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Comeback des Dollars Was Anleger wissen sollten

13.08.2008 ·  Das plötzliche Erstarken des Greenback gegenüber wichtigen Währungen könnte eher Spiegelbild einer erwarteten Konjunkturverlangsamung im Ausland denn Zeichen des Vertrauens in das amerikanische Wachstum sein.

Von David Bogoslaw
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Die Schwächephase des Dollars „war die beste aller Zeiten“ für ausländische Touristen in den Vereinigten Staaten und für die Exportergebnisse amerikanischer Unternehmen. Zugleich war sie aber auch - um es weiter mit Dickens' Worten auszudrücken - „die schlechteste aller Zeiten“ für die Kaufkraft der amerikanischen Verbraucher.

Dies alles und noch mehr brachte der anhaltende Verfall des Dollars in den vergangenen sechs Jahren und sein Einbruch in den zurückliegenden zwölf Monaten mit sich. Und genau diese Entwicklung macht das jüngste Comeback des Greenback gegenüber anderen wichtigen Währungen umso bemerkenswerter. Einige sehen im deutlichen Erstarken des Dollars in den vergangenen Tagen ein Zeichen zunehmenden Vertrauens in die Wachstumsaussichten der Vereinigten Staaten, es könnte jedoch auch nichts weiter als eine Geschichte zweier (oder mehr) divergierender geldpolitischer Strategien sein

Am 5. August beließ der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank (Fed) den als Leitzins geltenden Tagesgeldsatz bei 2,0 Prozent. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) nahm zwei Tage später keine Zinsänderung vor; der als Leitzins fungierende Hauptrefinanzierungssatz beträgt damit weiterhin 4,25 Prozent. Die Fed geht davon aus, dass sich die angespannte Kreditsituation, die anhaltende Abschwächung auf dem Häusermarkt und die hohen Energiepreise in den nächsten Quartalen voraussichtlich weiterhin bremsend auf das amerikanische Wirtschaftswachstum auswirken werden, rechnet im Verlauf der kommenden 18 Monate jedoch mit einer Mäßigung der Inflation. Die EZB schien den Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum im Euroraum stärkere Beachtung zu schenken und nahm damit vermutlich den am 8. August gemeldeten abrupten Rückgang der Wirtschaftsleistung Italiens sowie die für das zweite Quartal 2008 vermutete Konjunkturverlangsamung in Deutschland vorweg.

Divergierende Geldpolitik der Fed und der EZB

Investmentstrategen gehen davon aus, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinsanhebung sein wird, während die EZB in den kommenden zwölf Monaten wenigstens einen Zinsschritt nach unten zu planen scheint. Diese Einschätzung führte dazu, dass der Euro gegenüber dem Dollar am 8. August stark an Boden verlor und am 11. August weiter an Wert einbüßte. Der Dollar-Index, der die Wertentwicklung des amerikanischen Dollars gegenüber einem Korb maßgeblicher ausländischer Währungen aufzeigt, stieg am 11. August um 0,37 Prozent auf 76,125, nachdem er in der am 8. August zu Ende gegangenen Woche um fast 3,3 Prozent nach oben gesprungen war.

„[D]er jüngste Anstieg des amerikanischen Dollars geht hauptsächlich auf eine vom Markt erwartete Bodenbildung der kurzfristigen amerikanischen Zinsen im Verbund mit der geringeren Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinsanhebung der EZB zurück“, schrieb Alec Young, Aktienstratege bei Standard & Poor's Equity Research Services, am 8. August in einer Studie, in der er einen markanten Wiederanstieg des Dollars gegenüber dem Euro, dem Yen, dem britischen Pfund, dem kanadischen Dollar, der schwedischen Krone und dem Schweizer Franken gegenüber dem Tiefstand vom 17. März anführte, als der Dollar seit Jahresbeginn einen Rückgang von 6,7 Prozent verzeichnet hatte.
Devisenstrategen von Brown Brothers Harriman kamen in einer Studie am 8. August kurzerhand zu dem Schluss, dass der mehrjährige Abwärtstrend des Dollars vorüber und der Prozess der „Bodenbildung“ abgeschlossen sei.

Mit Verweis auf die aberwitzigen Kursniveaus von Technologieaktien in den späten 1990ern und im Jahr 2000 prophezeite die Studie: „Mit ähnlicher Verwunderung werden wir einst auf die Zeit zurückblicken, als das Pfund mit 2,10 Dollar, der Euro über 1,60 Dollar und der australische Dollar nahe der Parität zum amerikanischen Dollar gehandelt wurde.“

Euro-Erholung für Short-Positionen nutzen?

