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Devisen Australischer Leitzins auf 49-Jahrestief

07.04.2009 ·  Der australische Dollar wertet auf, obwohl die Zentralbank des Landes den Leitezins auf den tiefsten Stand seit 49 Jahren gesenkt hat. Anleger wetten auf die wirtschaftliche Erholung oder auf zunehmende Investitionen in physische Güter.

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Die Wechselkurse von Währungen werden entgegen der Theorie nicht nur von den Fundamentaldaten bestimmt, sondern von auch von der Positionierungen von Marktteilnehmern und vor allem von ihren Erwartungen.

Auf diese Weise lässt sich die Tatsache erklären, dass der australische Dollar am Dienstag gegen den Euro 1,2 Prozent und gegen den Dollar immerhin 0,4 Prozent aufwertet, obwohl die australische Zentralbank den Leitzins wie erwartet von 3,25 auf drei Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit 49 Jahren gesenkt hat und obwohl noch weitere Zinssenkungen erwartet werden.

Deutliche Zinssenkungen in Australien in kurzer Zeit

Ähnlich wie andere angelsächsische Zentralbanken reagiert die Reserve Bank of Australia (RBA) auf die schwache Konjunktur im Lande, die einerseits von der schwachen Nachfrage nach Rohstoffen und tiefen Rohstoffpreisen und andererseits von geplatzten Preisblase im Häusermarkt des Landes ausgeht. Die RBA hatte mitgeteilt, sie rechne damit, dass die Volkswirtschaft im laufenden Jahr erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht wachsen werde.

Seit dem vergangenen September hat die Notenbank die Leitzinsen schrittweise um den Rekordwert von 4,25 Prozentpunkten gesenkt. Im Februar kündigte die Regierung ein Konjunkturprogramm im Umfang von 42 Milliarden australischen Dollar an. Die direkten finanziellen Vergünstigungen der Regierung und die Infrastrukturinvestitionen „werden die inländische Nachfrage in erheblichem Umfang stützen“, sagt Notenbankgouverneur Stevens.

Allerdings dürfte die Leitzinssenkung vom Dienstag Stevens' Hoffnungen nicht ganz erfüllen, da zwei der vier größten Banken Australiens sich weigerten, die Zinssenkung in vollem Umfang an ihre Kunden weiterzugeben. Die National Australia Bank, die größte Bank des Landes, begründete ihren Entscheid, die Zinssenkung überhaupt nicht weiterzureichen, mit „gestiegenen Finanzierungskosten“. Die Commonwealth Bank of Australia will ihren Kunden weniger als die Hälfte der Leitzinssenkung, nämlich nur zehn Basispunkte, weiterreichen.

Nach Berechnungen der Notenbank zahlen Haushalte mit einer Hypothek durchschnittlicher Größe in Höhe von 250.000 australischer Dollar jährlich 7.000 Dollar weniger Zinsen als vor sechs Monaten. Das entspricht etwa acht Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens. Wäre die heutige Zinssenkung voll weitergegeben worden, hätte sich die Zinslast theoretische um weitere 480 Dollar jährlich reduziert, so die Notenbank. Die Tatsache, dass die Banken die Zinssenkung nicht zur Gänze weitergeben, bedeute, dass die Zinssenkung nur zum Teil wirke, so Walters weiter.

Die Tatsache, dass die Geschäftsbanken die sinkenden Leitzinsen nicht vollständig weitergeben spricht für sich. Erstens sind sie an steigenden Margen interessiert, um ihre angeschlagenen Bilanzen auf diese Weise mit zu sanieren. Zweitens blicken sie auf den verhaltenen wirtschaftlichen Ausblick. Längst hat sich die Lage am Arbeitsmarkt eingetrübt. Im März dürfte die Arbeitslosenrate auf 5,4 Prozent und damit nahe an höchsten Stand in vier Jahren gestiegen sein. Mit den gesunkenen Zinsen hat sich zwar in Australien die Erschwinglichkeit von Häusern etwas verbessert. Allerdings ist sie im historischen Vergleich noch gering, während die Häuser noch sehr teuer sind. In Brisbane etwa hat sich der Preis in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Und vom erreichten Niveau ist er bisher nur wenig zurückgekommen. Insgesamt dürften die Kreditrisiken in Australien zunehmen.

Die austraische Wirtschaft folgt der Welt in die Krise

Seit der jüngsten Notenbanksitzung im März, als die Notenbank die Leitzinsen unverändert ließ, hat die Wirtschaft ihre Talfahrt fortgesetzt. Die Umsätze im Einzelhandel sanken im Februar erstmals seit fünf Monaten um zwei Prozent im Vergleich mit dem Vormonat. Das war der größte Rückgang in knapp neun Jahren. Die Anzahl der Baugenehmigungen ist im Februar um 25,5 Prozent gefallen auf Jahresbasis, während die Anzahl der verkauften Kraftfahrzeuge um knapp 19 Prozent fiel. Die Stimmung der Konsumenten hat sich in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt.

Auf der anderen Seite zeigt sich die Exportentwicklung des Landes bisher robust, während die Importe im Februar deutlich zurückgingen. Allerdings führen Experten die Entwicklung der Exporte auf vergleichsweise hohe Kontraktpreise im Rohstoffbereich zurück. Diese dürften sich nicht halten lassen. Preisrückgänge zwischen 30 und 40 Prozent werden in absehbarer Zeit die Exportzahlen voraussichtlich deutlich geringer ausfallen lassen und die Terms of Trade wieder verschlechtern.

Allerdings spekulierten die Anleger in den vergangenen Wochen auf eine Erholung der Weltwirtschaft. Diese werde die Nachfrage nach Rohstoffen neu beleben und auf diese Weise die wirtschaftlichen Aussichten Australiens verbessern, so die Logik. Zusammen mit dem auflebenden Risikoappetit werde das den australischen Dollar trotz des gering gewordenen Zinsvorteils beflügeln, heißt es weiter. Der Blick richtet sich bei solchen Argumenten vor allem nach China, wo sich die Hoffnungen auf die Wirkung von vergleichsweise großen Konjunkturprogrammen richten.

So lange diese Stimmung anhält, dürfte der australische Dollar weiter aufwerten können, da Anleger auf die Wirtschaftsdynamik des Landes setzen. Die Währung erhält auch dann Unterstützung, wenn Sorgen über die lockeren Geldpolitiken weltweit aufkommen. Sollten sie Anleger wieder zum Kauf von physischen Vermögenswerten verleiten, würde der australische Dollar davon profitieren können. Immerhin ist das Land mit Rohstoffvorkommen gesegnet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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