21.03.2005 · Der Dollar verspürt seit kurzer Zeit etwas Rückenwind gegen den Euro und auch andere Währungen. Das mag mit einer veränderten Zinserwartung zusammenhängen. Mittel- und langfristig dagegen spricht einiges gegen den Dollar.
Am Devisenmarkt hat sich in jüngster Zeit das Blatt gegen den Euro gewendet. Sah es noch vor wenigen Tagen so aus, als ob die europäische Einheitswährung einen Anlauf auf neue Rekordkurse gegen den Dollar unternehmen würde, so hat er in den vergangenen Tagen den im Februar etablierten, kurzfristigen Aufwärtstrend gebrochen. Mit 1,3178 Dollar liegt er etwas mehr als zwei Prozent unter dem jüngsten Zwischenhoch bei 1,3481 Dollar je Euro.
Kurzfristig sehen nun manche Experten weitere Kursverluste auf den Euro zukommen. Die Währungsanalysten der BNP Paribas rechnen beispielsweise mit einem Abgleiten des Euro bis auf die Marke von 1,3085 Dollar in den kommenden Wochen.
Kurzfristige Äußerungen und Tendenzen können den Dollar stützen ...
Der Hintergrund für die Entwicklung ist vielschichtig. Kurzfristig mögen Äußerungen aus Asien eine Rolle gespielt haben, eine zu drastische Umschichtung der Währungsreserven der Region aus dem Dollar in den Euro und in andere Währungen könnten die internationale Finanzstabilität gefährden. „Die Stabilität der Finanzmärkte ist gefährdet, wenn asiatische Zentralbanken bei ihren Devisenreserven zu rasch den Dollar gegen den Euro austauschen,“ sagte Joseph Yam, Leiter der de-facto-Zentralbank Hong Kong Monetary Authority, bei einer Veranstaltung in Hongkong. Solche Schritte sollten "in geordneten Bahnen" vonstatten gehen, erläuterte er weiter.
„Eine plötzliche Umschichtung von Geldern asiatischer Zentralbanken in den Euro dürfte zu Störungen an den internationalen Märkten führen, befürchtet auch EZB-Ratsmitglied Christian Noyer. "Die Diversifizierung privater und öffentlicher Vermögenswerte ist im Gange, erläuterte Noyer, der ebenfalls auf der Tagung sprach. "Unserer Meinung nach ist es wichtig, daß es in ordentlichen Bahnen verläuft und es keinen zu starken Druck auf die Devisenmärkte gibt," fügte das EZB-Ratsmitglied hinzu.
Solche Äußerungen machen jedoch verschiedenes deutlich. Erstens gibt es tatsächlich ein Dollarproblem. Zweitens scheinen einige der „kleineren“ Zentralbanken nervös zu werden und sollen offensichtlich auf diese Weise beruhigt werden. Sollte das gelingen, dürfte der Dollar jedoch längere Zeit unter Druck stehen bleiben, da die in Asien anfallenden Währungsreserven nicht mehr so stark den Weg in den Dollarraum suchen werden wie bisher. Das heißt, „Dollarstärke-Tendenzen“ dürften als gute Verkaufsgelegenheiten genutzt werden.
Mittel- und langfristig dagegen spricht einiges gegen den Dollar
Gleichzeitig dürfte der Euro kurzfristig in die Defensive geraten sein, weil in Europa der Stabilitäts- und Wachstumspakt von keynesianisch angehauchten Politikern nun auch offiziell aufgeweicht wird, nachdem er bisher schamlos unterlaufen wurde. Gleichzeitig wird mit Blick auf den Dollar im Vorfeld der am Dienstag anstehenden Zinsentscheidung in Amerika - es wird mit einer Zinserhöhung um weitere 25 Basispunkte auf dann 2,75 Prozent gerechnet - eine Art von Zinsphantasie verknüpft.
Entscheidend ist dabei nicht die Zinserhöhung an sich, sondern der weitere Ausblick auf die Wirtschafts- und damit auch die Zinsentwicklung. Sollte es auf Grund steigender Preise Anzeichen dafür geben, daß die amerikanische Zentralbank den Leitzins künftig schneller und deutlicher als erwartet erhöhen sollte, könnte der Dollar kurzfristig davon profitieren. Nicht deswegen, weil die Zinsdifferenz an sich eine Rolle spielen würde, sondern weil auf Grund der veränderten Wahrnehmungen mit günstigen Dollars finanzierte spekulative Positionen aufgelöst werden würden. Das könnte zumindest kurzfristig zu einer gewissen Dollarnachfrage führen.
Mittel- und langfristig dagegen sprechen nach wie vor viele Argumente gegen den Dollar. In erster Linie die makoökonomischen Ungleichgewichte des Landes. Die jüngsten Negativrekorde bei Handels- und Leistungsbilanz lassen grüßen. Aber auch die Wahrscheinlichkeit, daß China einen „dollarfreundlichen“ Augenblick nutzen könnte, um seine Währung aufzuwerten. Insgesamt dürfte eine gewisse Dollarerholung kurzfristig nicht ausgeschlossen sein. Langfristig scheint jedoch der Wert des Dollars hinterfragt werden zu müssen. Vor allem auch dann, wenn man die langfristige Entwicklung der Kaufkraft der Währung berücksichtigt: Ihr Trend zeigt eindeutig nach unten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |