12.12.2005 · Am Montag zeigt der Euro gegen den Dollar wieder einmal wieder etwas Stärke. Hintergrund sind abflauende Zinserwartungen in Amerika. Gleichzeitig scheinen die makroökonomischen Ungleichgewichte wieder an Bedeutung zu gewinnen.
Lief es nach Rekordkursen noch zum Ende des vergangenen Jahres gegen den Dollar für den Euro im Jahr 2005 nicht sonderlich erbauend, so scheint sich nun doch so langsam so etwas wie eine Bodenbildung abzuzeichnen.
Nachdem die europäische Einheitswährung in den vergangenen Tagen noch Kurse von bis zu 1,1640 Dollar je Euro gesehen hatte, geht es zumindest am Montag deutlich nach oben. Am frühen Nachmittag liegt sie mit einem Plus von 140 Stellen bei 1,1958 Dollar je Euro. Gegen den Yen verzeichnet der Euro mit einem Plus von 100 Stellen auf 143,44 Yen sogar ein neues Allzeithoch.
„Dollarreize“ beginnen zu verblassen
Und es scheint gute Gründe zu geben für diese Entwicklung. Denn einerseits haben in den vergangenen Tage die Geldflüsse in die Vereinigten Staaten aufgrund steuerlicher Reize nachgelassen, die international tätige amerikanische Unternehmen dazu verleitet hatten, Geldbestände nach Amerika zurückzuholen, um sie dort zu investieren.
Gleichzeitig sieht es auch so aus, als ob die Zinsphantasie in Amerika so etwas wie einen Höhepunkt erreicht haben könnte. Der Markt geht längst davon aus, daß die amerikanische Zentralbank den Leitzins am Dienstag um einen weiteren Viertelprozentpunkt auf dann 4,25 Prozent erhöhen wird. Gleichzeitig verdichtet sich allerdings die Erwartung, daß sie gleichzeitig ihr so genanntes „Wording“ ändern und nicht mehr von einer „stützenden“ oder akkomodierenden Geldpolitik reden wird. Das heißt, bald könnte der Zinserhöhungszyklus sein Ende finden oder zumindest pausieren.
Auf der anderen Seite blicken die europäischen Zentralbanker kritisch auf die nach wie sehr lockere Geldpolitik, auf Wachstumsimpulse und vor allem auch die Preisentwicklung in bestimmten Marktsegmenten. So gibt es beispielsweise in Irland, in Spanien und auch in Teilen Frankreichs Anzeichen für eine Immobilienblase. In anderen Sektoren werden die gestiegenen und hochbleibenden Rohstoffpreise früher oder später ihre Spuren hinterlassen und sehr wahrscheinlich für einen gewissen Preisauftrieb sorgen. Aus diesem Grund dürften weitere Zinserhöhungen in Europa relativ wahrscheinlich sein.
Wann geraten die amerikanischen Defizite wieder in den Brennpunkt?
Insgesamt sieht es damit so aus, als ob sich die bisher auseinander laufende Zinsschere wieder verengen könnte. Dabei hatten in den vergangenen Monaten viele spekulative Anleger genau auf diese Bewegung gesetzt und von gleichzeitig von der Zinsdifferenz und vor aufwertenden Dollar profitiert. Die Spekulation auf den Dollar hatte in den vergangenen Wochen einen gewissen Höhepunkt erreicht, wie sich an den bestehenden Positionen an den Terminmärkten ablesen ließ. Das alleine dürfte den Euro höher treiben, wenn diese Positionen wieder abgebaut und möglicherweise gerade „auf die andere Seite gedreht“ werden sollten.
Fundamental stellt sich auch die Frage, wie sich die amerikanische Wirtschaft auf dem erreichten Zinsniveau weiterentwickeln wird. Immerhin ist sie noch bis vor kurzem vor allem von den fallenden Zinsen und dem dadurch ausgelösten Konsum- und Bauboom getrieben worden. Diese Niedrigzinsdynamik fällt nun nicht nur weg, sondern die höheren Zinsen alleine haben schon die Anzahl der Privatinsolvenzen deutlich nach oben getrieben. Sollte sich jedoch der Konsum abschwächen, dürfte auch das nominelle Wachstum nachlassen.
Bald werden dann wieder die Defizite Amerikas in den Blick geraten. Denn die private Sparquote ist negativ, der Staat verschuldet sich immer stärker - das amerikanische Budgetdefizit hat mit einem Minus von 83,1 Milliarden Dollar einen neuen November-Minusrekord erreicht - und gleichzeitig lebt die gesamte Nation zu einem großen Teil von ausländischen Geldern. Das zeigt sich am hohen und im Trend zunehmenden Leistungsbilanzdefizit. Es fragt sich, wie lange diese Entwicklung anhalten kann. Immerhin gab es jüngst wieder Äußerungen in China, die der Zentralbank des Landes empfahlen, weniger Dollarreserven zu akkumulieren. In diesem Sinne muß der Dollar mittel- und langfristig kritisch betrachtet werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |