12.10.2006 · Spekulative Anleger nutzen in einem Umfeld geringer Volatilitäten Zinsdifferenzen zwischen den verschiedenen Währungsräumen gewinnbringend aus und führen zu entsprechenden Kursbewegungen. Fragt sich nur, wie lange das gutgeht.
Die vergangenen Wochen waren an den Devisenmärkten geprägt durch verschiedene zunächst verblüffende Entwicklungen. So gerieten beispielsweise Währungen wie der japanische Yen oder auch der Schweizer Franken gegen Euro und Dollar in die Defensive, obwohl viele makroökonomische Daten etwas anderes vermuten lassen würden.
So hat der Yen gegen den Dollar mit Kursen von bis zu 119,69 Yen je Dollar den langfristigen, wenn auch volatilen Aufwertungstrend angeknabbert. Gegen den Euro befindet er sich sowieso in einem langfristigen Abwertungstrend, obwohl viele klassische Erklärungsmodelle auf eine massive Unterbewertung des Yen gegen den Euro hinweisen und obwohl europäische Unternehmen massive Wettbewerbsnachteile im Vergleich mit japanischen Konkurrenten aufgrund dieser Währungsverzerrungen hinnehmen müssen.
Spekulative Anleger nutzen Zinsdifferenzen aus
Ähnliches gilt für den Schweizer Franken. Er hat längst gegen den Dollar so etwas wie ein „Top“ ausgebildet und er befindet sich mit Kursen von bis 1,5967 Franken je Euro auf dem schwächsten Niveau seit April des Jahres 2000. Und das, obwohl die Schweiz notorische Überschüsse im Außenhandel, er findet vor allem mit Europa statt, erzielt.
Wurde die relative die Yen-Schwäche in den vergangenen Tagen immer wieder auch mit dem vorgeblichen Atomtest in Nordkorea - ob es tatsächlich einer war, wird teilweise angezweifelt - begründet, so gibt es jedoch andere Faktoren, die zu deutlichen Wechselkursbewegungen führen können. Das sind in Zeiten überbordender Liquidität und der schnellen, globalen Transferierbarkeit insbesondere die Zinsdifferenzen zwischen verschiedenen Währungsräumen.
Anleger nutzen die Zinsdifferenzen zwischen den verschiedenen Währungen für gehebelte Investitionen, die sogenannten „Carry Trades“. Mit geborgten Franken werden Anlagen in Pfund getätigt, mit geliehenen Yen werden Vehikel im Dollarraum erstanden. Bei relativ konstanten Wechselkursen verbleibt die Differenz zwischen der hoch und der niedrig verzinsten Währung beim Anleger. Der Gewinn ist zwar absolut gemessen sehr gering, doch je nach angesetztem Finanzhebel, fachchinesisch auch Leverage genannt, kann der Gewinn in Prozenten des eingesetzten Kapitals exorbitante Werte annehmen, heißt es beispielsweise in einer Analyse der Bank Sarasin.
Allerdings stellt sich die Frage, wie lange solche Bewegungen die Wechselkurse beeinflussen können. Unter diesem Aspekt scheint es Grenzen zu geben. Denn „Carry Trades bedürfen niedriger Marktvolatilität, wie sie sich zur Zeit an den Devisenmärkten beobachten lassen“, lautet die Erklärung der Sarasin-Analysten. „Dieses Spiel geht nur auf, solange die Volatilität und Unsicherheit an den Finanzmärkten gering bleibt. Kommt es zu einer Aufwertung der niedrig verzinsten Währung, kann der Investor sich über Nacht mit haushohen Forderungen konfrontiert sehen, die er trotz höherer Zinserträge nicht mehr begleichen kann. Das erklärt die Nervosität der Devisenmärkte in Zeiten steigender Unsicherheit über die zukünftige Geldpolitik, wie wir sie im Mai erlebt haben.“ Die Ankündigung von Fed- Chef Bernanke, die Zinsen trotz steigender Inflation nicht weiter anheben zu wollen und die plötzliche Rücknahme der Liquidität durch die Bank of Japan brachten die „Carry Trades“ damals unter Druck. Innerhalb von drei Wochen wertete der Yen zum Dollar um damals um zehn Prozent auf.
Trügerische Ruhe vor dem Sturm?
Die Wiederholung solcher Szenarien - möglicherweise sogar in akzuentierter Form - dürften nicht aus ausgeschlossen sein. Immerhin legt die Kreditvergabe in Japan stark zu und könnte die Bank of Japan zwingen, den extrem tiefen Leitzins von aktuell 0,25 Prozent zu erhöhen.
Auf der anderen Seite deuten viele Indikatoren in den Vereinigten Staaten auf eine rasch abnehmende wirtschaftliche Dynamik hin. Das könnte die Fed trotz der zu lockeren Geldpolitik - sie wird nicht alleine durch den Leitzins bestimmt, sondern beispielsweise auch durch Mindestreservesätze und andere Faktoren - alleine schon aus populistischen Gründen dazu bewegen, den Leitzins bald zu senken. Beides zusammen könnten dem Dollar das gegenwärtige Flair rasch nehmen und zu deutlichen Bewegungen an den Devisenmärkten in Verbindung mit steigenden Volatilitäten führen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |