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Ausblick Auch 2006 dürfte ein Rohstoff-Jahr werden

16.12.2005 ·  Seit Mitte 2003 boomen die Rohstoffmärkte. Auch 2006 dürfte ein gutes Jahr werden, zumindest bei den meisten Industriemetallen. Vor allem aber den sogenannten „Soft Commodities“ wird Nachholpotential zugesprochen.

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Die Wiederentdeckung der Rohstoffe gehört sicherlich zu den Top-Investment-Geschichten der vergangenen drei Jahre. Der Erfolg der Anlageklasse geht nicht zuletzt zurück auf die Enttäuschungen, die Anleger an den Aktienmärkten erlitten, besonders im Jahr 2004.

Nachdem die Aktienbörsen seinerzeit seitwärts gingen, flossen vermehrt Mittel in die gut laufenden Rohstoffe, die bereits im Spätjahr 2003 ihre Hausse begannen. Jeff Christian vom Rohstoffanalysehaus CPM Group schätz den Zufluß in rohstoffbasierte Anlagen in den vergangenen zwei Jahren auf 100 Milliarden Dollar. Dies entspräche ungefähr einer Verneunfachung gegenüber dem Ende des Jahres 2003.

Das Investitionsvolumen ist explodiert

Morgan Stanley bezifferten allein den Zufluß in Rohstoff-Indexfonds im vergangen Halbjahr auf 15 Milliarden Dollar. Bis 2010, schätzt die Investmentbank, dürfte das Volumen der Rohstoffinvestments auf 140 Milliarden Dollar anschwellen.

Bei Umwälzungen dieser Größenordnung wäre es schon vermessen, anzunehmen, daß diese keinen Einfluß auf die Rohstoffmärkte hatten. Denn die neu zufließenden Mittel müssen investiert werden. Da der überwiegende Teil der Fonds nach Trendfolgemethoden vorgeht, bedeutet dies in der Regel Käufe und damit steigende Preise an den Terminmärkten - auch entgegen fundamentaler Entwicklungen.

Alles nur eine Blase also? Das wäre zu einfach. Denn die Rohstoffhausse hat fundamentale Grundlagen. Immer wieder zitiert wird die Nachfrage der Schwellenländer, allen vorweg China und Indien, die ihren Bedarf zunehmend nicht mehr aus eigener Kraft haben decken können und die tatsächlich einen fundamentalen Faktor darstellt, der die Rohstoffmärkte antreibt und stützt.

Vorsichtiger Optimismus bei Öl...

Für das kommende Jahr ist auf dieser Seite wenig Änderung zu erwarten. Das Wachstum in China schätzt die Deutsche Bank im kommenden Jahr nach 8,5 Prozent in diesem abermals auf über acht Prozent. Für Indien geht HSBC von einer Beschleunigung des Wachstums von 6,2 auf 7,2 Prozent aus.

Indes wäre es falsch - und das war es auch schon in diesem Jahr - blind alles zu kaufen. Das zeigt allein schon die Ölpreisentwicklung in diesem Jahr, als der Aufwärtstrend Anfang September nach zusammenbrach. Öl ist sicherlich der wichtigste Rohstoff. Das zeigt allein schon seine hohe Gewichtung in einigen Rohstoff-Indizes.

Für das kommende Jahr sind die Experten zurückhaltend optimistisch. Das liegt nicht zuletzt daran, daß sie größtenteils ein Niveau für erreicht halten, bei dem die dämpfenden Effekte für die Entwicklung der Weltwirtschaft auf die Ölnachfrage durchschlagen.

Hisao Sato, Leiter des Rohölhandels bei Idemitsu Kosan, Japans zweitgrößter Raffinerie, rechnet für den überwiegenden Teil des nächsten Jahres mit einem Preis zwischen 55 Dollar und 65 Dollar je Barrel. Er sieht nach wie vor in Amerika Engpässe in der Raffineriekapazität, die Importe begünstigen. „Wenn irgend etwas passiert, wie ein Störfall, könnte der Ölpreis auf 70 Dollar steigen.“

.. aber nicht bei allen

Einen zweiten preistreibenden Faktor sieht er im Rekordpreis für Erdgas, dessen Preis aufgrund von Engpässen in der Verflüssigungstechnik seit dem Sommer mehr als verdoppelt hat. Indes sollte dieser Faktor im laufe des Jahres 2006 entfallen. James Jensen, Berater für die Flüssiggasindustrie schätzt, daß bis zum Ende des kommenden Jahres neun große Verflüssigungsanlagen in Betrieb gehen werden.

Kathleen Eisbrenner, Vorstandschefin der Gastanker-Reederei Excelerate Energy pflichtet dem bei: „Eine Reihe Verflüssigungsanlagen sind im Bau und es gibt derzeit eine Menge gestrandeten Gases auf der Welt.“

Auch die Rohstoffexperten um Arjun Murti von Goldman Sachs sehen in ihrem jüngsten Report den Ölpreis höher. Indes nicht mehr so hoch wie im März, als sie 105 Dollar prognostizierten. Im besten Fall werde der Ölpreis 2006 im Durchschnitt 68 Dollar je Barrel betragen. Auch Anlagestratege Marc Faber äußerte sich zuletzt optimistisch: „Nach 1965 ist kein einziges neues Ölfeld entdeckt worden. Ich bezweifle, ob die Steigerung des Angebots mit der erhöhten Nachfrage aus Asien Schritt halten kann.“

Andere Analysten sind weniger optimistisch. Schroders sieht einen auf 56 Dollar fallenden Ölpreis aufgrund neuer Raffineriekapazitäten und auch die National Australia Bank prognostiziert lediglich 57,50 Dollar. Kurz und gut: Bei einem aktuellen Preis von knapp unter 60 Dollar heißt das wohl für Öl: vorsichtig optimistisch in 2006.

