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Britisches Pfund Unter massivem Abwertungsdruck

13.11.2008 ·  Aufgrund der schwachen Wirtschaft, der starken Leitzinssenkungen und der Zinssenkungserwartungen wertet das britische Pfund gegen den Euro und den Dollar deutlich ab. Die Zentralbank scheint die Schwäche der Währung mehr als zu tolerieren

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Was sich in den vergangenen Tagen immer deutlicher abzeichnete, wird nun zum Fakt: Das britische Pfund wertet weiter deutlich ab. Waren Mittwoch der vergangenen Woche noc h 1,6033 Dollar nötig gewesen, um im professionellen Handel eine Einheit der britischen Währung erwerben zu können, so sind am Donnerstag dafür noch 1,4724 Dollar nötig. Das ist ein Minus von mehr als acht Prozent in gerade einmal einer Woche.

Auch gegen den Euro ist der Kurs der britischen Währung nach oben ausgebrochen. Nach 77,70 Pence Ende des vergangenen Monats sind inzwischen knapp 85 Pence nötig, um einen Euro kaufen zu können. Das ist ein Kursplus von etwas mehr als neun Prozent. Seit Januar des vergangenen Jahres ist der Kurs um insgesamt 30 Prozent gestiegen.

Die kurzfristige Dynamik spricht gegen das Pfund

Die kurzfristige Dynamik zeigt weiter nach oben. Das dürfte kaum verwundern. Denn die britische Wirtschaft befindet sich in einem beklagenswerten Zustand: Der Boom im Immobilien- und Finanzsektor der vergangenen Jahre ist längst verpufft und die Wirtschafts- und Kreditkrise macht sich überdeutlich bemerkbar. Die Zeichen, die auf eine tiefe Rezession der britischen Wirtschaft hindeuten, werden immer offensichtlicher. Selbst die Regierung und die Zentralbank sehen das inzwischen ein, nachdem die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,5 Prozent schrumpfte.

Das Platzen der Preisblase am zuvor völlig überhitzten britischen Häusermarkt führte zusammen mit der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten und in anderen Teilen der Welt zu massiven Verlusten und angeschlagenen Bilanzen bei den Finanzunternehmen. Auch die Konsumenten stehen unter Druck, da sie sich in den vergangenen Jahren immer stärker verschuldet hatten, da ihre Einkommen gleichzeitig nur unterproportional zunahmen und da nun immer öfter die Arbeitsplätze gefährdet sind.

Die Arbeitslosenrate ist in den vergangenen Wochen so stark angestiegen wie seit 16 Jahren nicht mehr. Alleine im vergangenen Quartal hat die Anzahl der nach internationalen Methoden ermittelten Arbeitslosen um 140.000 auf 1,83 Millionen Personen zugenommen. Das ist die höchste Zahl seit dem Jahr 1997. Die Arbeitslosenrate liegt inzwischen bei 5,8 Prozent. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2000. Manche Analysten gehen inzwischen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Monaten auf drei Millionen steigen wird. Das werde den Konsum in Großbritannien weiter bremsen, heißt es.

Rezession in Großbritannien zwingt die Zentralbank zum Leitzinsaktionismus

Diese Entwicklung zwang die Bank of England dazu, den Leitzins drastisch zu senken. Alleine in der vergangenen Woche wurde er um 1,5 Prozentpunkte heruntergenommen von 4,5 auf zuletzt drei Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 1955. Nach jüngsten Einschätzungen der Zentralbank wird sich der Preisauftrieb in den kommenden Monaten deutlich anschwächen. Sie führt dazu, dass der Devisenmarkt von weiteren, deutlichen Zinssenkungen in Großbritannien ausgeht. Genau das dürfte das Pfund weiterhin in der Defensive halten.

Zentralbank scheint die Schwäche der Währung mehr als zu tolerieren

Immerhin argumentiert die Zentralbank selbst, die schwächere Währung werde den britischen Unternehmen das Überstehen der Rezession erleichtern. Nichts macht deutlicher, dass sie die kompetitive Abwertung nicht nur toleriert, sondern sie sogar anstrebt. Aus diesem Grund dürfte der Markt dazu tendieren, die „Tiefen“ der Währung auszuloten. Manche Analysten sehen den Kurs der britischen Währung bis auf 91 Pence je Euro steigen - das heißt abwerten.

Die Stimmung sowohl unter den Konsumenten als auch unter den Unternehmen ist schlecht. Der GFK Konsumenten-Stimmungsindikator lag im Oktober mit minus 36 knapp an seinem im Juli erreichten Rekordtief und die PMIs im Bau- und verarbeitenden sowie im Dienstleistungsgewerbe liegen im rezessiven Bereich. Die Industrieproduktion ging im September auf Jahresbasis um 2,2 Prozent zurück, im verarbeitenden Gewerbe sogar um 2,3 Prozent und die Hauspreise fallen weiter. Der HBOS House Prices Index ging alleine im Oktober um 13,7 Prozent zurück.

Gleichzeitig war das britische Wachstum in den vergangenen Jahren überproportional abhängig vom Finanzsektor. Dieser wiederum hatte sich stark verschuldet und sich sowohl bei den angeschlagenen Konsumenten des Landes als auch international immer stärker exponiert. Aus diesem Grund werde der wirtschaftliche Abschwung in Großbritannien deutlich intensiver ausfallen, als in anderen Staaten, erläutern die Devisenanalysten der Citigroup ihre Erwartungen.

Angesichts der Gesamtkonstellation verwunderte der anhaltende Abwertungsdruck auf die britische Währung kaum.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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