Der Wiederanstieg des Dollars sei stärker von Spekulanten als von längerfristig orientierten institutionellen Investoren getrieben worden, die noch nicht damit begonnen hätten, ihre Wetten gegen den Dollar umzukehren, sagte Meg Browne, leitende Devisenstrategin bei Brown Brothers Harriman, in einem Interview mit BusinessWeek.com. Sie belegte ihre Aussage mit Daten zu spekulativen Positionen am International Money Market der Chicago Mercantile Exchange für die am 5. August beendete Handelswoche.
„Ich bezweifle, dass die Leute an einen längerfristigen Aufwärtstrend des Dollars gegenüber dem Euro glauben“, so Browne. „Dieser Prozess wird einige Zeit dauern.“ Zwar notierte der Euro in der Spitze knapp oberhalb von 1,60 Dollar, die Währung könnte jedoch nach den in dieser Woche veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts großer Volkswirtschaften des Euroraums auf Kaufinteresse stoßen, prognostiziert Browne

Nachdem der Euro am 8. August mit 1,5285 Dollar auf ein Viermonatstief gefallen ist, rät Browne, Erholungsrallys der europäischen Währung zu nutzen, um längerfristigere Short-Positionen in Euro aufzubauen. Beobachtern zufolge hat auch der in den zurückliegenden Wochen eingetretene dramatische Preiseinbruch bei Öl und anderen Rohstoffen zur Renaissance des Dollars beigetragen, da Rohstoffe überwiegend in Dollar fakturiert werden.

„In den vergangenen Monaten ging der Dollar immer dann zurück, wenn die Rohstoffpreise anzogen. Nun kehrt sich diese Entwicklung um“, sagt Ihab Salib, Portfoliomanager und Leiter der Abteilung für internationale Rentenpapiere bei Federated Investors in Pittsburgh. Salib sieht nicht unbedingt eine direkte Verbindung zwischen der Dollarstärke und den Rohstoffpreisen, die nach seiner Auffassung in Reaktion auf die nachlassende Nachfrage infolge des abflauenden Wirtschaftswachstums rund um den Globus nachgeben würden. Er fügt jedoch an: „Weitere Rückgänge der Rohstoffpreise sind jedoch zumindest teilweise auf die Dollaraufwertung zurückzuführen.“
Reif für die Trendwende

Ein weiterer Grund für das Erstarken des Dollars sei die verbale Unterstützung, die er in den vergangenen Monaten sowohl von Seiten des amerikanischen Finanzministeriums als auch von der Fed erhalten habe, sagt Carmine D'Avino, Anlageberater bei der Finanzgesellschaft Pinnacle Associates, die Währungs-ETFs für Kundenportfolios verwaltet. „Es kommt äußerst selten vor, dass sich die Fed über den Wert des Dollars äußert“, so D'Avino. Er ist jedoch überzeugt, dass Fed-Präsident Ben Bernankes Kommentar zum Greenback am 3. Juni von dessen Besorgnis eines stärkeren Inflationsdrucks durch einen weiteren Dollarverfall motiviert wurde. Nach eigenen Aussagen hat D'Avino sein Portfolio im Juni um Anteile des PowerShares DB US Dollar Index Bullish Fund ergänzt, da er zusehends davon ausgehe, dass der Dollar überverkauft sei.

Frank Trotter, Vorsitzender der EverBank Direct, dem Online-Ableger der in Jacksonville (Florida) ansässigen EverBank, ist der Ansicht, dass es aufgrund des massiven Ölpreisanstiegs und der sich verschärfenden Finanzkrise in den ersten Monaten des laufenden Jahren zu Übertreibungen bei der Dollar-Abwertung kam. Dies könne dazu führen, dass sich die Stärke des Dollars bis in den Herbst und möglicherweise sogar bis in den Winter hinein fortsetze. In seinen Augen würden die wirtschaftlichen Fundamentaldaten jedoch nach wie vor auf einen längerfristigen Rückgang hindeuten.

Zweifel an weiterem Aufwertungspotential

Trotter nennt die amerikanische Fiskalpolitik, insbesondere das zunehmende Außenhandelsdefizit, als Hauptursache für den Wertverlust des Dollars in den vergangenen sechs Jahren und sieht darin auch den Ursprung einer weiteren Abwertung in naher Zukunft. „Für Anleger bieten sich weltweit bessere Anlagechancen“, so Trotter. „Lukrativer ist China, Singapur, Australien, eventuell Thailand und Malaysia, auf jeden Fall Indien, da hier die Wachstumsraten wesentlich höher sind“, und das sowohl für Direktinvestitionen als auch für die Kapitalanlage an den dortigen Aktienmärkten.

Für die Vereinigten Staaten erwartet Trotter nach den Wahlen im November unabhängig von deren Ausgang eine mehrere Jahre andauernde Ausweitung des Haushaltsdefizits. Nach seiner Einschätzung dürften die Inlandsausgaben und die anhaltenden Militärausgaben höher ausfallen als die Zuwächse bei den Steuereinnahmen.

Meg Browne von Brown Brothers Harriman ist optimistischer, was das Aufwertungspotential des Dollars in den kommenden Jahren anbelangt. Sie hält es für unwahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten in die Rezession abrutschen, auch wenn sie bezweifelt, dass das BIP-Wachstum in Kürze wieder auf die langjährigen Niveaus zwischen 2,5 und 3,0 Prozent zurückkehren wird. Salib von Federated Investors zeigt sich weniger zuversichtlich: „Das amerikanische Wachstum wird sich wahrscheinlich über mehrere Quartale hinweg seitwärts entwickeln. Die Zinsen dürften unverändert bleiben, wodurch das Ausmaß der Dollar-Aufwertung fortan begrenzt werden dürfte.“

David Bogoslaw ist Reporter für den Investing Channel der Business Week.

Quelle: BusinessWeek Online
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