Industriemetalle weiter im Trend

Bei den Industriemetallen ist die Stimmung differenziert. Denn auf einigen Märkten zeigen sich Gleichgewichtstendenzen, wieder andern wird eine große Zukunft prognostiziert. Kaum einen Zweifel gibt es an Zink. Schuld ist mal wieder China. Denn China scheint eher in der Lage seinen Rohstahlbedarf zu decken als seinen Rohmaterialbedarf für verzinkten Stahl. Für Blei dagegen scheint die Bergfahrt zu Ende zu gehen.

Gedreht hat sich die Lage bei Aluminium. Sollte der Markt nach Prognosen des vergangenen Sommers noch ins Gleichgewicht kommen, so erwarten di8e Analysten der australischen Macquerie Bank eine weiter angespannte Lage bei Tonerde, die den Preis stützen dürfte. Jede kleine Störung könnte ihn angesichts eines vorhandenen Defizits weiter nach oben treiben.

Interessant ist die Lage bei Kupfer. Der Markt zeigte sich in den vergangen Monaten angesichts eines schwindelerregenden Preisanstiegs hochgradig nervös. Für 2006 wird zwar ein kleiner Angebotsüberschuß erwartet - vor allem aber, weil die Nachfrage relativ schwach wächst. Indes haben in den vergangenen Monaten kleine Nachrichten über Störungen im Angebot wie der Explosion eines Schmelzofens, immer wieder den Preis getrieben. Das könnte auch im kommenden Jahr so bleiben - doch das Risiko bleibt, Kupfer ist heiß.

Edelmetalle ohne große Änderungen

Wenig Veränderung versprechen Edelmetalle. Die meisten Analysten gehen von einer schwächeren, wenngleich positiven Preisentwicklung bei Gold aus. „Tendenziell sollte die Nachfrage stark genug sein, um den Goldpreis weiter zu erhöhen“, sagt Analystin Sandra Ebner von der Dekabank. Bis Ende 2006 rechnet sie mit einem Anstieg auf 550 Dollar. Allerdings werde die Aufwärtsentwicklung volatil verlaufen.

Eugen Weinberg von der DZ Bank stimmt dem grundsätzlich zu, rechnet aber mit 600 Dollar. Hauptpreistreiber seien nach wie vor Inflationssorgen in Amerika und Europa sowie die grundsätzliche Affinität zu Goldanlagen in Schwellenländern wie Indien, deren Bevölkerung reicher wird und als Nachfrager eine immer größere Rolle spielen. An Silber scheiden sich dagegen weiter die Geister und die Märkte von Platin und Palladium warten nach wie vor auf den Durchbruch des letzteren Metalls in der Katalysatorentechnik.

Nachholbedarf bei „Soft Commodities“

Doch der große Tipp sind die „Soft Commodities“. Dabei scheint so jeder Experte seine Lieblinge zu haben. Am einigsten sind sie sich indes in den guten Aussichten für Zucker. Solange der Ölpreis nicht nachgibt, wird mehr Rohzucker zu Äthanol verarbeitet, das treibt den Preis. Und an einen wesentlich niedrigeren Ölpreis glaubt niemand so recht.

Marc Faber empfiehlt Getreide. Mais, Soja und Weizen seien sehr günstig. Allerdings fehle noch der Katalysator für einen Höhenflug. Rohstoffexperte Ron Lawson von Logic Advisors sieht den Katalysator möglicherweise im steigenden Zuckerpreis. Denn auch Mais kann zu Äthanol und Stärkezucker verarbeitet werden. Obendrein steige der Fleischkonsum in China. Dadurch steige der Bedarf an Futtermitteln wie Soja.

Das könnte wiederum auch Baumwolle helfen, wenn China die Anbaufläche zugunsten von Soja reduziere. „Die Chinesen haben entdeckt, daß sie Baumwolle kaufen, zu Garn verarbeiten und auf dem Weltmarkt verkaufen können. Oder sie kaufen Garn in der Türkei und Pakistan und machen Fasern daraus. Dazu brauchen sie nicht unbedingt Baumwolle zu produzieren. Und ihr Verbrauch wird weiter explodieren, ohne daß sie alles selbst produzieren müssen“.

Insgesamt scheinen auf Basis der Prognosen die Aussichten für die Rohstoffmärkte weitgehend gut zu sein. Dabei könnte es im bereich der „Soft Commodities“ interessant werden, wenn diese erste trendmäßige Kurssteigerungen aufweisen. Denn dann könnte es sein, daß trendfolgende Fonds auf den Zug aufspringen, die neu zufließende Mittel nicht mehr allein in rückschlaggefährdete Industrie- und Edelmetalle investieren wollen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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