06.12.2004 · In Australien ist der Leitzins mehr als doppelt so hoch wie in Euroland. Gleichwohl hat der Euro gegenüber dem Austral-Dollar dieses Jahr an Boden wettgemacht. Der Devise von „down under“ mangelt es an neuer Zinsphantasie.
Ein vergleichsweise höheres Zinsniveau hilft Währungs bisweilen, gegenüber anderen Devisen an Boden zu gewinnen. Das zeigen die Beispiele des polnischen Zloty, des britischen Pfund und des neuseeländischen Dollar gegenüber dem Euro. Doch dauerhafte Kursgewinne infolge von Zinserhöhungen und der Suche von Anlegern nach hohen Renditen sind keineswegs garantiert. Andernfalls müßten der südafrikanische Rand oder der australische Dollar besser dastehen. Die Devise von „down under“ hat im Vergleich zur Gemeinschaftswährung zwar von Mitte September bis in die zweite Novemberhälfte hinein kräftig aufgewertet, nachdem sie zuvor abwärts gelaufen war. Doch seit Ende vergangenen Monats hat sie wieder den Rückwärtsgang eingelegt.
Zu Wochenbeginn legt der Euro um 0,43 Prozent auf 1,7292 australische Dollar zu. Damit bewegt sich dieser in etwa in der Mitte seiner seit einem halben Jahr geltenden Handelsspanne. Allerdings notierte der Austral-Dollar am 28. November noch bei 1,6834, und im Zuge seiner jüngsten Abwertung ist er aus dem seit Mitte September aufgebauten kurzfristigen Aufwertungstrend gelaufen.
Der Grund: Volkswirte rechnen nicht mehr mit einem weiteren Zinsschritt der australischen Notenbank in diesem Jahr. Zuvor war die Rede davon gewesen, die Währungshüter dürften den Leitzins um 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent erhöhen. Die Ursache ist in der Entwicklung der australischen Wirtschaft zu suchen.
Ausfuhren gesunken - Tribut an Währungsaufwertung
Das Wachstum ist im dritten Quartal hinter den Erwartungen des Marktes zurückgeblieben. Die Wirtschaft wuchs um 0,3 Prozent - von Bloomberg News befragte Volkswirte hatten dagegen im Durchschnitt mit 0,5 Prozent gerechnet. Gleichzeitig wurde die Quote des Vorquartals von plus 0,6 auf plus 0,8 Prozent angehoben. Im Jahresvergleich ist die australische Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen.
Wachstumstreiber war der private Konsum, der um 1,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal zulegte. Der Staatskonsum ist „wie erwartet“, urteilt die Deka-Bank, kräftig um 1,5 Prozent gewachsen. „Hier dürften sich die ersten Effekte des expansiven Fiskalpakets widerspiegeln, welches im Juni verabschiedet wurde.“ Die Regierung hat Steuern gesenkt und Familien mit Einmalzahlungen erfreut. Um 0,6 Prozent legten die Anlageinvestitionen zu, was von der Deka-Bank als schwach interpretiert worden ist. Und im Minus landeten die Exporte von „down under“: Bei den Ausfuhren verzeichnete das Land einen Rückgang von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, in dem der Export noch leicht zugelegt hatte.
Gleichzeitig wuchsen die Importe im gleichen Zeitraum um 0,8 Prozent. Hier hat die Aufwertung der Landeswährung, die Einfuhren verbilligt, doppelt Spuren hinterlassen: „Offensichtlich hat die Stärke des australischen Dollars die Wettbewerbsfähigkeit australischer Exporte deutlich gemindert“, folgerte die Deka-Bank.
Halbjahrestief gegenüber Euro kommt in Sichtweite
Die Wirtschaft des Landes zeige nach dem starken Wachstum der beiden vorherigen Quartale, in denen sie um 0,5 und 0,6 Prozent gewachsen war, „deutliche Bremsspuren“ auf. Für die Geldpolitik bedeute dies, „daß die Notenbank keine weitere Zinserhöhung mehr vornehmen wird“. Auch wenn die Notenbank noch Mitte November das Gegenteil in Aussicht gestellt hatte.
Im Verhältnis zum amerikanischen Dollar hat die australische Devise keinen nachhaltigen Schaden genommen. Zwar zeigte sich infolge der jüngsten Wachstumsdaten einen kleinen Rücksetzer: Die Weltleitwährung verbesserte sich von 0,792 Dollar je Austral-Dollar auf 0,77, doch zu Wochenbeginn legte die australische Devise wegen der Nachfrage aus China nach Rohstoffen von „down under“ zeitweise wieder zu. Aktuell kostet ein Austral-Dollar 77,63 amerikanische Cents.
Gegenüber dem Euro verliert der Austral-Dollar aber weiter an Boden, da Kapital aus dem Dollar in den Euro verlagert wird. Aus technischer Sicht ist er bei etwa 1,753 Austral-Dollar je Euro unterstützt. Falls er darunter fallen sollte, wäre das Halbjahrestief bei 1,7788 die nächste Orientierungsmarke. Wie stark der Euro aufwerten wird, dürfte auch davon abhängen, wie lange Investoren Kapital aus dem Dollarraum nach Europa umschichten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |