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Veröffentlicht: 16.03.2016, 12:30 Uhr

„Blockchain“ Bargeld, Banken und Betrüger

„Blockchain“ heißt der Code für die nächste Revolution im Internet: Bargeld, Banken und Betrüger werden abgeschafft. Wer und was steckt dahinter?

von
© Picture-Alliance Eine Welt ohne Bargeld, ohne Banken. Was „Bitcoin“ versprochen hatte - und scheiterte - soll „Blockchain“ bald ermöglichen.

Was diskutieren Milliardäre und digitale Pioniere, wenn sie auf einer Trauminsel in der Karibik unter sich sind? Natürlich die „Blockchain“, was sonst. Nie davon gehört? Dann haben Sie die Anfänge der nächsten Revolution im Netz wohl verpasst. Aber Kopf hoch - noch ist es nicht zu spät für die Beschäftigung mit der ominösen Kette.

Bettina Weiguny Folgen:

Wo immer es heute um das große Ganze, um Macht und das Geschäft der Zukunft geht, fällt das Stichwort „Blockchain“. Denn wozu Bankgebühren bezahlen, um Geld zu überweisen, wozu einen Notar einschalten, um ein Haus zu kaufen, wenn es auch ohne geht? Genau das verspricht die Blockchain-Technologie: Banken, Bargeld und vieles mehr wird abgeschafft, die ganze Art, wie wir wirtschaften auf den Kopf gestellt. Da lag Richard Branson, der fünf Milliarden Dollar schwere Virgin-Gründer, also richtig, als er im Sommer „die besten Köpfe der digitalen Erneuerung“ zu einem „Blockchain Summit“ auf seine Privatinsel lud.

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Noch ist nicht ausgemacht, was die Technologie tatsächlich taugt: Sind da großmäulige Visionäre am Werk oder nur visionär tönende Großmäuler? Tatsache ist, die cleveren Burschen wie Branson stürmen vorneweg. Irgendwas muss also dran sein, wenn so viel Sachverstand und Geld sich in Bewegung setzt. Microsoft-Gründer Bill Gates schwärmt von der Blockchain. Amerikas ehemaliger Finanzminister Larry Summers mischt mit, ebenso die schwerreichen Gründer im Silicon Valley. Die „Blockchain“ schlägt Wellen bis in die Führungsetagen der deutschen Traditionskonzerne. Deutsche Börse, Telekom – alle strecken ihre Fühler aus, auch ein RWE-Chef Peter Terium gibt sich schwer optimistisch, dass die „Blockchain“ irgendwie seinen siechenden Energiekonzern rettet.

Richard Branson © dapd Vergrößern Richard Branson, Milliardär und Virgin-Gründer, lud im Sommer „die besten Köpfe der digitalen Erneuerung“ zu einem „Blockchain Summit“ auf seine Privatinsel.

Was genau aber verbirgt sich hinter dem Zauberwort, das jedermann im Munde führt? Es ist – glaubt man den Anhängern – eine Netzwerk-Technologie, die alles revolutioniert und nebenbei das Ende von Lug und Trug im Internet einläutet, die „größte Neuerung seit der Erfindung des Internets“, tönen die Anhänger. „Es tut mir leid für Sie, aber in zehn Jahren werden alle Ihre Banken nicht mehr existieren“, schleuderte in Davos ein Blockchain-Pionier der versammelten Hochfinanz entgegen. Das mag übertrieben sein. Ernst nehmen die Konzerne das Phänomen dennoch. Selbst Skeptiker wie Edward Budd von der Deutschen Bank in London räumen der Blockchain „gewaltiges Potential“ ein.

Niemand hat die Macht, die Daten zu manipulieren

Erstmals aufgetaucht ist das Stichwort als Technologie hinter der virtuellen Währung Bitcoin. Die Blockchain funktioniert wie ein digitales Kassenbuch. Wenn Person A einer Person B Geld leiht, wird diese Transaktion auf den Computern aller an der Blockchain Beteiligten dokumentiert. Das Gleiche passiert, wenn B später einen Teil des Geldes an C oder D weiterreicht. Alle diese Daten werden dezentral gespeichert. So entsteht nach und nach eine Kette von Datenblöcken (daher der Name Blockchain), an denen nachträglich nichts gelöscht oder geändert werden kann. Das alles läuft ohne Mittelsmann ab, die Teilnehmer verifizieren die Vorgänge selbst, ohne Bank. Alles Wissen wird geteilt. Niemand hat die Macht, die Daten zu manipulieren.

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