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Das Verbraucherthema Nicht nur das Gold des kleinen Mannes

Gold ist Anlegers Liebling. Doch auch Silber verkauft sich gut. Für Bewegung am Markt sorgt derzeit die Aussicht auf eine steigende Mehrwertsteuer auf Münzen. Das Verbraucherthema.

© Degussa Goldhandel Vergrößern Silber-Münzen werden günstiger besteuert als Barren - jedenfalls noch bis Ende 2013

Hin und wieder handeln Anleger ziemlich merkwürdig. Das zeigt in diesen Tagen das Beispiel Silber. Mitte Oktober sorgten Meldungen in Zeitungen und im Internet für Aufregung, die Bundesregierung wolle vom neuen Jahr an den vollen Mehrwertsteuersatz auf Münzen aus diesem Metall verlangen - wie dies bei Barren schon gilt. Doch von einer verstärkten Nachfrage nach Anlagesilber merkten Edelmetallanbieter wie Degussa Goldhandel in Frankfurt oder Pro Aurum in Bad Homburg nichts, wie es jeweils heißt. Zwar zogen die Verkäufe leicht an, dies führt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Geschäftsführer von Degussa Goldhandel, aber eher auf die zuletzt gesunkenen Silberpreise an der Börse zurück. Zum Monatsende hin belebte sich das Interesse von Käufern nach seinen Worten aber klar - obwohl die Nachricht durchgesickert war, dass der verminderte Mehrwertsteuersatz bei Silber erst Ende nächsten Jahres auslaufen soll.

Thorsten Winter Folgen:    

Für die Aussicht auf eine steigende Mehrwertsteuer wird die Europäische Union verantwortlich gemacht. Sie wolle die Mehrwertsteuersätze harmonisieren, wie es heißt. Wrzesniok-Roßbach rätselt, wer mit Blick auf Anlagemetalle wohl den Anstoß gegeben habe. Ein Vergleich der Mehrwertsteuersätze in Europa zeigt deutliche Unterschiede: Während in Deutschland bei Silbermünzen sieben Prozent fällig sind und Barren schon mit 19 Prozent besteuert werden, müssen Anleger in Österreich 20 Prozent und Käufer in Finnland 22 Prozent zahlen.

Steuer-Wirrwarr bei Edelmetallen

Wrzesniok-Roßbach erscheinen jedoch schon die bisher geltenden deutschen Steuerregeln für Edelmetalle als konfus. Denn anders als bei Silber wird bei Käufen von Anlagegold gar keine Mehrwertsteuer berechnet. Im Fall von Platin und Palladium werden dagegen sogar 19 Prozent fällig. Weshalb in dem einen Fall die Steuerfreiheit greift, bei dem als „Gold des kleinen Mannes“ apostrophierten Silber der verminderte Satz und bei beiden anderen höherwertigen Edelmetallen der volle Satz, lässt auch den Fachmann von Degussa Goldhandel rätseln. Die Folgen eines Aufschlags bei der Mehrwertsteuer auf Münzen wäre für das Handelshaus aus seiner Sicht aber „neutral bis leicht positiv“.

Fiele der Preisvorteil für Münzen, würden Barren wettbewerbsfähiger. Dies käme der Degussa entgegen, da sich der Händler eher als Barrenlieferant denn als Münzenverkäufer versteht. Barren tragen schließlich das Firmenzeichen, was mit Werbeeffekten einhergeht. Dagegen sind Münzen mit Motiven ihres Herkunftslandes geschmückt: Im Fall des Wiener Philharmonikers aus Österreich sind das unter anderem Streichinstrumente, ein Horn, eine Harfe, während der Maple Leaf aus Kanada ein Ahornblatt zeigt und der Australian Koala eben einen Koala-Bären. Dagegen wechselt die Prägung des Australian Lunar regelmäßig, ist diese Münze doch den chinesischen Tierkreiszeichen gewidmet: Dieses Jahr ist es der Drache, da in China das Jahr des Drachen gilt - 2013 wird es die Schlange sein.

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Münzen gibt es wie Barren mit unterschiedlichem Gewicht zu kaufen (siehe Kasten). Gleiches Gewicht heißt dabei nicht automatisch gleicher Preis. Dieser Tage kostete eine Unze (31,1 Gramm) des Wiener Philharmonikers oder des Maple Leaf rund 28,50 Euro - bei einem Rückgabekurs von gut 24 Euro -, ein Koala mit demselben Gewicht aber drei Euro mehr und eine Unze des Australian Kookaburra sogar gut 34 Euro. Als Gründe nennen Fachleute unterschiedliche Produktionskosten etwa bei der Prägung. Wie die Verkäufe zeigen, sind jedenfalls unter den Kunden der Degussa die günstigen Unze-Varianten auch die beliebtesten. Ganz oben liegt der Maple Leaf, gefolgt vom Wiener Philharmoniker. Vom Koala verkauft das Haus ein Zehntel weniger, ohne genaue Zahlen zu nennen. Das Verhältnis zwischen Anlagegold und -silber beträgt, gemessen am Gewicht, eins zu zwei.

„Wir haben hier Kunden von 18 bis 80“

Besonderen Gesellschaftsschichten gehörten Silberkäufer nicht an, wie Wrzesniok-Roßbach und ein Sprecher von Pro Aurum unisono hervorheben. „Wir haben hier Kunden von 18 bis 80.“ Der Arbeiter im Blaumann kaufe ebenso wie der Anzugträger, die Hausfrau ebenso wie der Student oder der Angestellte. In manchen Fällen geben sich Käufer als Anleger zu erkennen, die angesichts der breiten Anwendung von Silber in der Photovoltaik, in der Halbleiterindustrie oder im Automobilbau auf eine steigende Nachfrage aus der Industrie setzten, sagt Wrzesniok-Roßbach. Er gibt aber zu bedenken, dass die Solarbranche nicht so viel Silber verbrauche, wie einst in der Fotoindustrie benötigt worden sei - bevor der Siegeszug der Digitalfotografie die Nachfrage habe einbrechen lassen.

Pro Aurum legt nahe, Silber angesichts der höheren Kursschwankungen als bei Gold nur als Beimischung im Portfolio von Wertanlagen zu verstehen. Zudem sei ein Anlagezeitraum von mindestens drei Jahren, besser zehn bis 15 Jahren ratsam. Anleger müssen zudem beachten, dass Silber in Dollar gehandelt wird. Immerhin ist sein Wert in Dollar seit 1999 um mehr als 500 Prozent gestiegen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 31.10.2012, 23:22 Uhr


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