Angesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten retten sich viele Anleger in den Wald. Jedenfalls scheint das Interesse so groß zu sein, dass viele Emissionshäuser geschlossener Fonds derzeit entsprechende Produkte auf den Markt bringen. Während die meisten Beteiligungen an Forstbetrieben in Osteuropa oder Übersee anbieten, vertreibt die Bank SEB erstmals in Deutschland einen Fonds, der ausschließlich in deutschen Forst investieren will.
Vor Investments in heimische Baumbestände schreckte die Finanzbranche bisher zurück, weil erstens das Angebot recht gering ist und weil zweitens viele vermögende Privatanleger seit einigen Jahren bereit sind, für ihren Traum vom eigenen Forst hohe Preise zu bezahlen. Nils Weber jedoch, Geschäftsführer der Deutschen Forst Invest GmbH in München, die den Fonds konzipiert, ist davon überzeugt, den Fonds mit attraktiven Wäldern bestücken zu können.
Rund 11 Millionen Hektar Wald in Deutschland
„Die BVVG verkauft nach wie vor viel Wald“, sagt Weber. „Und außerdem sind auch mehr und mehr Kommunen bereit, sich von Flächen zu trennen.“ Bisher jedoch galt Forst, der sich in öffentlicher Hand befindet, als weitgehend unverkäuflich. Viele Kommunalpolitiker schreckten davor zurück, ausgerechnet Wald, der bei Deutschen emotional so hoch besetzt ist, an private Investoren abzugeben. Einzig die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH verkauft in den fünf östlichen Bundesländern Flächen, die früher im Besitz der DDR waren. Rund 11 Millionen Hektar Wald gibt es laut der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzer in Deutschland. Davon befinden sich rund 7 Millionen Hektar in privater und körperschaftlicher Hand.
Ein Fondsvolumen von 200 Millionen Euro peilt Weber für den Deutschen Waldfonds an, einen Fonds nach Luxemburger Recht, der ausschließlich an institutionelle Anleger verkauft wird. Die SEB fungiert als Depotbank und Zahlstelle. Den Zeichnern stellt die Deutsche Forst Invest eine Gesamtrendite von 4 bis 7,5 Prozent in Aussicht, von denen 1,5 bis 4,5 Prozent als laufende Rendite ausschüttbar sein sollen. Zwar ist die Rentabilität von Wäldern auch von der Größe der bewirtschafteten Fläche, dem Baumbestand und der Qualität der Böden abhängig. Doch gilt diese Rendite in der Branche als ambitioniert, zumal im internationalen Vergleich die Nutzungseinschränkungen und Auflagen in Deutschland höher sind als in den Ländern, in denen sich bisher andere Anbieter von Forstinvestments engagiert sind. Dadurch senkt die Rendite hierzulande.
Viele Emittenten gehen deshalb lieber ins Ausland. So hat das Emissionshaus Nordcapital den Waldfonds 1 und den Waldfonds 2 aufgelegt, die beide in Rumänien investieren. Der Waldfonds 1 schloss 2010 die Investitionsphase ab und besitzt nun eine Gesamtfläche von mehr als 11.000 Hektar, die zu einem durchschnittlichen Flächenpreis von 3263 Euro angekauft worden seien. Den durchschnittlichen Flächenpreis in Deutschland schätzt Nordcapital auf 12.000 Euro. Weber liegt ähnlich, bei rund 10.000 Euro je Hektar. Allerdings hat eine solche Durchschnittsangabe eine ähnlich geringe Aussagekraft wie der durchschnittliche Preis für ein Auto von einem großen Anbieter wie Mercedes, der sowohl den Smart wie auch die S-Klasse im Sortiment führt. Ein Hektar Kiefernwald auf den Sandböden in Mecklenburg-Vorpommern dürfte laut Weber kaum mehr als 3500 Euro wert sein.
Der Deutsche Waldfonds hat eine Laufzeit von 20 Jahren
Aber auch am Anbau von indischem Sandelholz in Australien oder an Baumplantagen in Lateinamerika konnten sich deutsche Anleger schon beteiligen. So bietet das Emissionshaus Aquila eine Beteiligung am Amata-Projekt an. Dabei geht es darum, durch nachhaltige Forstwirtschaft den brasilianischen Regenwalds zu erhalbten. Der Wald wird so bewirtschaftet, dass er dauerhaft genutzt werden kann, ohne dass er zerstört wird. Für den Waldinvest III stellt Aquila vom Jahr 2014 an eine jährliche Rendite zwischen 10 und 35 Prozent in Aussicht. Mit einem Volumen von 15 Millionen Euro blieb der Aquila-Fonds weit hinter den Ambitionen der Deutschen Forst Invest zurück.
Der Deutsche Waldfonds hat eine Laufzeit von 20 Jahren und steht Anlegern ab einer Mindesteinlage von 500.000 Euro zur Verfügung, die je nach Investitionsfortschritt abgerufen wird. Damit sei der Fonds für große, langfristig orientierte Investoren interessant, die eine Geldanlage suchen, deren Rendite nur wenig von anderen Vermögensklassen wie Anleihen, Aktien oder Währungen abhängt, wirbt Weber für sein Produkt. Allerdings sollten Anleger nie vergessen, dass die Rendite von solchen Fonds mit Unsicherheiten, wenn auch mit anderen als bei Aktien oder Anleihen, behaftet ist.