28.11.2008 · In Amerika haben die Renditen der Staatsanleihen Tiefststände erreicht. Der hohe staatliche Finanzierungsbedarf spricht aber dafür, dass diese Blase irgendwann Platzen wirft. Zumindest dann, wenn eine Deflation ausbleibt.
Die dreißigjährigen amerikanischen Staatsanleihen werfen inzwischen nur noch eine Rendite von 3,54 Prozent ab. Das ist so wenig wie seit 25 Jahren nicht mehr und spiegelt auf Sicht einer sehr geringe Inflationserwartung wider. Die Tatsache, dass sie im Juni 2007 noch mit 5,30 Prozent rentierten, macht deutlich, wie sehr inmitten der Kreditkrise Anleihen erstklassiger Schuldner derzeit gefragt sind.
Neben dem Bedürfnis nach Sicherheit und der Aussicht auf weiter fallende Leitzinsen steckt hinter dem Renditerückgang auch die an den Markt zurückgekehrte Angst vor dem Deflationsgespenst. Nachdem die Inflationsraten zuletzt gesunken sind und sich die Weltwirtschaft in einem schlechten Zustand befindet, wird von den Anlegern derzeit das Deflationsszenario gespielt. Und weil der Disinflationsprozess auch noch eine Weile anhalten dürfte, könnten auch die Renditen der Staatsanleihen noch etwas weiter sinken.
Deflation oder Inflation, das ist hier die Frage
Wegen der sich andeutenden Nullzinspolitik und der weltweit geschnürten riesigen Konjunkturpakete stellt sich aber die Frage, ob langfristig wirklich fallende Preise drohen. Die bankenunabhängigen Analysten von Independent Strategy erteilen der Deflationsprognose jedenfalls eine klare Absage. Sie gehen davon aus, dass die enormen Liquiditätsspritzen und die massiven Fiskalausgaben in einer Rückkehr der Inflation münden werden. Dafür sprechen auch die wachsende Bedeutung des Staates im Wirtschaftsprozess allgemein und die vermutlich steigenden Arbeitskosten. Dies wird nach ihrer Lesart dann allmählich zu einem Ende des nun schon seit 25 Jahren dauernden Bullenmarktes bei den Staatsanleihen führen.
Ganz anders sieht es dagegen bei den hochverzinsten amerikanischen Unternehmensanleihen sowie den Unternehmensanleihen von Unternehmen aus den Schwellenländern aus. Hier belaufen sich die Renditen derzeit auf 20 und 27 Prozent. Sie liegen damit deutlich über den früher als normal erachteten Niveaus. Unter dem Strich stuft der Markt aktuell die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls in diesem Segment als sehr hoch ein. Sobald erste Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung auftauchen, werden sich die Renditeaufschläge nach Einschätzung von Independent Strategy zurückbilden.
Schwierige TImingsfrage
Allerdings ist es derzeit noch sehr schwierig vorherzusagen, wann der Stimmungswandel einsetzen wird. Derzeit gehen die Marktteilnehmer nach der einfachen Rechnung vor, dass der Staat schon nicht pleite gehen wird, bei Unternehmen diese Gefahr aber besteht.
Viel wird letztlich davon abhängen, ob es wie derzeit oft erwartet, zu einer Deflation kommt oder die Inflation wieder anspringt. Die hohe weltweite Verschuldung, Globalisierungseffekte und eine sinkende Risikoneigung sprechen zwar für die Möglichkeit einer Deflation. Aber dagegen sprechen die fast weltweit von den Verantwortlichen ergriffenen Maßnahmen in Form von Zinssenkungen und Konjunkturpakete (insgesamt pumpt der Staat Mittel in das System, die ungefähr 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der OECD-Staaten ausmachen). Dieses konzertierte Vorgehen unterstreicht, dass man die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen will.
Enormer Kapitalbedarf zeichnet sich ab
Fehler wurden unter anderem in Japan gemacht. Dort sank die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen um die Jahrtausendwende in der Spitze trotz staatlicher Hilfspakete und rekordtiefer Zinsen phasenweise sogar bis auf 0,5 Prozent. Dieses Beispiel macht deutlich, dass hinter dem von Independent Strategy erwarteten Szenario noch ein Fragezeichen steht. Wenn man sich aber überlegt, was für finanzielle Lasten sich der amerikanische Staat mit den abgegebenen Garantien und Konjunkturpaketen aufgebürdet hat, dann drängt sich einfach die These auf, dass irgendwann auch noch die Blase bei den Staatsanleihen platzen wird.
Der sich abzeichnenden Anstieg der Staatsverschuldung in Amerika auf 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, was dem höchsten Stand seit 1954 entspricht, wird irgendwann seinen Tribut erfordern. Zumal 2009 vermutlich Mittel im Volumen von zwei Billionen Dollar aufgenommen werden müssen. Mit 14 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist das so viel wie noch nie. Und Europa steht dem mit 1,25 Billionen oder 10 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt nicht viel hinterher.
Deflation
Reiner Luecker (Reinerluecker)
- 29.11.2008, 01:25 Uhr
Deflation unaufhaltsam - Treasury-Zinsen im Promillebereich
Rüdiger Kalupner (Ruediger_Kalupner)
- 29.11.2008, 11:59 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |