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Devisen Aussicht auf Neuwahlen hilft dem Euro nicht

23.05.2005 ·  Während die Börse positiv auf die Möglichkeit von Neuwahlen im Bund reagiert, kann der Euro davon nicht profitieren. Kein Wunder, es gibt eine Menge von Argumenten, die gegen die Währung sprechen.

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Während die deutschen Aktien mit Kursgewinnen auf die Wahlniederlage der Regierung in Nordrhein-Westfalen und die dadurch möglichen Neuwahlen im Bund reagieren, kann der Euro davon nicht profitieren. Er liegt am Montagvormittag bei 1,2548 Dollar und damit nahe am tiefsten Stand seit Oktober des vergangenen Jahres.

Die europäische Einheitswährung hat gegen den Dollar nicht nur den langfristigen Aufwärtstrend längst durchbrochen, sondern ist auch unter wichtige kurzfristige Unterstützungszonen und unter den gleitenden 200-Tagesschnitt gefallen. Die Währung befindet sich in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Die nächste, wenn auch massive Unterstützungszone liegt zwischen 1,20 und 1,24 Dollar je Euro.

Jede Menge Argumente gegen den Euro...

Spekulieren die Börsianer offensichtlich auf einen Regierungswechsel und damit indirekt auf eine deutlich logischere und effizientere Wirtschafts- und Finanzpolitik, so scheint der Devisenmarkt im Moment vor allem die möglichen politischen Turbulenzen zu blicken. Denn eine dringend benötigte deutliche Kursänderung - sofern eine neue Regierung überhaupt den notwendigen Mut dazu aufbringen sollte - würde sicherlich nicht ohne abgehen und kurzfristig auch keine Wirkung zeigen können.

Dazu kommen jedoch auch ganz andere Faktoren. So unter anderem die vorsätzliche Schwächung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes, das mögliche Scheitern der europäischen Verfassung bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden und nicht zuletzt auch das schwache Wachstum und die unsolide Finanzpolitik in vielen europäischen Staaten. Allen voran im rezessiven Italien. Selbst die rasche Expansion der Europäischen Union stößt immer mehr auf Bedenken. Vor allem auch deswegen, weil die Strukturen des Gebildes immer ineffizienter werden und weil die bisherigen Kernstaaten ihre Hausaufgaben nicht nur nicht gemacht, sondern sie immer nur verschleppt haben. „Schönwetterpolitiker“ wollen zwar die weitere EU-Erweiterung, weigern sich aber notorisch, die Konsequenzen zu sehen - geschweige denn sie zu tragen.

... fatal wäre aufkommender Protektionismus

Diese Mischung aus Faktoren belastet nach Ansicht von Analysten den Euro und läßt die gigantischen Defizite Amerikas zumindest vorerst etwas in den Hintergrund treten. Dazu kommt die zunehmende nominale Zinsdifferenz zwischen Europa und Amerika und nicht zuletzt der denkbare Zwang von Hedge Fonds, mit GM- und Fordanleihen erlittene Verluste durch die Repatriierung von Dollar ausgleichen zu müssen.

Besonders kritisch kann es für den Euro dann werden, wenn die EU-Verfassung in den anstehenden Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden tatsächlich abgelehnt werden sollte und wenn die Regierungen darauf mit populistischem Protektionismus reagieren sollten. Die abgelehnte Öffnung des europäischen Dienstleistungsmarktes spricht schon für sich selbt. In diesem Fall schließen kritische Analysten einen ausgesprochen schwachen Euro trotz der zuletzt schwachen Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten nicht aus.

Selbst die bekannten „Dollarbären“ von Goldman Sachs gestehen mittlerweile ein, daß die gegenwärtige Dollarerholung länger anhalten könnte als bisher erwartet. Sollte sich diese Meinung weiterverbreiten, könnte der Dollar kurzfristig auch vom Abbau noch bestehender spekulativer Positionen profitieren.

Insgesamt gibt es zwar wenige Argumente, die für den Dollar sprechen. Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Liste von Punkten, die sich gegen den Euro anführen lassen. Auf dieser Basis dürften sich die beiden Währungen grundsätzlich in ihrer jeweiligen Schwäche die Waage halten. Es sei denn, der Markt spielt kurzfristig ein Krisenszenario.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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