02.03.2010 · Der Kurs des australischen Dollar zeigt sich nur knapp gehalten, obwohl die australische Notenbank den Leitzins auf vier Prozent erhöht hat. Die Zinserhöhung war erwartet worden. Kursrisiken ergeben sich aus der Hauspreis- und Rohstoffblase.
Der Kurs des australischen Dollar zeigt sich am Dienstag nur knapp gehalten, obwohl die australische Notenbank den Leitzins von 3,75 Prozent auf vier Prozent erhöht hat. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Zinserhöhung weitgehend erwartet und an den Märkten vorweggenommen worden war.
Zinserwartungen hatten, abgeleitet aus der Vermutung, hohe Energie- und Rohstoffpreise würden die Wirtschaft des ressourcenreichen Landes zusammen mit wirtschaftspolitischen Stimulierungen beflügeln, den australischen Dollar von Oktober des Jahres 2008 bis Ende des vergangenen Jahres gegen den amerikanischen Dollar um bis zu 53 Prozent aufwerten lassen. Zuvor war er allerdings im Rahmen der Kredit- und Wirtschaftskrise massiv abgestürzt.
Australischer Dollar hält das hohe Niveau
Auch gegen den Euro hat die australische Währung in den vergangenen Monaten die vorhergehenden Kursverluste mehr als wettgemachte. Er erreichte am Dienstag mit 1,5040 australischen Dollar je Euro das stärkste Kursniveau seit September des Jahres 1997.
Australien, dessen Wirtschaft während der Weltfinanzkrise nie in die Rezession abglitt, verzeichnet derzeit ein stürmisches Wachstum der Arbeitsplätze - wenn auch zum größten Teil im Form von möglicherweise saisonal bestimmten Teilzeitstellen - und ein starkes Geschäftsklima. Glenn Stevens, Gouverneur der Reserve Bank of Australia, sagte, er halte einen Zinssatz nahe dem Durchschnittswert für angemessen. Als Durchschnittswert betrachtet Stevens einen Satz von 4,75 Prozent. Das heißt, es lägen weitere Zinserhöhungen in der Pipeline.
„Offenbar sind sie entschlossen, etwa alle zwei Monate die Zinsen anzuheben“, kommentierte Stephen Walters, Chefökonom bei JPMorgan Chase & Co. in Sydney die RBA-Entscheidung. Allerdings, so Walters weiter, gebe es in der Weltwirtschaft noch genügend Risikofaktoren, um der australischen Notenbank für ihre nächste Sitzung im April „etwas Vorsicht“ nahezulegen. Die RBA ist die erste Notenbank eines G-20-Landes, die seit Jahresbeginn den Leitzins erhöht hat. Im vierten Quartal des Vorjahres hatte sie ebenfalls als erste Notenbank einer Industrienation die Zinsen in drei Schritten erhöht.
Die Risiken sind tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Denn es gibt starke Zweifel an den Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung und der optimistischen Stimmung in Australien. Die Gründe liegen darin, dass das australische Parlament im vergangenen Jahr Sonderzulagen und Steuererleichterungen für den Erwerb von Immobilien beschlossen hat. Auf diese Weise wurde, zusammen mit den tiefen Leitzinsen, das verfügbare Einkommen trotz stagnierender Löhne um rund zehn Prozent gesteigert und indirekt die Konsum- und Immobilienblase im Lande neu aufgepumpt. Innerhalb weniger Monate stiegen die Hauspreise auf einen neuen Höchststand, obwohl die australischen Verbraucher außerordentlich stark verschuldet sind.
Kursrisiken ergeben sich aus der Hauspreis- und Rohstoffblase
Nach jüngsten Daten zeigte sich der australische Häusermarkt im Januar noch vergleichsweise stark. Die Anzahl der Baugenehmigungen lag knapp 48 Prozent über der des schwachen Vorjahres. Allerdings war das deutlich weniger, als erwartet worden war. Das heißt, die Entwicklung am australischen Immobilienmarkt scheint sich schon wieder abzukühlen. Die Zinserhöhungen tragen dazu bei, machen sie Hypotheken teurer.
Auf der anderen Seite profitiert das Land weiterhin von der im Trend zunehmenden Nachfrage nach Energie und Rohstoffen, vor allem aus Asien. So lange die dortigen Staaten selbst ihre Stimulierungsmaßnahmen aufrecht erhalten und indirekt über die Exportschiene von den keynesianischen Ausgabenprogrammen auf Pump in den Industriestaaten profitieren können, dürfte sich die australische Wirtschaft und damit die Währung des Landes robust entwickeln können.
Mittelfristig gibt es jedoch auch von dieser Seite Risiken. Denn gerade die Industriestaaten haben in den vergangenen Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt und müssen nun dringend ihr Ausgabeverhalten einschränken. Wenn sie das nicht freiwillig tun - was angesichts populistischer Politiker unwahrscheinlich ist -, werden sie wahrscheinlich von den Märkten dazu gezwungen werden. Spätestens dann ist der Scheinboom in den Schwellenländern gefährdet, wird die Nachfrage nach Rohstoffen zurückgehen und kann die Luft aus der australischen Immobilienblase entweichen. Der Wechselkurs des australischen Dollars dürfte in diesem Fall unter Druck geraten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |