Es darf gerechnet werden in den Devisenabteilungen der Banken. Denn die jüngste Yen-Schwäche hat dafür gesorgt, dass die diesjährigen Kursziele für die japanische Währung bereits jetzt einer Überarbeitung bedürfen.
So hat der Yen am Donnerstag mit 120, 43 Yen zum Dollar ein neues Tief seit dem Juli 1999 markiert. Damit ist das auf 120 Yen lautende Kursziel von HSBC Trinkaus erreicht. Analystin Sarah Lütgert kündigte daraufhin eine Anpassung der Prognosen nach oben an. Bereits gerechnet hat die Dresdner Bank Kleinwort Benson. Hier lauten die neuen Vorhersagen wie folgt: Am Ende des zweiten Quartals wird im Verhältnis Dollar/Yen mit 124 Yen statt mit 115 Yen gerechnet. Nach dem dritten Quartal lautet die neue Prognose auf 126 (112) Yen und nach dem vierten Quartal auf ebenfalls 126 (110) Yen. Bei der Parität Euro/Yen, die mit derzeit rund 112 Yen ebenfalls an neuen längerfristigen Hochpunkten kratzt, veranschlagen die Analysten diese Zahlenreihe auf 124 (115), 132 (118) und 126 (110) Yen.
Schwache Konjunkturzahlen begründen Yen-Schwäche
Fundamental betrachtet ist dabei die Schwäche des Yen vor dem Hintergrund der zuletzt schwachen Wirtschaftsdaten in Japan zu sehen. Auch am Donnerstag bekamen die Konjunkturpessimisten neue Nahrung. So blieben die Januar-Auftragseingänge im Maschinenbau mit minus 11,8 Prozent im Monatsvergleich deutlich hinter den erwarteten minus 4,7 Prozent zurück. Mit Zahlen wie diesen wird eine erneute Rezession zu einer immer größeren Gefahr. Zumal die staatlichen Hilfsprogramme nicht fruchten. Auch von einem für Freitag erwarteten neuen Soforthilfeprogramm wird nicht der große Durchbruch erwartet. Bei der Dresdner Bank rechnet man jedenfalls nicht damit, dass dieses Notprogramm die Kraft haben wird, die Yen-Schwäche zu beenden.
Nachdem alle Rettungsversuche der japanischen Wirtschaft mehr oder weniger kläglich gescheitert sind, bleibt eigentlich nur noch der Ausweg über einen schwächeren Yen. Dies sieht auch Sarah Lütgert so. Für die Devisenanalystin von HSBC Trinkaus steht fest: „Japan kann vermutlich nur noch eine massive Yen-Abwertung helfen, und diese beginnt vermutlich gerade.“ Allerdings sind sich die Verantwortlichen in Japan offenbar noch immer nicht einig über den richtigen währungspolitischen Kurs. Während Notenbankgouverneur Masaru Hayami weiterhin Vorbehalte gegen eine Abwertung äußert, macht sich Finanzminister Kiichi Miyazawa stark für einen schwächeren Yen. Doch den Akteuren am Devisenmarkt scheint das Signal des Finanzministers zu genügen. Hiroshi Sakuma von der Barclays Bank in Tokio glaubt jedenfalls: „Die Tatsache, dass der Finanzminister einen schwachen Yen befürwortet, bedeutet grünes Licht für Yen-Verkäufe.“
Kollaps-Warnungen des Finanzministers nichts Neues
Relativ gelassen werden dagegen andere tagesaktuelle Äußerungen von Miyazawa kommentiert. Und zwar hatte der Finanzminister gewarnt, dass der japanische Haushalt am Rande des Zusammenbruchs stehe. Um den riesigen Schuldenberg von 650 Milliarden Yen abzubauen, sei eine grundlegende und langfristige Umstrukturierung der Finanzpolitik nötig. Gut informierte Beobachter nahmen diese Aussagen aber deswegen gelassen hin, weil sich Miyazawa nicht zum ersten Mal in diesem Tenor äußert. Besonnen ordnet sie daher auch Chefvolkswirt Mamoru Yamazahki von der Barclays Bank ein: „Ich glaube nicht, dass sich seine Äußerungen grundsätzlich von dem unterscheiden, was er zuvor gesagt hatte, nämlich dass Japan mittel- und langfristig eine Haushaltsreform angehen muss.“ Ins gleiche Horn stößt auch Lütgert von HSBC Trinkaus: „Die Miyazawa-Äußerungen darf man nicht überbewerten. Das hat der schon öfters gesagt, entscheidender sind die schwachen Konjunkturdaten.“ Und die sprechen nun einmal für einen langfristig schwachen Yen.