Devisenmarkt ignoriere die fundamentalen Risiken und setze voll auf die sogenannten „Carry Trades“.
Währungen werten auf, obwohl Fundamentaldaten dagegen sprechen
So zeigten Untersuchungen der Mittelflüsse, daß Währungen wie der südafrikanische Rand oder der Neuseeland-Dollar gekauft würden, obwohl eigentlich alles dagegen spräche. Immerhin sei Südafrika mit einem Leistungsbilanzdefizit von sechs Prozent und Neuseeland gar von knapp zehn Prozent konfrontiert.
Eine Strategie, die Währungen mit den höchsten Renditen im Sinne von Zinserträgen zu kaufen und dagegen jene mit den geringsten Erträgen leer zu verkaufen, hätte in den vergangenen zwei Monaten einen Ertrag von 2,2 Prozent erbracht. Hätte man dagegen auf die Währungen der Staaten mit der besten Leistungsbilanz gegen jene mit der schwächsten Leistungsbilanz gesetzt, hätte man einen Verlust von 4,1 Prozent erzielt, zeigt eine Untersuchung.
Daten von den Terminmärkten zeigen, daß sich die Shortpositionen im niedrig verzinslichen Yen mittlerweile auf 13 Milliarden Dollar belaufen. Auch die Spekulation gegen den Schweizer Franken ist massiv. Dagegen wurden in den vergangenen Tagen „hoch verzinsliche“ Währungen wie der amerikanische Dollar, der polnische Zloty, der ungarische Forint, die türkische Lira, der kanadische Dollar und nicht zuletzt auch die südamerikanischen Währungen offensichtlich attraktiver für die spekulativen Anleger.
Akkumulation amerikanischer Treasuries durch Zentralbanken - ein freier Markt sieht anders aus
Die Rückkehr zu solch' riskanten Strategien lasse sich nicht mit den jüngsten volkswirtschaftlichen Daten erklären, sondern vor allem mit der Gleichgültig- und Selbstgefälligkeit der politischen Akteure, schreiben die Analysten von State Street. Wirtschafts-, Finanz- und auch Zentralbanker schienen ihre Redemanuskripte über flexible Währungen einfach weggeworfen zu haben, statt sie zu betonen oder gar durchzusetzen.
Seit dem Meeting in Dubai im Jahr 2003 hätten alleine die internationalen Zentralbanken amerikanische Treasuries und sonstige Agency-Papiere im Wert von 440 Milliarden Dollar erworben. Ein freier Markt jedoch sehe völlig anders aus. Dagegen sei es das perfekte Umfeld für risikoliebende Marktteilnehmer. Allerdings sei das Spiel riskant. Denn da Zentralbanken grundlegende Pessimisten seien, könnten sie in den Markt kommen.
Auf Basis realer Wechselkurse sei der Yen rund zehn Prozent unterbewertet. In diesem Umfeld genügte nur ein leichter, bedenklicher Hinweis der japanischen Zentralbank auf die Carry Trades, um den Yen zumindest kurzfristig rasch und deutlich aufwerten zu lassen. Wenn Märkte faire Bewertungen ignorierten, könnten Interventionen zu dramatischen Gegenbewegungen führen. Und so wie sich die Jahreszeiten ändern, könnte sich auch die Politik der Zentralbanken verändern, schließen die Experten von State Street ihre Überlegungen ab. Sollten sie recht haben, könnte es an den Devisenmärkten bald interessant und vor allem auch volatiler werden als bisher.