27.03.2009 · Ein Funken Hoffnung in der Krise und vermehrte Reiselust der Amerikaner - schon schießen die Ölpreise in die Höhe. Das Barrel Rohöl kostet wieder mehr als 50 Dollar und der Benzinpreis ist auf einem Jahreshoch. Experten erwarten eine Öl-Knappheit.
Von Kerstin Papon, Benedikt FehrAufkeimende Hoffnungen auf eine konjunkturelle Besserung und eine geringere Ölförderung haben in den vergangenen Tagen den Ölpreis steigen lassen. Dies bekommen auch die deutschen Autofahrer an den Tankstellen zu spüren: Besonders teuer geworden sind die Ottokraftstoffe Super und Benzin. Dagegen mussten Verbraucher für Diesel und Heizöl in diesem Jahr schon mehr bezahlen als derzeit.
Angesichts enttäuschender Konjunkturdaten geriet der Ölpreis am Freitag wieder unter Druck. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete rund 51 Dollar, 4 Prozent weniger als am Vortag. Dennoch ist der Ölpreis seit seinem Jahrestief von 39,35 Dollar, das Mitte Februar erreicht wurde, um rund ein Drittel gestiegen. Er liegt damit aber noch weit unter dem im Juli 2008 erreichten Rekordhoch von 147,50 Dollar.
Für den Liter Diesel mussten nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) am Donnerstag im Bundesdurchschnitt 1,08 Euro bezahlt werden. Noch vor zwei Wochen hatte Diesel weniger als einen Euro je Liter gekostet - und damit so wenig wie seit vier Jahren nicht mehr. Sowohl Super als auch Benzin kosteten am Donnerstag im Bundesdurchschnitt 1,25 Euro je Liter.
Reiselust der Amerikaner treibt die Preise hoch
Die Preise für Super und Benzin - die seit gut einem Jahr praktisch identisch sind - erreichten damit in dieser Woche ein neues Jahreshoch. Nach Einschätzung von Fachleuten könnten sie noch weiter steigen. Denn was die Preise an den Tankstellen besonders antreibt, sind die höheren Kosten der Ölprodukte.
„Am Freitag kletterte der Preis für die Tonne Superbenzin in Rotterdam auf 496 Dollar. Zum Jahresbeginn kostete sie noch 330 Dollar“, sagt Karin Retzlaff vom MWV. Daraus errechnet sich für den Ottokraftstoff ein Preisanstieg um rund die Hälfte. Rohöl selbst ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres aber lediglich um 14 Prozent teurer geworden. Die Tonne Dieselkraftstoff kostet aktuell ähnlich viel wie Superbenzin, im Vergleich zum Jahresanfang hat sich dieser Preis aber kaum verändert.
„Was gerade den Benzinpreis treibt, ist die regelmäßig im Frühjahr ansteigende Nachfrage aus den Vereinigten Staaten“, erläutert Retzlaff vom MWV. Hier beginne nun langsam die alljährliche Reisesaison. „Und die eigenen Raffineriekapazitäten reichen dort bei weitem nicht aus, um den amerikanischen Markt mit qualitativ hochwertigem Benzin zu versorgen. Daher decken sich die Amerikaner auch in Europa ein.“ Hierzulande dürfte die Benzinnachfrage im Zuge des Osterreiseverkehrs ebenfalls steigen. Daher könnte Benzin wohl noch teurer werden.
Rückgang der Fördermenge wird bald Knappheit verursachen
Auch der Preis für Heizöl ist gestiegen. Zuletzt mussten Heizölkäufer nach Angaben des Energieinformationsdienstes (EID) bei einer Abnahme von 3000 Litern 54,25 Euro je 100 Liter Heizöl bezahlen. Mitte März hatte der Preis mit 47,50 Euro das tiefste Niveau seit Mai 2005 erreicht. Rainer Wiek vom EID begründet den Preisanstieg hier vor allem mit den höheren Ölnotierungen. Die Nachfrage nach Heizöl sei nicht besonders auffällig. Denn viele Öltanks seien bereits gefüllt.
Angesichts der umfangreichen Konjunkturprogramme in vielen Ländern rechnen Fachleute mit weiter steigenden Preisen für Rohöl. Sobald die Weltkonjunktur wieder Tritt fasse und sich die hohen Lagerbestände wieder normalisierten, entstehe recht schnell eine Knappheitssituation am Ölmarkt, begründen die Analysten der Deka-Bank ihre Erwartung eines deutlich steigenden Rohölpreises im Jahresverlauf. Ein wichtiger Grund hierfür seien die massiven Produktionskürzungen in den Ländern der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC). Die bisher beschlossene Senkung der Fördermenge übertreffe den Nachfragerückgang nach Öl durch die Weltrezession deutlich.
Nach Informationen der Commerzbank werden die Opec-Lieferungen in den vier Wochen zum 11. April nur noch 22,23 Millionen Barrel täglich betragen. Das seien 0,77 Millionen Barrel weniger als in den vier Wochen zuvor und der niedrigste Wert seit fünfeinhalb Jahren. Auch laut Barclays Capital sprechen die Fundamentaldaten im Ölhandel für steigende Preise. Für das Jahr 2009 prognostizieren sie einen Durchschnittspreis für Brent von 60 Dollar und für 2010 von 84 Dollar je Barrel. Die Fachleute der Commerzbank sagen für dieses Jahr einen Brent-Durchschnittspreis von 59 Dollar und für 2010 von 74 Dollar je Barrel voraus.
Längerfristige Prognosen sind derzeit besonders schwierig, da sowohl der weitere Verlauf der Weltkonjunktur und damit der Ölnachfrage sehr unsicher sind als auch die Entwicklung des Dollar-Kurses; eine Abwertung des Dollar lässt den in Dollar notierten Ölpreis typischerweise steigen.
wofuer Prognosen?
J.A.H. A (JulianAy)
- 30.03.2009, 10:44 Uhr
Prognosen
Werner Peters (wernerpeters)
- 01.04.2009, 16:47 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |