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Geldpolitik : Amerika, der Wechselkursmanipulator

Trump, Abe und der Yen: Die Kämpen und ihr Zankapfel Bild: Reuters

Donald Trump beschuldigt neben Deutschland und China auch Japan des Wechselkursdumpings. Dabei sind vor allem die Amerikaner keine Waisenknaben.

          Ein Thema treibt den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump besonders um: Die angeblich unfairen Handelspraktiken Japans, Chinas und – Deutschlands. In der Trumpschen Diktion haben die Vereinigten Staaten dadurch wirtschaftlichen Schaden erlitten, dass diese Ländern mittels ihrer lockeren Geldpolitik ihre Währungen abgewertet hätten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Richard Koo, Chefökonom des japanischen „Think-Tanks“ Nomura ist da ganz anderer Ansicht. Folgt man seiner Analyse, so handelt es sich sogar um einen klassischen Fall von einem, der im Glashaus mit Steinen wirft.

          Die ersten Länder, die eine Lockerung der Geldpolitik genutzt haben, um im Gefolge der Finanzkrise 2008 ihre Währungen abzuwerten, seien vielmehr Amerika und Großbritannien gewesen, die beiden Länder, die im Zentrum der Krise standen.

          Die quantitative Lockerung in nie zuvor gesehenem Ausmaß habe die Kurse ihrer Währungen etwa gegenüber dem japanischen Yen auf Rekordtiefs fallen lassen. Um fast 40 Prozent gab der Dollarkurs nach. Wurden im Juni 2007 noch mehr als 123 Yen für den Dollar bezahlt, waren es Anfang 2012 nur noch rund 76. Noch stärker fiel das Pfund. Dafür wurden im Juli 2007 noch mehr als 250 Yen bezahlt, im September 2011 mit 117 Yen noch nicht einmal halb so viel.

          Für die großen amerikanischen Produzenten wie General Motors und Chrysler sei das ein regelrechtes Doping gewesen, und einer der wichtigsten Gründe warum die am Rande der pleite stehenden Unternehmen dann doch überlebten.

          Zwar begann die massive Ausweitung der Bilanzsumme der amerikanischen Notenbank erst im September 2008, während der Dollar schon seit Juni 2007 abwertete, weil die amerikanische Konjunktur und der Immobilienmarkt zunehmend schlechter liefen. Die Abwertungstendenz fand allerdings erst dann ein Ende, als die Bank of Japan ihrerseits ihre Geldpolitik ab 2013 deutlich lockerte.

          Wer pfuscht hier am Wechselkurs?
          Wer pfuscht hier am Wechselkurs? : Bild: FAZ.NET; Daten: Bloomberg, Federal Reserve, Bank of Japan

          Die Abwertung des Dollars sei seinerzeit ein heftiger Schlag für  die japanischen Produzenten gewesen, schreibt Koo. Der Einbruch der Produktion um 30 Prozent im Gefolge der Finanzkrise sei erheblich größer gewesen als in den Vereinigten Staaten und Großbritannien mit rund 10 Prozent.

          Dennoch habe die japanische Zentralbank damals abgelehnt die Maßnahmen zu ergreifen, für die Trump sie heute kritisiere und die die Vereinigten Staaten und Großbritannien längst ergriffen hatten. Grund sei gewesen, dass Japan als Land mit einem Leistungsbilanzüberschuss nicht denselben Fehler machen wollte wie Amerika in den Dreißiger Jahren, schreibt Koo, nämlich seine Währung ebenfalls zu schwächen.

          Auch China habe damals einen großen Beitrag zur Rettung der Weltwirtschaft geleistet, weil es das einzige Land gewesen sei, das seine Importe erhöht habe, namentlich zwischen 2009 und 2013 verdoppelt. Zudem weist Koo darauf hin, dass China zuletzt eine Billion Dollar ausgeben habe, um die Landeswährung Yuan zu stützen und nicht, um diese zu schwächen.

          Dollarstärke ist kein Handelsproblem

          Die Stärkephasen des Dollars trotz hoher Leistungsbilanzdefizite sei vielmehr dadurch zu erklären, dass konjunkturell bedingte höhere Zinsen mehr Kapital in die Vereinigten Staaten fließen ließen. Man konnte sich etwa günstig in Yen verschulden und in Dollar anlegen (sogenannter Carry-Trade). Das taten nicht nur Investmentbanken, sondern auch einfache Bürger Japans oder anderer Länder. Damit aber verloren die Devisenmärkte im Zuge der Deregulierung des internationalen Kapitalverkehrs seit Beginn der Achtziger Jahre ihre ursprüngliche Funktion, Handelsbilanzdefizite auszugleichen.

          Mit dem internationalen Handel mache Trump nun den Falschen für diese Entwicklung verantwortlich. Da eine Re-Regulierung des Kapitalverkehrs zwar nicht unmöglich, aber doch sehr schwierig sei, rechnet Koo damit, dass Trump in den kommenden Monaten versuchen werde, den Dollar herunterzureden.

          Quelle: FAZ.NET

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