21.09.2011 · De Beers verlagert den Verkauf von Rohdiamanten von London nach Botswana. Die ertragreichsten Minen des größten Diamantenkonzerns liegen bereits in dem afrikanischen Land. Die Entscheidung ist nicht nur für die Industrie eine Revolution.
Von Claudia Bröll, JohannesburgBotswana mag mit seinen gerade einmal zwei Millionen Einwohnern normalerweise nicht viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Demnächst jedoch dürfte das afrikanische Land zum Zentrum des internationalen Diamantenhandels werden. Von 2013 an will De Beers, der größte Diamantenkonzern der Welt, sein gesamtes Angebot an Rohdiamanten aus aller Welt von der botswanischen Hauptstadt Gaborone statt bisher von London aus verkaufen.
Die Entscheidung dürfte nicht nur den Diamantenhandel revolutionieren. Sie markiert auch das Ende einer mehr als hundert Jahre alten Tradition des in London und Johannesburg ansässigen Konzerns. Bisher werden in Afrika geförderte Diamanten nach London verschifft, wo sie ein handverlesener Kreis von 79 Großhändlern zehnmal im Jahr sichtet und kauft. Demnächst müssen sich diese Händler dafür in das Herkunftsland der Steine begeben. Nicky Oppenheimer, Chairman von De Beers, sprach während der feierlichen Unterzeichnung der Vereinbarung von einer „einmaligen Chance für Botswana und De Beers, die Zukunft der Diamantenindustrie zu bestimmen“.
10 Prozent dürfen in Eigenregie verkauft werden
De Beers verlagert insgesamt 100 Arbeitsplätze von London nach Gaborone. In London verbleiben Abteilungen wie Personal, Recht, Öffentlichkeitsarbeit, die Vermarktungssparte „Forevermark“ und das Management. Von seinem geschichtsträchtigen Gebäude an der Londoner Charterhouse Street aus steuerte De Beers jahrzehntelang faktisch das gesamte Diamantengeschäft auf der Welt. Heute liegt der Marktanteil des früheren Monopolisten noch bei 40 Prozent.
De Beers ist mit Botswana bereits eng verbunden. Dort liegen die drei ertragreichsten Diamantenminen des Förderers, die fast drei viertel zur Gesamtproduktion beisteuern. Im Gegenzug ist der Staat, der gerne als die „Schweiz Afrikas“ bezeichnet wird, mit 15 Prozent an De Beers beteiligt, 45 Prozent hält Anglo American, 40 Prozent die südafrikanische Gründerfamilie Oppenheimer. Wie in vielen rohstoffreichen Entwicklungsländern will sich Botswana nicht mehr mit der Rolle als Rohstofflieferant begnügen. Der Druck auf die Konzerne wächst, Bodenschätze auch vor Ort zu verarbeiten und zu vermarkten, um Arbeitsplätze zu schaffen. Über die Jahre hinweg hat De Beers daher immer mehr Aufgaben nach Botswana verlagert. Heute gibt es dort 16 Schleif- und Polierstätten für Diamanten. De Beers investierte allein in die neue Verkaufszentrale 83 Millionen Dollar.
Nach harten Verhandlungen, die sich mehr als ein Jahr hinzogen, hat Botswana jetzt nicht nur durchgesetzt, dass die Rohdiamanten von dort verkauft werden. De Beers gestand der Regierung auch erstmals zu, 10 Prozent der geförderten Diamanten in eigener Regie zu verkaufen, über fünf Jahre hinweg sollen es 15 Prozent sein. Als Gegenleistung schloss die Regierung mit De Beers einen zehn Jahre laufenden Handelsvertrag, doppelt so lang wie frühere Abmachungen. De Beers hat sich damit über längere Zeit Nachschub gesichert. Die Diamantenvorkommen auf der Welt schwinden, während die Nachfrage vor allem in China und Indien rasant steigt. Seit 20 Jahren wurden keine neuen Vorkommen mehr ausfindig gemacht. Selbst nach einer Entdeckung würde es mindestens zehn Jahre dauern, bis eine Mine in Betrieb gehen kann. Noch unklar ist, was die Mitarbeiter von De Beers und die Großhändler von dem neuen Handelsplatz halten. Oppenheimer indes zeigte sich zuversichtlich. Die Händler freuten sich darauf, demnächst nach Gaborone statt nach London fliegen zu dürfen. Er hoffe, sie würden in Botswana auch einen Urlaub verbringen und so die Tourismusindustrie ankurbeln.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |