06.01.2006 · Mit dem neuen Jahr werden auch am Devisenmarkt die Würfel neu gemischt. Sondereffekte, die den Dollar im vergangenen Jahr eine Renaissance gaben, verlieren an Bedeutung. Die jüngsten Konjunkturdaten waren auch nicht gerade ermutigend.
Hatte das Jahr 2005 mit einer relativen Dollarstärke überrascht, so ist das Jahr vorbei und damit auch einige der Sondereffekte, die die amerikanische Währung nach mehreren Jahren einer deutlichen Abwertung gegen den Euro haben wieder etwas erholen lassen.
Das neue Jahr scheint jedoch anders zu verlaufen. Denn der Dollar befindet sich sowohl gegen den Euro als auch gegen den Yen in der Defensive, insbesondere am Freitag nach unerwartet schwachen Arbeitsmarktzahlen aus Amerika. Zuvor hatte ihn schon das kolportierte Ende der Zinserhöhungen in Amerika leicht belastet.
Sondereffekte laufen verlieren an Gewicht
Damit könnte auch das Ende der Sondereffekte gekommen sein, die der Währung im vergangenen Jahr geholfen hatten. Sie bestanden im Wesentlichen in den andauernden Leitzinserhöhungen in den Vereinigten Staaten. Die hatten in Verbindung mit tief bleibenden Zinsen in Europa und insbesondere auch in Japan ein Spekulationsspiel möglich gemacht: Kreditaufnahme in Japan und Anlage des Geldes in den Vereinigten Staaten.
Der relative Zinsvorteil ist zwar nach wie vor da. Allerdings fehlt nun die Dollarerholungsphantasie. Damit bleibt das Währungsrisiko, welches mit solchen Strategien eingegangen wird. Läuft die Währung nämlich gegen den so positionierten Anleger, so sind die Zinsvorteile schnell dahin. Aus diesem Grund sind solche Strategien relativ dynamisch und nur dann interessant, wenn man nicht nur vom Zinsvorteil profitieren kann, sondern wenn man gleichzeitig auch noch mit einer Aufwertung der gewählten Anlagewährung rechnen kann.
Diese Logik kann sich sehr schnell drehen. Denn müssen die im Ausland refinazierten Dollarinvestoren mit einer Abwertung des Dollars rechnen, so sind sie aus Risikoaspekten rasch gezwungen, diese Positionen zu liquidieren oder zumindest abzusichern, sobald der Zinsvorteil gefährdet ist. In diesem Fall kann eine gewisse Eigendynamik gegen den Dollar oder die relevante Währung entstehen.
Das kann insbesondere dann der Fall sein, wenn sonstige, zuvor dollarpositive Faktoren wie zum Beispiel Repartiierungsvorteile aus Steuergründen im vergangenen Jahr, plötzlich wegfallen. Möglicherweise kommen zusätzlich bestehende dollarnegative Argumente wieder stärker zum Tragen. So läuft in den Vereinigten Staaten weder der Einzelhandel besonders gut und auch der Bausektor dürfte zusammen mit allen damit verbundenen Bereichen weiterhin deutlich an Dynamik verlieren. Denn höhere Zinsen machen zusammen mit deutlich gestiegenen Öl- und Gaspreisen Hypotheken weniger tragbar als in der Vergangenheit. Das dürfte auch dazu führen, daß die Haus- und Wohnungspreise in den Vereinigten Staaten nicht mehr weiter steigen, sondern möglicherweise sogar fallen werden.
Amerikanischer Konsum gefährdet
Dabei hatte der amerikanische Konsum in den vergangenen Monaten insbesondere von diesem positiv formulierten Vermögenspreiseffekt profitiert. Negativ kann man es aber auch Vermögenspreisinflation nennen, die bei einer Korrektur zu deflationären Effekten führen dürfte. Japan kann davon ein Lied singen, weil das Land jahrzehntelang unter den Folgen einer Immobilienblase zu leiden hatte.
Läuft jedoch der amerikanische Konsum nicht mehr, so dürfte das Wachstum nachlassen. Wieso sollten ausländische Anleger dann aber noch in Amerika investieren wollen? Dabei ist das riesige Land dringend auf ausländisches Kapital angewiesen, erzielt es doch deutlich Budget- und insbesondere im Trend zunehmende Leistungsbilanzdefizite. Selbst das Recycling der auf der anderen Seite erwirtschafteten Überschüsse in amerikanische Treasuries dürfte nicht mehr sicher sein. Denn wer will schon die immer größer werdenden Währungsrisiken längerfristig tragen?
Aus diesem Grund dürften Analystenaussagen etwas verwegen sein, die die Bedeutung der Defizite verleugnen, selbst wenn Länder wie China offen ankündigen, sie würden ihre Devisenreserven künftig breiter diversifizieren. Das heißt doch nichts anderes, als weniger Dollar zu kaufen. Sollte der Dollar jedoch wieder unter Druck geraten und zum Beispiel auch gegen den Yuan deutlicher aufwerten, dann hätte Amerika nicht nur ein mögliches Konjunktur-, sondern gleichzeitig auch noch ein Preisproblem. In diesem Sinne dürfte der Dollar weiterhin kritisch betrachtet werden müssen.
Gegen den Yen ist der Aufwertungstrend des vergangenen Jahres schon deutlich angeknackts. Charttechnisch scheint die nächst Marke bei 110 Yen je Dollar zu liegen. Ähnlich sieht es gegen den Euro aus. Hier scheint eine mögliche Zielmarke bei 1,25 Dollar je Euro zu liegen. Das ergäbe ein Euro-Yen-Verhältnis von 144. Absicherungsstrategien sind am Devisenmarkt bei eingegangenen Positionen so gut wie obligatorisch.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |