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Asien China prüft Abwertung des Yuan

 ·  Ein Kurswechsel deutet sich an: Schwächt sich die Wirtschaft weiter ab, könnte Chinas Führung umschwenken und den Yuan abwerten. Auf der ganzen Welt hätte das Folgen.

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© AFP Container im Hafen von Hongkong: Verringert China den Yuan-Kurs, um den Export anzukurbeln?

In China deutet sich ein Kurswechsel an, der Anleger rund um die Welt berühren wird. Angesichts der immer stärker zu spürenden Abkühlung der Konjunktur spielt die chinesische Administration nun auch mit dem Gedanken, ihre Währung abwerten zu lassen. Eine Abwertung hat nun erstmals eine staatliche Zeitung gefordert - in China ein üblicher Versuch, Kursschwenks bekannt zu machen oder zu testen.

Die Abwertung des Yuan würde auf einen jahrelangen, auch vom Westen erzwungenen Aufwertungszyklus folgen. Damit würde die Ausfuhr in Zeiten einer schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gestützt. Am Freitag erklärte China, der Export habe im Juli nur noch ein Prozent über dem Vorjahreswert gelegen, im Juni hatte der Zuwachs noch gut 11 Prozent betragen. Auch die Industrieproduktion verlangsamt sich weiter: Nach 9,5 Prozent im Jahresvergleich im Juni lag der Anstieg im Juli noch bei 9,2 Prozent. Dies ist die schwächste Wachstumsrate seit Mai 2009. Am Export aber hängen viele chinesische Arbeitsplätze. Zeitgleich plant die kommunistische Diktatur einen Wechsel in der Staats- und Regierungsführung, und dies sind erfahrungsgemäß Zeiten, wo Peking besonders darauf achtet, das Volk mit ausreichend Arbeitsplätzen zu versorgen.

Seit Jahresbeginn 1,23 Prozent auf den Dollar verloren

So forderte das angesehene „China Securities Journal“ nun eine Abwertung auf ein „angemessenes Niveau“. Weiter heißt es: „Obwohl die Erwartung einer Abwertung des Yuan auf kurze Sicht zu Kapitalabflüssen führen könnte, wird sie hilfreich sein, wenn es darum geht, den Export zu stützen, und helfen, die Inflationsangst abzubauen.“ Auch Inflation ist für die Wachstumspolitiker ein heißes Eisen, da sie Unruhe in der Bevölkerung entfacht. Seit seiner sprunghaften Aufwertung im Sommer 2005 hat der Außenwert des Yuan gegenüber dem Dollar ständig zugelegt. 7 Prozent hat er gewonnen, seit Peking die Bandbreite gegenüber dem Dollar Mitte 2010 heraufsetzte und den Handelskorridor erweiterte.

Von offizieller Seite wurde in Peking nach dem Erscheinen des Textes darauf verwiesen, dass der Yuan gegenüber Drittwährungen wie dem Euro durchaus weiter aufwerte. Dies aber liegt in erster Linie an der Schwäche des Euro und gilt für praktisch alle asiatischen Währungen. Händler erklärten laut der Nachrichtenagentur Reuters, der Kurs der chinesischen Währung biete Raum für eine Abwertung von einem weiteren Prozent in diesem Jahr.

Chinesische Aktien so billig wie seit fünf Jahren nicht mehr

Schwenkte China in Sachen Yuan tatsächlich um, würde dies zu massiven Protesten und sich verschlechternden Beziehungen zu Amerika und Europa führen. Denn schon bislang drängte der Westen auf die Aufwertung der „künstlich niedrig gehaltenen Währung“. Gebetsmühlenartig erwiderte Peking, der Wert der chinesischen Währung werde vom Markt bestimmt. Allerdings legt die chinesische Zentralbank täglich einen Mittelkurs gegenüber dem Dollar fest, von dem aus sich der Wert des Yuan um höchstens ein Prozent ändern kann. Seit Jahresbeginn hat er 1,23 Prozent auf den Dollar verloren. Regelmäßig versuchten die Politiker Amerikas in der Vergangenheit, Punkte in der Heimat zu sammeln, indem sie China als „Währungsmanipulator“ abstempelten, der mit einem künstlich unterbewerteten Yuan jenseits des Pazifiks Arbeitsplätze zerstöre.

Eine spürbare Kursänderung in der Yuan-Politik hätte Auswirkungen auf die ganze Welt: Zwar würde das Investieren aus dem Ausland heraus in China günstiger. Doch könnten die ausländischen Konzerne in China nach einer Umrechnung in Dollar oder Euro nur noch geringere Gewinne ausweisen. Und auch Aktionäre, die im Falle chinesischer Aktien bislang von einem nahezu automatischen Wertanstieg durch einen steigenden Yuan ausgingen, müssten sich darauf verlassen, nur noch von Kursanstiegen und Dividenden profitieren zu können. Allerdings fürchten sich Analysten wie Stuart Rae von Alliance Bernstein in Hongkong davor nicht: „Die Konjunktur kühlt sich ab, aber China kollabiert nicht.“ Aus seiner Sicht sind chinesische Aktien ein Kauf, denn sie seien so billig, wie seit fünf Jahren nicht mehr. „China ist jetzt der billigste Aktienmarkt in ganz Asien.“ Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für chinesische Aktien habe im vergangenen Jahr 10 Prozent unter dem Mittelwert Asiens ohne Japan gelegen. „Derzeit sind es schon 20 Prozent“, sagt Rae. Und wenn der Kurs des Yuan wirklich zu fallen beginnt? Dann verweist Rae auf den Bedarf Pekings, die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Wohl nicht mehr durch zwei große Geldspritzen wie 2009, denn sie heizten die Inflation an. Wohl aber durch die Förderung einer Vielzahl kleinerer Projekte, etwa den Ausbau von Eisenbahn oder die Stärkung des Gesundheitswesens. Nicht Exporteure, sondern Aktien von Firmen, die ihr Geld in China verdienten, blieben interessant.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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