14.09.2005 · Starke Trockenheit beeinträchtigte in den vergangenen Jahren Australiens Landwirtschafts-Exporte zum Teil deutlich. Dagegen soll sich die Branche künftig über einen neu eingeführten Wasser-Future zumindest wirtschaftlich absichern können.
In Australien können sich Landwirte und ihre Geschäftspartner künftig gegen Verluste aufgrund einer Wasserknappheit absichern.
Die Regierung des australischen Bundesstaats New South Wales und die Sydney Futures Exchange entwickeln erstmals Derivate, die sich an einem Index der Wassermenge in Stauseen orientieren, sagt Ken Chapman, Leiter strategische Entwicklung bei der Börse Sydney, in einem Interview mit Bloomberg News. Die Farmer können sich gegen Verluste absichern, indem sie Kontrakte verkaufen und diese dann zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen, wenn der Index fällt.
Wasserknappheit beeinträchtigte in 2003 Australiens Exporte
Im Jahr 2003 kostete die schlimmste Dürre seit einem Jahrhundert Australien ein Drittel seiner landwirtschaftlichen Exporte. Das führte zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums um einen Prozentpunkt. Nur die Antarktis hat ein trockeneres Klima als Australien, bericht das Bureau of Meteorology, das australische Wetteramt. „Eine Dürre ist unser größtes Risiko und wirkt sich am stärksten auf unsere Bilanz aus“, bestätigt Ashley Power, Geschäftsführer bei dem Baumwollproduzenten Auscott Ltd. „Ein Termin-Kontrakt könnte uns eine gewisse Hilfe bieten.“ Die Wasser-Futures sollen auf jeweils einem von fünf Indizes basieren, die den Wasserstand in 16 Stauseen in New South Wales, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat Australiens, abbilden. Sydney liegt in New South Wales.
Das Datum für den Start der Kontrakte ist nach Angaben von Chapman noch nicht festgelegt. Die Terminbörse Sydney, an der ausschließlich elektronisch gehandelt wird, plant weitere Wasser-Indizes für andere ostaustralische Bundesstaaten, wenn die ersten Indizes erfolgreich sind, erklärt Chapman.
Während der Trockenperiode im Jahr 2003 brach der Gewinn bei dem Weizenmonopol AWB um annähernd 60 Prozent ein. Verkauft AWB eine Million Tonnen Weizen weniger, sinkt der Vorsteuergewinn des zweitgrößten Weizenexporteurs der Welt nach Angaben des Unternehmens um sechs bis sieben Millionen australische Dollar. „Das wird ein gutes Produkt sein, und es wird uns ermöglichen, unsere Einnahmen zu schützen“, freut sich Stuart Richardson, Leiter Weizenhandel Australien bei AWB.
Die Agrarwirtschaft hat in dem am 30. Juni 2004 beendeten Haushaltsjahr zwölf Prozent zum australischen Bruttoinlandsprodukt von 800 Milliarden australischen Dollar (502 Milliarden Euro) beigetragen. Mit 1,6 Millionen Beschäftigten kam sie auf einen Anteil von 24 Prozent am Export. Weltweit ist Australien die Nummer Zwei hinter den Vereinigten Staaten beim Export von Weizen, beim Rindfleischexport wird das Land nur von Brasilien geschlagen.
Bisher gab es keinen finanziellen Schutz gegen Wasserknappheit
Bisher hatten landwirtschaftliche Exporteure keine Möglichkeit, sich gegen Verluste aufgrund von Wasserknappheit abzusichern, berichtet Peter Flottmann, Geschäftsführer der New South Wales Farmers Association, einem in Sydney ansässigen Agrarverband. Australische Versicherungen bieten normalerweise keine Policen gegen Dürre an, erläutert er in einem Interview mit Bloomberg News.
Im Juni seien die australischen Weizenanbauer nur knapp einer Katastrophe entkommen, nachdem Regenfälle der Dürre in den ostaustralischen Bundesstaaten ein Ende bereiteten, heißt es in einem Bericht des amerikanischen Landwirtschaftsattachés vom 28. Juni. Das Wetter in den ersten fünf Monaten 2005 war das zweittrockenste seit mindestens 1900, zeigen Daten des australischen Wetteramtes. „Es wird in diesem Jahr eine Ernte geben, aber wir sind noch nicht über den Berg“, betont Flottmann.
Von den mehr als 100.000 Landwirten in Australien erhält rund ein Drittel wegen Wasserknappheit finanzielle Unterstützung vom Staat. In den Jahren 2003 und 2004 mußte die Regierung dafür 665 Millionen australische Dollar ausgeben, im laufenden Jahr wird mit 1,25 Milliarden Dollar gerechnet.
Banken hatten Ende 2004 Kredite im Volumen von 34 Milliarden australische Dollar an die Landwirtschaft vergeben, berichtet die Reserve Bank of Australia. Tendenziell müssen landwirtschaftliche Kreditnehmer mehr Zinsen zahlen, um das Dürre-Risiko auszugleichen, hieß es in einem Bericht der Sydney Futures Exchange vom Juli.
Wetterabhängige Derivate werden bisher nur von der Chicago Mercantile Exchange angeboten. Der Handel mit den an der Temperatur orientierten Kontrakten hat sich in diesem Jahr versechsfacht. Der Handel mit Derivaten nimmt stark zu. Im letzten Jahr wurden Futures und Optionen auf Basiswerte im Volumen von mindestens 1,144 Billionen Dollar gehandelt, 31 Prozent mehr als 2003, zeigen Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |