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Anlegen in Rohstoffen Gold taugt nicht mehr zum Geldverdienen

 ·  Seit Monaten fällt der Preis für das Kriseninvestment Gold. Obwohl die Euro-Turbulenzen wachsen. Analysten erwarten bis 2015 keinen großen Preisanstieg.

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Gold schützt vor Inflation. So wird immer wieder für das Edelmetall geworben. Und es stimmt. Für eine Unze Gold (31,1 Gramm) konnte man im Alten Rom eine Toga mit Gürtel und Sandalen kaufen, das klassische Gewand. Heute bekommt man trotz aller Geldentwertung, die es seitdem gab, ungefähr das Gleiche dafür - einen guten Anzug mit Gürtel und passenden Schuhen. Denn eine Unze kostet jetzt rund 1200 Euro.

Das Edelmetall gilt als Kriseninvestment. Denn es lässt sich nicht wie normales Geld beliebig durch die Notenpresse vermehren, es hat einen realen Wert. Wenn alles gut läuft, braucht man es nicht. Aber wenn die Staaten sich enorm verschulden wie derzeit, wenn Inflation oder sogar Währungsschnitte drohen, dann ist Gold gefragt.

September 2011 ist der Goldpreis um fast 20 Prozent gefallen

Viele Anleger leiten daraus ab, dass auch der Goldpreis immer steigt, wenn sich die Turbulenzen verschärfen. In den Ölkrisen in den 70er Jahren hat das gestimmt, in den jüngsten Finanzkrisen jedoch nicht mehr. Anleger, die sich mit Gold nicht absichern, sondern vor allem Gewinne machen wollen, müssen daher umdenken.

Seit dem Rekordhoch im September 2011 ist der Goldpreis um fast 20 Prozent gefallen. Gleichzeitig eskalierte die Euro-Krise immer stärker. Im Dezember schnellten die Renditen der italienischen und spanischen Staatsanleihen hoch, jetzt vor allem die spanischen. Und sogar ein Austritt Griechenlands aus dem Euroraum wird diskutiert. Der Dax verlor seit März zeitweise 18 Prozent, doch der Goldpreis profitierte nicht: Er gab um acht Prozent nach, obwohl er erwartungsgemäß eigentlich hätte steigen müssen.

Nach fünf Jahren Krise haben sich alle Ängstlichen mit Gold eingedeckt

Eugen Weinberg, Chef der Rohstoffanalyse der Commerzbank, begründet die Kursverluste mit dem kräftigen Anstieg seit 2001: „Das war eine Übertreibung, die anschließend korrigiert wurde.“ Sein Kollege Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg weist darauf hin, dass sich nach fünf Jahren Krise alle Ängstlichen längst mit Gold eingedeckt hätten. Und Neulinge schreckt der immer noch hohe Preis ab. „Dann fehlen Anschlusskäufe - trotz einer weiteren Verschärfung der Unsicherheiten.“

Schon in der Lehman-Krise reagierte der Goldpreis ungewöhnlich. In den ersten Tagen nach dem Konkurs der Investmentbank schoss er zwar erwartungsgemäß in die Höhe. Doch dann drehte er ins Minus - mitten im Chaos. Ende Oktober 2008 hatte er acht Prozent verloren. Dabei hätte man eine kräftige Hausse erwarten müssen.

Gold ist wie ein Wertpapier jederzeit und rasch handelbar

Hierfür waren zwei andere Phänomene die Ursache. Zum einen floss in den Wochen nach der Lehman-Pleite viel Kapital in den Dollar. Denn die amerikanische Währung ist die klassische Fluchtwährung für Krisenzeiten. Dann brauchte es nicht mehr das Gold als weiteren „sicheren Hafen“. Viele Anleger schichteten also um. Zum anderen fielen nach Lehman die Preise für Aktien und Industrierohstoffe dramatisch in den Keller. Breit aufgestellte Großanleger brauchten dringend Geld, um die Verluste wettzumachen - und verkauften Gold, mit dem sie fast alle deutlich in der Gewinnzone lagen.

Dies ist nur möglich, weil Gold mittlerweile wie ein Wertpapier jederzeit und rasch handelbar ist. Früher war es ziemlich aufwendig, physisches Gold zu erwerben, zu lagern und dann wieder zu verkaufen. Entsprechend lockt der Goldmarkt auch spekulative Investoren an, die vor allem Geld verdienen wollen. Und im Notfall ihr Geld auch schnell abziehen können. Das zeigte sich in der Lehman-Krise. Während die Großen verkauften, deckten sich die Privatanleger weiter ein. Denn sie wollten Gold vor allem zur Absicherung.

Preisrutsch scheint weitestgehend beendet

Und was bedeuten diese Erkenntnisse nun für das Depot? Wer Gold vor allem zum Geldverdienen kauft, muss vorsichtig sein. Zwar scheint der Preisrutsch weitestgehend beendet. Denn spekulative Anleger sind kaum mehr in Gold investiert. Und die Nachfrage bleibt hoch. Notenbanken aus den Schwellenländern, etwa aus China, Russland oder Mexiko, kaufen Gold. Dahinter steckt der Wunsch, die eigenen Devisenreserven breiter zu streuen. Die physische Nachfrage, vor allem aus Indien und China, die noch etwa 60 Prozent der Gesamtnachfrage ausmacht, stagniert allerdings konjunkturbedingt. Und das Angebot steigt - durch mehr Förderung und mehr Recycling. Analysten erwarten daher bis 2015 keinen großen Preisanstieg.

Das gilt freilich nur, wenn die Euro-Krise nicht völlig eskaliert und der Euro auseinanderbricht. Oder die Inflation massiv steigt. Für solche Extreme ist Gold nämlich noch immer der beste Schutz. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, kann also weiter Gold kaufen - ob der Preis steigt oder nicht.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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