20.01.2006 · China erzielt im Außenhandel massive Überschüssen und hortet inzwischen gigantische Devisenreserven. Das müßte die Währung deutlich zum Aufwerten bringen, wenn die denn frein handelbar wäre. Die Zentralbank wehrt sich aber dagegen.
Der Markt bestimme den Wechselkurs des Yuan, erklärte Ma Delun, stellvertretender Gouverneur bei der chinesischen Zentralbank, im Interview mit Bloomberg News. Das amerikanische Handelsdefizit werde nicht durch den Yuan verursacht. Er wies damit Vorwürfe der Vereinigten Staaten zurück, die chinesische Regierung halte den Kurs der Währung künstlich niedrig, um die Exporte zu fördern.
„Chinesische Beschäftigte verdienen 1/33zigstel dessen was Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten verdienen“, erläuterte Ma im Interview mit Bloomberg News am 18. Januar in Schanghai. „Die Amerikaner müssen diese weltweite Neuverteilung der Branchen akzeptieren.“
Relativ großer Aufwertungsschritt des Yuan am Freitag
Der Yuan verzeichnete am Freitag mit 0,09 Prozent den größten Sprung gegenüber dem Dollar, seit im Juli die zuvor Jahrzehnt bestehende Anbindung des Yuan an den Dollar aufgegeben wurde. Seitdem hat die chinesische Währung gegenüber dem Greenback 0,6 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der koreanische Won hat 3,4 Prozent und der thailändische Baht 4,8 Prozent gegenüber dem Dollar gewonnen.
„Der Kommentar von Ma ist aufschlußreich“, sagt Claudio Piron, Devisenstratege bei JPMorgan Chase & Co. in Singapur. „Er zeigt, daß das System einer Yuan-Bewegung entspannter gegenüber steht. Das ist sicherlich ein Faktor, der den Yuan heute nach oben getrieben hat.“ Die chinesische Währung ist diesen Monat nicht gestiegen, obwohl die Zentralbank ihre Rolle reduziert hat und Citigroup, HSBC Holdings, ABN Amro Holding und zehn anderen Geschäftsbanken erlaubt, als Marktmacher zu fungieren und Angebotskurse für die Währung zu stellen.
„Wir manipulieren den Yuan nicht“, stellt Ma klar. „Das amerikanische Handelsbilanzdefizit ist nicht durch den Yuan verursacht. Das ist einem Ökonomen ist leicht zu erklären. Aber die Leute, die keine Ahnung von Finanzen haben, verstehen es nicht. Sie sollten zurück an die Universität gehen.“ Die Zentralbank ist nach wie vor die dominante Kraft am Markt und dürfte eine Aufwertung der Währung nur in kleinen Schritten zulassen, erklärt Gao Shanwen, Volkswirt bei Everbright Securities in Schanghai. „Die chinesische Regierung würde niemals zulassen, daß es aussieht, als ob sie sich bei ihrer Währungsreform dem internationalen Druck beugt, selbst wenn es letztlich so ist. Aber dann würde China sein Gesicht verlieren“, erläuterte Gao. „Es gibt einen unausgesprochenen Konsens zwischen der Zentralbank und den Marktteilnehmern. Sie testen die Zentralbank kontinuierlich.“
Der 56jährige Ma war bis März 2005 vier Jahre lang Vize- Direktor der staatlichen Devisenverwaltung der Notenbank. Im August wurde er bei der Zentralbank zum Executive Vice President des Büros Schanghai ernannt, das Marktoperationen gemäß den Vorgaben der Zentrale in Beijing ausführt. Auf die Frage, wo er den Yuan dieses Jahr sieht, antwortete Ma: „Das müssen Sie den Markt fragen.“ Seit dem vierten Januar dürfen auch Banken Kurse für den Yuan stellen und die Währung handeln. Damit ist die Notenbank nicht mehr der einzige Kursgeber. Die Notenbank setzt jetzt einen täglichen Referenzsatz fest, bei dem sie die durchschnittlichen Kurse von den Marktmachern verwendet. Der Yuan darf gegenüber dem Dollar in einer Bandbreite von 0,3 Prozent um den Tageskurs schwanken. Bisher ist die Volatilität des Yuan unter dem Markt-Maker-System nicht gestiegen.
Chinesische Währung steht aufgrund der fundamentalen Entwicklung klar unter Aufwertungsdruck
Der Devisenhandel in China ist von Unternehmen dominiert, die im Warenhandel tätig sind, berichtet Kenneth Poon, Leiter Markthandel bei ABN Amro in Schanghai. Hedge Fonds oder Privatinvestoren spielen eine geringere Rolle, weil die Regierung den Devisenumtausch für Anlagezwecke begrenzt. „Der Handel in China basiert nicht auf Spekulationen, sondern den tatsächlichen Bedürfnissen“ sagt Ma. „Einige Leute sind wohl der Ansicht, der Yuan sollte sehr rascher an Wert gewinnen, aber tatsächlich dürfte er das nicht“, erklärt Zentralbanker Ma. „Es ist wichtig, daß die amerikanischen Politiker die Währung und den Währungsmechanismus verstehen.“
Im vergangenen Jahr schwoll Chinas Handelsbilanzüberschuß um das Dreifache auf den Rekordwert von 102 Milliarden Dollar an. Die Devisenreserven des Landes kletterten Ende Dezember auf 818,9 Milliarden Dollar, damit sind sie hinter Japan die zweithöchsten der Welt. Die wachsenden Devisenreserven des Landes und der Handelsbilanzüberschuß „lagen im Jahr 2005 erheblich über unseren Erwartungen“, was den Yuan unter Aufwertungsdruck bringt, berichtet Ma. Er bezeichnete Berichte, daß China seine Devisenreserven von auf Dollar lautenden Vermögenswerten umschichten könnte, als „reines Gerücht“. „Wir sind mit der Verwaltung unserer Devisenreserven zufrieden“, erklärte er.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |