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Devisen Australischer Dollar läuft nach Zinserhöhung seitwärts

08.11.2006 ·  Gehörte der australische Dollar in den Jahren 2001 bis Ende 2003 zu den „High-Flyern“ gegen den Dollar, so hat sich das gelegt. Die Währung läuft seitdem seitwärts. Langfristig befindet sie sich in einem Abwertungstrend.

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Beim Blick auf Berichte über den internationalen Devisenmarkt ist es ratsam, den Zeithorizont zu berücksichtigen. Denn kurz- und mittelfristig können sich Währungen ganz anders entwickeln, als langfristig.

So kommt es, daß kurzfristig orientierte Agenturberichte über die jüngsten Trends schon in dem Moment überholt sind, in dem sie beim Leser eintreffen. Aber auch mittelfristig stellt sich das Bild oft anders dar, als bei einer richtig langfristigen Betrachtung.

„Commoditiy-Währungen“ profitieren kurzfristig vom Rohstoffboom

So konnten sich in den vergangenen zwei drei Jahren die so genannten „Commoditiy-Währungen“ im Rahmen des allgemeinen Rohstoffbooms gut schlagen. Denn nicht nur die zunehmende Nachfrage nach Rohstoffen an sich hat zu ihrem Aufschwung beigetragen, sondern auch der Appetit der wetterwendischen internationalen Anleger.

So kam es auch, daß sich der australische Dollar gegen den amerikanischen Dollar vom Jahr 2001 bis ins Jahr 2004 deutlich von seiner vorhergehenden Schwäche erholen und von 47,75 amerikanischen Cents je Aussie-Dollar auf bis zu 80 Cents je Aussie-Dollar aufwerten konnte. Seitdem kann er sich in einer Seitwärtsbewegung zwischen 70 und 80 Cents auf diesem Niveau halten. Gegen den Euro dagegen bewegt er sich schon seit sechs Jahren volatil seitwärts.

Im Hintergrund steht der mittelfristigen Entwicklung steht nicht nur der Rohstoffboom, sondern auch der relative Zinsvorteil des Landes, der die Anleger auf der verzweifelten Suche nach Rendite anzieht. Australische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bieten 1,9 Prozentpunkte mehr Rendite als deutsche, im Drei-Monatsbereich liegt die Zinsdifferenz sogar bei 2,56 Prozentpunkten.

Der Zinsvorteil hat sich am Mittwoch sogar noch ausgeweitet, nachdem die Australische Zentralbank den Leitzins erwartungsgemäß um einen Viertel-Prozentpunkt auf 6,25 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit etwa sechs Jahren angehoben hat. Die Notenbank will mit den höheren Zinsen die Inflation eindämmen. Die Inflation in Australien ist mit 3,9 Prozent im dritten Quartal deutlich höher als in Europa und den Vereinigten Staaten. Sie wird getrieben von steigenden Preisen für Obst und Gemüse.

Zinspolitik auf dem Drahtseil

Allerdings verfolgt die Zentralbank einen Tanz auf dem Drahtseil. Denn höhere Zinsen drohen die Konsumausgaben zu bremsen und die Erholung am Immobilienmarkt zu stoppen, der sich nach einem wahren Boom in den vergangenen Jahren nur vorübergehend abgeschwächt hatte. Da viele Verbraucher in Australien hoch verschuldet sind, riskieren die Währungshüter alleine schon damit eine konjunkturelle Abkühlung. Gleichzeitig leidet Australien, dessen Wirtschaft 15 Jahre in Folge gewachsen ist, unter der schlimmsten Dürre seit einem Jahrhundert. „Die Dürre wird das Wachstum merklich dämpfen“, erklärte Finanzminister Peter Costello am Mittwoch in Melbourne. „Die Landwirtschaft wird in eine Depression fallen“, während der Bergbausektor „weiter stark“ bleiben werde, erläuterte er. Das australische Amt für Rohstoffwirtschaft Abare erwartet, daß die Trockenheit das Wirtschaftswachstum im Haushaltsjahr zum 30. Juni 2007 um 0,7 Prozentpunkte senkt.

Terminhändler haben aus diesen Gründen ihre Erwartungen für eine weitere Zinserhöhung zurückgeschraubt. Sie sehen jetzt nur noch eine Chance von 36 Prozent für eine Anhebung auf 6,5 Prozent bis März, während es am Dienstag noch 46 Prozent waren, zeigen Terminkontrakte.

Insgesamt mag sich die Währung auf dieser Basis trotz der enormen Leistungsbilanzdefizit des Landes vorerst auf dem erreichten Niveau halten können. Der Blick auf die langfristigen Charts macht jedoch deutlich, daß sich der australische Dollar und das britische Pfund schon seit Jahrzehnten in einem Abwertungstrend gegen den amerikanischen Dollar befinden. Der wiederum wertet langfristig gegen Euro und Yen ab. Das heißt indirekt, diese Staaten scheinen sich ihr einen Teil ihres Wachstums über eine Geldpolitik zu erkaufen, die die Währung langfristig schwächt. Kurzfristig mag sie aufgrund des Zinsvorteils stabil bleiben. Mittelfristig könnte im Rahmen einer schwächer werdenden Weltwirtschaft eine nachlassende Nachfrage nach Rohstoffen durchschlagen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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