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Anlagestrategie Yen-Volatilitäten am kurzen Ende sehr hoch

11.07.2007 ·  Sah es noch bis vor kurzem so aus, als ob sich an den internationalen Finanzmärkten die Trends der vergangenen Jahre fortsetzen würden, so hat sich das inzwischen deutlich geändert. Die „Carry Trader“ werden wieder einmal verunsichert.

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Sah es noch bis vor kurzem so aus, als ob sich an den internationalen Finanzmärkten die Trends der vergangenen Jahre bei niedrigen Volatilitäten fortsetzen würden, so hat sich das inzwischen kurzfristig verändert. Die Volatilität hat deutlich zugenommen.

Das zeigt sich nicht nur am VDax New, der in den vergangenen Monaten im Trend auf zuletzt 21,41 Prozent nach oben gelaufen ist, sondern auch an der Volatilität des Bund-Futures, die deutlich angesprungen ist. Und vor allem auch an den hohen Volatilitäten am kurzen Ende der Zeitskala desDevisen-Terminmarktes.

Yen-Volatilitäten am kurzen Ende sehr hoch

So liegt die Volatilität von Dollar-Yen im Tagesbereich in Abhängigkeit vom Delta zwischen 13,8 und knapp 18 Prozent, während sie bei längeren Laufzeiten deutlich tiefer liegt und erst am ganz langen Ende - bei Laufzeiten von mehreren Jahren - wieder deutlich zunimmt. Angesichts der Kursbewegungen der vergangenen Tage an den verschiedenen Märkten dürfte das Anziehen der Volatilitäten kaum überraschen.

Denn nicht nur an den Börsen wurde es etwas turbulenter als zuvor, sondern auch die Rentenmärkte vollführten wahre Kurssprünge. Nach massiven Kursverlusten noch in der vergangenen Woche legte der September-Kontrakt des Bund-Futures alleine am Dienstag und am Mittwoch im frühen Handel um mehr als einen Prozentpunkt auf zuletzt 111,11 Prozent zu.

Solche Kursbewegungen lassen sich ebenfalls am Devisenmarkt ausmachen. Während der Euro am Dienstag gegen den amerikanischen Dollar neue Rekordhochs verbuchte, geriet die amerikanische Währung auch gegen den noch bis vor kurzem deutlich stärker schwächelnden Yen ins Hintertreffen. In den vergangenen beiden Tagen fiel der Kurs von 123,68 auf zuletzt 121,35 Yen je Dollar. Damit ist der Yen durch den kurzfristigen Abwertungstrend gebrochen, den die japanische Währung Anfang März nach einer ähnlich starken Zwischenerholung etabliert hatte.

Problemkind Konsum in Amerika

Die Kursbewegungen gehen auf Unsicherheiten zurück, die wieder einmal von der Immobilienkrise am amerikanischen Immobilienmarkt ausgehen. Entgegen optimistischer Erwartungen scheint sie noch lange nicht ausgestanden zu sein. Denn die so genannten Subprime-Kredite, die in den Boomjahren massenweise und oft ungeprüft an Kreditnehmer ausgegeben wurden, die sie sich eigentlich nicht leisten können und die aufgrund steigender Zinsen und fallender Hauspreis immer öfter zahlungsunfähig werden, werden immer weniger wert. Das macht sich immer deutlicher bei Anlegern bemerkbar, die sich solche Kredite direkt oder indirekt - über verschiedenste Derivate - nicht selten im Vertrauen auf gute Ratings ins Depot gelegt haben.

Inzwischen scheint sich die Krise und die dadurch ausgelöste Verschärfung der Kriterien für die Kreditvergabe auch bei den stark auf Pump lebenden amerikanischen Konsumenten bemerkbar zu machen. Nicht nur die Immobilien- und Hausbauunternehmen haben mit stark fallenden Umsätzen und Verlusten zu kämpfen, sondern zunehmend enttäuscht auch die Entwicklung bei Einzelhandelsunternehmen. Umsatz- und Gewinnwarnungen bei Home Depot und bei Sears sprechen für sich.

Sollten sich diese Tendenzen verstärken, dürften sie den noch bis vor kurzem dominierenden Wirtschaftsoptimismus unterminieren. Denn bisher hing nicht nur die amerikanische, sondern indirekt auch ein großer Teil der Weltwirtschaft vom amerikanischen Konsum ab. Sollte die Nachfrage aus Amerika nachlassen - der schwache Dollar dürfte sie kaum beflügeln -, so dürfte sich das auch in Asien bemerkbar machen.

Zunehmende Volatilitäten verunsichern „Carry Trader“

Aus diesem Grund können die so genannten Carry Trades gefährdet werden, die in den vergangenen Jahren Währungen von Staaten mit niedrigen Zinsen unter Druck gebracht hatten. So wurden Gelder aus der Schweiz oder Japan in andere Währungsräume transferiert, um dort höhere Renditen zu erzielen. Solche Strategien gehen jedoch nur dann auf, wenn die Finanzierungswährung nicht aufwertet und in den Anlageregionen auch einigermaßen verlässlich überdurchschnittliche Renditen erzielbar sind.

Genau das dürfte jedoch nicht mehr gesichert sein, sollte die amerikanische Wirtschaft schwach bleiben oder gar in eine Rezession fallen. Sie kann bislang risikofreudige Anleger dazu verleiten, Risiken zu reduzieren und die investierten Mittel zurückzuholen. In diesem Falle könnten die bisher schwachen Währungen deutlich aufwerten, während bisher starke an Wert verlieren mögen. In Ansätzen sind solche Tendenzen gegenwärtig wieder einmal erkennbar.

In den vergangenen Jahren wurden sie allerdings immer wieder durch neu aufkommenden Konjunkturoptimismus gekontert und trieben Währungsrelationen wie Euro-Yen auf immer neue Höhen. Das ist auch diesmal nicht auszuschließen. Allerdings dürfte es ratsam sein, sich nicht zu sehr darauf zu verlassen. Denn die internationalen Ungleichgewichte - in Form von starken Leitungsbilanzdefiziten oder - überschüssen und den damit verbundenen Währungsreserven - werden immer größer. Und entsprechend groß werden notwendige Korrekturbewegungen.

Wann sie kommen werden, ist kaum zu prognostizieren. Sicher ist jedoch, dass sie kommen werden - und zwar unanhängig von irgendwelchen Zinsdifferenzen, auf die sich die Märkte in einem optimistischen Umfeld mit hohem Risikoappetit gerne kaprizieren. Die Vergangenheit zeigt, dass nur ein lockerer Zusammenhang zwischen den Zinsdifferenzen und beispielsweise der Entwicklung zwischen Dollar und Yen bestehen.

Gleichzeitig ist klar, dass sich das Umfeld in den vergangenen Monaten deutlich verändert hat. Das zeigt sich sowohl an den restriktiveren Kreditvergabepraxis in den Vereinigten Staaten ebenso, wie an den höheren Zinsen, den hohen Energie- und Rohstoffpreisen und nicht zuletzt am immer rascher aufwertenden Yuan. Aus diesem Grund dürfte es sicherlich nicht schaden, sich auf volatilere Zeiten einzustellen. Gerade an Devisenmarkt scheinen das gegenwärtig viele zu tun, im sie Terminkontrakte auf den Yen kaufen. Aufgrund der Zinsdifferenz ist das allerdings teuer und wird sie immer wieder rasch dazu verleiten, solche Positionen wieder aufzulösen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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