Die Entwicklung der Seefrachtpreise sei ein guter Indikator für die künftige Entwicklung der Weltkonjunktur, heißt es. Aus diesem Grund verweisen Analysten derzeit gerne auf den Baltic Dry Index. Er zeigt die Preisentwicklung für den Seetransport von Massengütern wie Kohle, Eisenerz und Getreide auf Standardrouten an.
Dieser Index hat sich in der ersten Hälfte des laufenden Jahres verfünffacht auf zuletzt 4.070 Zähler, nachdem der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres von 11.800 auf bis zu 663 Punkte gefallen war.
„Verstopfung“ führt zu steigenden Frachtraten
Im Vergleich mit der absoluten Boomphase befindet sich der Index immer noch auf tiefem Niveau. Allerdings deute die rasche, deutliche Erholung darauf hin, dass sich das Frachtgeschäft belebe, erklären optimistische Analysten.
Tatsächlich warten gegenwärtig nach Angaben des britischen Schiffsmaklerunternehmens Simpson Spence & Young 154 Frachtschiffe oder gut 18 Prozent der globalen Flotte von Schiffen dieser Art vor den Häfen in Australien, Brasilien und China, um Rohstoffe zu laden beziehungsweise zu löschen. Auf dem Höhepunkt das Frachtbooms vor einem Jahr seien es 115 Schiffe gewesen, Ende November des vergangenen Jahres noch 75 Schiffe, die vor den Häfen gewartet hätten, heißt es.
Warteschlangen dieser Art erklärten sich aus den Engpässen in den chinesischen Häfen. Diese seien letztlich auch dafür verantwortlich, dass die Frachtpreise so rasch und so deutlich angezogen hätten. Immerhin verlängere sich auf diese Weise die gesamte Umlaufzeit des einzelnen Schiffes.
Kritische Analysten warnen allerdings davor, die Preisentwicklung und den dadurch ausgelösten Auftrieb des Baltic Dry Index über zu bewerten. Er reagiere im Moment einzig und alleine auf die riesigen Erzimporte, die China in den vergangenen Monaten tätigte. Alles hänge von der Nachfrage Chinas nach Eisenerz ab, erklärte Andreas Vergotti der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er ist Researchdirektor bei einem Hedge-Fonds in Hongkong.
Rohstoffimporte Chinas - eher Spekulation als reale Nachfrage
Die Eisenerzimporte Chinas haben in den vergangenen Monaten tatsächlich massiv zugenommen. Im April des laufenden Jahres erreichten sie mit 57 Millionen Tonnen den höchsten Wert aller Zeiten, bevor sie im Mai leicht auf 53,5 Millionen Tonnen zurückgingen. Insgesamt stellt der Importboom der vergangenen Monate eine außerordentliche Kulmination des vorhergehenden Aufwärtstrends dar. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich diese Entwicklung so fortschreiben lässt.
Immerhin ging die chinesische Stahlproduktion zuletzt zurück. Und nicht nur das. Andy Xie von Rosetta Stone Advisors erklärt, in China würden sowohl die Börsen als auch der Rohstoffimport von der gewaltigen Liquidität getrieben, die die Zentralbank auf Anordnung der Regierung in die Märkte bringe. Wer jetzt in diese Märkte einsteige, werde sich eine blutige Nase holen, erklärt er. Denn die Rohstoffimporte seien primär spekulativer Natur und nicht die Folge realwirtschaftlicher Aktivitäten. Das starke chinesische Kreditwachstum zünde die Vermögenspreisinflation und schädige die wirtschaftliche Entwicklung durch überhöhte Rohstoffpreise. Wer daran glaube, dass Chinas Wachstum die globalen Wachstumsprobleme lösen könne, unterliege einer Illusion.
Anleger werden aus diesen Gründen den Anstieg des Baltic Dry Index und die Aussichten der Transportbranche mit der notwendigen Skepsis betrachten. Denn erstens bleibt die Branche selbst skeptisch. Zweitens hat das vergangene Jahr gezeigt, wie schnell und stark die Frachtraten einbrechen können.
Der Baltic Dry ist ohnehin nicht so aussagekräftig, wie oft angenommen.
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 22.06.2009, 20:06 Uhr
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Cezmi Ben Dispinar (CezmiBond)
- 22.06.2009, 21:48 Uhr