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Veröffentlicht: 18.05.2017, 09:42 Uhr

Edelmetalle China ist im Goldrausch

Die Käufe von Barren und Goldmünzen sind in China um 30 Prozent gestiegen. Das hat Banken auf den Plan gerufen: Mehrere Händler bieten jetzt einen neuen Weg zu dem Edelmetall.

von Hendrik Ankenbrank, Schanghai
© Reuters Im Goldrausch: Das Edelmetall erscheint vielen Chinesen als sichere Bank.

Es waren keine Rosen, die vielen Chinesinnen am vergangenen Valentinstag von ihren Verehrern ins Büro geschickt erhielten. Es war Gold, genauer gesagt: 1314 Milligramm davon. In virtueller Form, auf dem Smartphone. In Zehntelsekunden versendet auf der Kurznachrichten-App Wechat, genutzt von 900 Millionen Menschen vor allem im Reich der Mitte. 1314: diese Zahl, auf Chinesisch ausgesprochen, klingt wie das Wort für „lebenslang“ und wird verwendet als Synonym für das Versprechen ewiger Liebe – und einer goldenen Zukunft.

China, dessen Kaiser einst in seinem Palast in der Verbotenen Stadt die Fußböden mit „goldenen Ziegeln“ hatte auslegen lassen, ist über einhundert Jahre nach Ende der letzten Feudaldynastie im Goldrausch, virtuell und analog. Dass die Investitionen in Goldbarren und Goldmünzen im ersten Quartal weltweit um 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen ist, sei vor allem einem Land zu verdanken, schreibt der Branchenverband World Gold Council in seinem jüngsten Report: der Volksrepublik, wo fast sieben Jahrzehnte nach deren Gründung selbst Kommunist Mao Tse-tung in der Provinz Henan mit einer 36 Meter hohen Goldstatue verewigt werden sollte. Die Behörden haben das Monument mittlerweile wieder zerstören lassen.

Gold

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Um 30 Prozent sind die Käufe von Barren und Goldmünzen in China in den ersten drei Monaten des Jahres gestiegen, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, der bereits ebenfalls eine gewaltige Steigerung aufgewiesen hatte. Zwar ist die Nachfrage nach Goldschmuck im Land leicht zurückgegangen, was sich Beobachter damit erklären, das vor allem chinesische Beamte etwas zurückhaltender geworden sind, um in den Zeiten der Anti-Korruptions-Kampagne von Staatsführer und Parteichef Xi Jinping mit allzu Prachtvollem an Hals und Handgelenk der Ehefrau die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Auch als Farbe bei Wohnzimmereinrichtung geschätzt

Gold als Investitionsanlage ist jedoch beliebt in China, was laut „World Gold Council“ vor allem an einem Faktor hängt. So hat die Landeswährung Yuan, die auch Renminbi genannt wird, im vergangenen Jahr 6 Prozent an Wert verloren und liegt trotz ordentlicher Konjunkturdaten derzeit immer noch 5 Prozent unter dem Wert von vor zwölf Monaten.

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Das treibt die chinesischen Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen namens Gold. Viele andere Anlagemöglichkeiten haben die Chinesen auch nicht: Der Anleihe-Markt ist unterentwickelt, der Aktienmarkt ein Kasino mit heftigen Preisschwankungen. Dass die Preise für Immobilien indes weiter so stark steigen werden wie bisher, glaubt kaum jemand, hat die Regierung doch bereits begonnen, den heftigen Preissprüngen auf dem Wohnungsmarkt mit scharfer Regulierung ein Ende zu setzen.

Da bleibt das Gold, das besonders die vielen Neureichen in Chinas aufstrebender Mittelschicht – im Land berühmt-berüchtigt unter dem Namen „tuhao“ – ohnehin als Farbe beim Einkauf von Wohnzimmereinrichtung oder iPhones schätzen. Das hat Chinas Banken auf den Plan gerufen, die derzeit nach Wegen suchen, um jüngeren Chinesen den Goldkauf per Smartphone schmackhaft zu machen und den börsenverrückten Alten im Land den Kauf am Aktienmarkt.

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Tencent, der Internetkonzern aus Shenzhen, auf dessen Nachrichten-App Wechat die Nutzer seit diesem Jahr auch abseits des Valentinstags virtuelle Geschenkpakete mit 1000 Milligramm Gold an Freunde verschicken können, arbeitet mit ICBC zusammen, gemessen an der Bilanzsumme die größte Bank der Welt. Auch Gold verkaufen können die Nutzer auf Wechats Abo-Kanal namens „Tencent-Microgold“, und müssen sich dafür nur mit einer Bankkarte registrieren. Die Mindestmenge liegt bei 0,001 Gramm, der Höchstwert der Käufe bei 100.000 Yuan, umgerechnet 13.260 Euro. Dafür kassieren Bank und Tencent eine Gebühr von 0,5 Prozent.

In drei Minuten für den Goldhandel registriert

Die Bank of China, Nummer vier auf der Größen-Rangliste, hat Ende vergangenen Jahres eine Goldanlage an der Schanghaier Goldbörse notieren lassen, das zur Mindestmenge von einem Gramm online gehandelt werden kann. Das Internetportal fa.163.com, im Jahr 2014 an den Start gebracht vom Internetkonzern Netease aus dem ostchinesischen Hangzhou, war der erste virtuelle Ort, an dem die Chinesen ohne große Umstände Gold kaufen konnten. Gegen Ende des vergangenen Jahres meldete die Seite eine Nutzerzahl von 4,3 Millionen, die in zwölf Monaten der virtuellen Goldbörsen einen Handelsumsatz von 710 Milliarden Yuan beschert hatten, umgerechnet 94 Milliarden Euro.

Es dauere nur drei Minuten, um sich auf der Seite für den Goldhandel zu registrieren, lockt das Portal die chinesischen Goldkäufer. „Starten Sie Ihr Leben in Reichtum“, wirbt fa.163.com – „während Sie auf der Toilette sitzen!“

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