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Australischer Dollar Fallender Leitzins - schwächere Kurse

02.12.2008 ·  Der australische Dollar reagiert am Dientag mit Kursverlusten auf die Leitzinssenkung um einen Prozentpunkt auf 4,25 Prozent. Die Zentralbank setzt den beinahe schon panischen Zinssenkungszyklus fort, die Währung ist wenig attraktiv.

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Mit Kursverlusten sowohl gegen den Euro als auch den amerikanischen Dollar reagiert am Dienstag der australische Dollar auf die Leitzinssenkung um einen vollen Prozentpunkt auf nun noch 4,25 Prozent.

Damit setzt die australische Zentralbank RBA den aggressiven Zinssenkungskurs fort, der Anfang September mit einer leichten Senkung um einen Viertelprozentpunkt auf sieben Prozent begonnen hatte und der nach zwei weiteren Zinsschritten von einem Prozentpunkt im Oktober und um 75 Basispunkte Anfang November nun zusammen mit dem jüngsten Zinssenkungsschritt auf das aktuelle Niveau führte.

Massive Leitzinssenkungen in kürzester Zeit

Damit hat die RBA innerhalb von gerade einmal drei Monaten die Zinserhöhungen zurückgedreht, zu welchen sie zuvor fünfeinhalb Jahre gebraucht hatte. Das zeigt die Asymmetrie, mit der gerade viele der angelsächsischen Zentralbanken handeln: Sie sind viel zu zögerlich, wenn es um die Eindämmung entstehender Kurs- und Preisblasen geht. Dagegen werden sie geradezu panisch, wenn sie nach dem Platzen der selbst verschuldeten Blasen um das Aufräumen der Trümmer geht.

Dabei war, ähnlich wie in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Irland sowie in Spanien, auch in Australien schon seit Jahren absehbar, wie der Hase letztlich laufen würde. Denn der scheinbar unzerstörbare Rohstoffboom hatte zu niedriger Arbeitslosigkeit, zu einer starken Eigendynamik in der australischen Binnenwirtschaft, so hohem Selbstvertrauen der australischen Konsumenten und zu entsprechenden Leichtsinn geführt. Denn die Konsumenten verschuldeten sich über alle Maßen.

So lag das Verhältnis der Schulden zu verfügbaren einkommen noch im Juni des laufenden Jahres bei 158,4 Prozent. Der durchschnittliche Haushalt musste im Juni 11,4 Prozent des verfügbaren Einkommens alleine dafür verwenden, die Zinsen auf die aufgenommenen Schulden zu begleichen. Neben den Konsumenten selbst waren jedoch auch die Banken leichtsinnig, die ihre Kredite im Vertrauen auf den scheinbar ewig dauernden Rohstoff- und Immobilienboom so leichtfertig vergeben haben.

Damit ist es jedoch längst vorbei. Inzwischen hinterlassen nicht nur die inzwischen deutlich gesunkenen Rohstoffpreise ihre Spuren, sondern auch die Preise für Wohnimmobilien geben nach. Der Hauspreisindex ist im November zumindest auf Quartalsbasis um 1,8 Prozent gefallen. Gleichzeitig ging die Anzahl der Baugenehmigungen um 7,2 Prozent zurück. Auf Jahresbasis fiel sie sogar um 21,6 Prozent. Die Anzahl der verkauften neuen Autos war im Oktober um 10,6 Prozent gefallen und die Einzelhandelsumsätze stagnieren.

Stark verschuldete Haushalte stehen mit dem Rücken zur Wand

Die Haushalte spüren simultan die fallenden Vermögenspreise, die geringere Verfügbarkeit von teureren Kredite und den sich verschlechternden Arbeitsmarkt. Das sind keine sonderlich guten Vorzeichen für das australische Wirtschaftswachstum. Deswegen ist die RBA auch so aggressiv, obwohl sich die Inflationsrate bisher beharrlich auf vergleichsweise hohem Niveau hält. Ende September lag sie bei fünf Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Juni des Jahres 2001. Inzwischen liegt der Leitzins unter der Inflationsrate. Die Zentralbank scheint davon auszugehen, dass sich der Preisauftrieb abschwächen wird. Längst rechnet man mit einer stagnierenden Wirtschaftsentwicklung in Australien. Aus diesem Grund hat die Regierung beschlossen, Pensionären, Familien und den Erstkäufern von Einfamilienhäusern öffentliche Mittel in Höhe von 10,4 Milliarden australischen Dollar zur Verfügung zu stellen.

Die australische Lage sieht jedoch nicht nur aus Binnensicht verhalten aus, sondern auch in der Außenansicht. Abgesehen von der jüngsten Verbesserung - die im wesentlichen auf überraschend starke Rohstoffexporte und eine schwache Importnachfrage zurückzuführen sein dürfte - hat das Leistungsbilanzdefizit in den vergangenen Jahren im Trend ebenso deutlich zugenommen, wie die Auslandsverbindlichkeiten zugenommen haben.

Zusammen genommen bietet der australische Dollar internationalen Anlegern in einem Umfeld, in welchem die berühmt-berüchtigten Carry Trades der vergangenen Jahre immer weiter reduziert werden, kaum Reize. Die Rendite von 3-Mmonats-Bills und zehnjähriger Staatsanleihen Australiens liegen mit 4,39 und 4,33 Prozent im internationalen Vergleich zwar noch hoch, allerdings wiegt der noch verbliebene Zinsvorteil nicht die Wechselkursrisiken auf, die für ausländische Anleger mit einem Investment in die Währung verbunden wären. So dürfte der australische Dollar bis auf weiteres eher zur Schwäche als zur Stärke neigen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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