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Devisen Dollar profitiert nicht von Zinsargumenten

21.09.2005 ·  Die Zinsen in Amerika steigen und die Wirtschafsentwicklung wird bejubelt. Der Dollar kann gegen den Euro trotzdem nicht entscheidend punkten. Kein Wunder, denn es gibt gute Argumente, die gegen den Greenback sprechen.

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Trotz der beträchtlichen Sturmschäden in New Orleans hat die amerikanische Zentralbank am Dienstag den Leitzins um einen weiteren Viertel-Prozentpunkt auf 3,75 Prozent erhöht. Gleichzeitig gab es so gut wie keine Anzeichen dafür, daß weitere Zinserhöhungen ausbleiben könnten. Das heißt, der amerikanische Leitzins dürfte weiter erhöht werden.

Darauf hatte der Devisenmarkt im Vorfeld schon spekuliert und den Euro bis auf 1,21 Dollar fallen lassen. Hintergrund war nicht nur die anhaltende Zinsphantasie in Amerika, sondern vor allem auch die Steilvorlage vom deutschen „Wahlpatt“, das die Uneinsichtigkeit und auch die Unentschlossenheit der Europäer in Bezug auf dringend notwendige Veränderungen wieder einmal deutlich gemacht hat.

„Eurostimmung“ scheint angeschlagen sein ...

Weite Teile der Bevölkerungen scheinen einfach nicht wahrnehmen und einsehen zu wollen, daß sie im Moment deutlich über ihre Verhältnisse leben und vor allem auch auf Kosten der Zukunft. Das zeigt sich an den Defiziten allerorten, angefangen von den Renten- und Krankenkassen bis hin zu den gigantischen Defiziten in Bund, Länder und Gemeinden. Sie schwellen nicht nur immer weiter an, sondern gleichzeitig verschlechtert sich auch die wirtschaftliche Situation immer weiter. Die Konsumschwäche und auch die Rekordarbeitslosigkeit sprechen für sich selbst.

In diesem Zusammenhang und auch mit Blick auf die verfahrene Lage in der Europapolitik dürfte es verwundern, daß der Euro in den vergangenen Monaten gegen den Dollar nicht noch deutlicher unter die Räder gekommen ist. Denn unter normalen Umständen würden sich die aggressiven Devisenhändler mit Freude auf eine solche Konstellation stürzen. So spricht alleine die Tatsache, daß die europäische Einheitswährung nicht deutlicher unter Druck gerät, für eine gewisse „Unnormalität“ der Umstände.

Sie läßt sich einerseits ableiten aus der enormen Zinsabhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft. Sollte ihre die „Droge“ noch deutlicher als bisher entzogen werden, so dürfte sich der Effekt früher oder später zeigen. Immerhin hat der Bloomberg REIT-Index jetzt schon den mittelfristigen Aufwärtstrend durchbrochen. Das sind keine sonderlich guten Voraussetzungen für die Gewinnentwicklung in den damit zusammenhängenden Branchen.

Gleichzeitig dürften auch die hohen Rohstoffpreise früher oder später außerhalb ihrer Branche Spuren hinterlassen, sei es in Form steigender Preise oder fallender Gewinne. Genau das könnte aber amerikanische Wertpapiere noch unattraktiver machen, als sie es auf Grund der vergleichsweise hohen Bewertungen schon sind. Wieso sollten ausländische Anleger sie folglich kaufen sollen?

... allerdings gibt es gute Argumente gegen den Dollar

Dabei ist das Land massiv auf Kapitalimporte aus dem Ausland angewiesen, um den Kapitalbedarf und vor allem auch den Konsumwahn im Lande finanzieren zu können. Denn die Vereinigten Staaten importieren deutlich mehr als sie exportieren. Diese Lücke - das Leistungsbilanzdefizit - lief in den vergangenen Jahren immer weiter auseinander. Weitere Rekordmarken scheinen nur eine Frage der Zeit zu sein.

Auf der anderen Seite führte diese Entwicklung vor allem in Asien zu einem Anschwellen der Devisenreserven. Wurden sie lange Zeit einfach wieder nach Amerika zurückgeleitet, so scheinen immer mehr asiatische Staaten ihre Währungsreserven breiter zu diversifizieren. Sei es durch den Kauf anderer Währungen oder von Rohstoffen. Diese Entwicklung läßt sich unter anderem daran ablesen, daß die chinesischen Bestände an amerikanischen Wertpapieren längst nicht mehr mit der Entwicklung der Währungsbestände einhergehen. Das heißt, sie verwenden die erlösten Dollar in anderer Weise. Und China ist sicherlich nicht allein, denn auch andere Staaten haben entsprechende Absichten verlauten lassen - unter anderem auch Rußland.

Alleine schon aus diesem scheint der Euro spätestens unter der Marke von 1,20 Dollar immer wieder auf Kaufinteresse zu stoßen. Das zeigt sich auch an der Charttechnik. Denn über der Marke von 1,1950 Dollar hat die europäische Währungen eine massive Unterstützungszone etabliert. Es dürften nicht nur sehr gute Gründe nötig sein, um sie zu überwinden. Sondern auf Grund der massiven und langfristig unhaltbaren Ungleichgewichte in der amerikanischen Wirtschaft und ihrer Anfälligkeit scheint eine neue Dollarschwäche nur eine Frage der Zeit zu sein. Denn wie sonst sollen sie jemals korrigiert werden? Auch zyklische Aspekte spielen eine Rolle. Denn der Herbst steht in der Regel „im Zeichen des Euro.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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