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Analyst Olivier Jakob im Gespräch „Das Ölembargo kommt zum falschen Zeitpunkt“

 ·  Die EU will einen Importstopp für iranisches Öl durchsetzen. Das wird auch Volkswirtschaften in Europa treffen. Warum mit steigenden Benzinpreisen zu rechnen ist und ob Sanktionen überhaupt lohnen.

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Herr Jakob, die Europäische Union (EU) will wegen des Atomstreits mit Iran in den kommenden Tagen einen Importstopp für iranisches Öl beschließen. Welche Folgen hat das?

Das Embargo wird kommen, es ist auch ein starkes politisches Signal. Doch es wird Schlupflöcher geben. Manche Länder werden bestimmt Übergangsfristen durchsetzen, so dass sie weiterhin iranisches Öl erhalten können. Etwa 4,5 Prozent der gesamten EU-Ölimporte kommen aus Iran. Europa ist aber ein wichtiger Kunde für Iran. Denn rund 18 Prozent der iranischen Ölexporte gehen in die Europäische Union, 20 Prozent nach China.

Kann Europa es verschmerzen, wenn Irans Öl ausbleibt?

Das Ölembargo kommt zum falschen Zeitpunkt. Die Konsumenten in Europa zahlen schon Rekordpreise für Benzin und Diesel. Ein Embargo sorgt für weiteren Preisdruck, es sind also schlechte Nachrichten für Verbraucher in Europa. Der Streit mit Iran und die Drohung, die Ölroute im Persischen Golf zu schließen, hat die Ölpreise getrieben. Nun macht auch der schwächere Eurokurs das Öl in Europa teurer, weil der Rohstoff in Dollar gehandelt wird. Kein Wunder, dass es Stimmen in der Europäischen Union gibt, das Embargo zu verschieben. In sechs Monaten könnten die Preise niedriger sein, es wären also bessere Zeiten für ein Embargo.

Welche EU-Länder wären besonders betroffen von einem Importstopp?

Das ist allen voran Griechenland. Das Land hat zuletzt rund 60 Prozent seines Öls aus Iran erhalten. Wegen der Schuldenkrise ist der Ölhandel mit anderen Lieferanten schwierig für Griechenland geworden. Viele Ölhändler zögern, mit griechischen Raffinerien Geschäfte zu machen. Auch Italien und Spanien wären betroffen, sie hätten mit höheren Kosten zu rechnen. Allerdings ist Italiens Lage weniger dramatisch. Das Land wird wohl Ausnahmen von einem Embargo durchsetzen, so dass Iran weiter Öl liefern kann, um seine Schulden zu bezahlen.

Und Deutschland?

Deutschland erhält nur minimale Mengen iranischen Öls. Auch Großbritannien, die Niederlande und Frankreich müssen sich nicht sorgen. Es ist nicht überraschend, dass sie das Embargo unterstützen. Solche Sanktionen funktionieren aber nur, wenn sich etwa über die Vereinten Nationen alle Länder beteiligen.

Wer wird nicht mitmachen?

Amerika erhöht zwar den Druck auf Iran und drängt Länder wie Japan, weniger iranisches Öl abzunehmen. Aber China will trotz eines EU-Embargos weiter iranisches Öl kaufen – zu einem reduzierten Preis. China füllt seine strategischen Ölreserven auf. Auch indische Raffinieren sind auf iranisches Öl angewiesen, da sie auf diese Ölsorte ausgelegt sind und sehr profitabel arbeiten. Müssten sie Alternativen suchen, stiegen die Kosten.

Kann Saudi-Arabien nicht Irans Lieferungen übernehmen?

Saudi-Arabiens Produktion ist schon auf einem hohen Niveau, es sind 10 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag. Eigentlich wollte das Land weniger liefern, nachdem der Bürgerkrieg in Libyen zu Ende ist und wieder mehr libysches Öl auf den Markt kommt. Außerdem will Saudi-Arabien Iran nicht zu viel Marktanteile abnehmen, das schadet nur den Beziehungen der Länder. Saudi-Arabien ist der führende Anbieter der Opec und der größte Ölexporteur der Welt. Es kann den Ölmarkt regulieren, indem es mehr oder weniger Öl produziert und exportiert. Es wird schwierig für Raffinerien, wenn sie sich noch mehr von Saudi-Arabien abhängig machen.

Wird Iran die wichtige Ölroute, die Meerenge von Hormus, blockieren?

Es ist unwahrscheinlich, dass es dazu kommt. Trotzdem hat die Drohung die Ölpreise steigen lassen. Wenn ein Embargo zu erfolgreich ist und Iran schwer belastet, dann könnte Iran zu drastischen Mitteln greifen. Allerdings würden die Vereinigten Staaten eine Sperrung der Ölroute nicht dulden. 20 Prozent des täglichen Ölverbrauchs auf der Welt werden mit Tankschiffen durch die Straße von Hormus transportiert. Der Ölmarkt ist also auf diesen Weg angewiesen.

Wie werden sich die Ölpreise weiter entwickeln?

Mit Blick auf die Fundamentaldaten, also Angebot und Nachfrage, müssten die Preise normalerweise sinken – zumal in den Vereinigten Staten und in Europa der Ölverbrauch nachgibt. Doch die Furcht vor einer Eskalation mit Iran hält die Preise hoch, auch wenn es zuletzt Anzeichen der Entspannung gegeben hat. So haben die Vereinigten Staaten einen von drei Flugzeugträgern aus der Golf-Region abgezogen. Die spekulativ orientierten Finanzanleger aber sind so positioniert, dass sie mit steigenden Ölpreisen rechnen.

Das Gespräch führte Tim Höfinghoff.

Quelle: F.A.Z.
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