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Die Rolle des Dollars : Monetäre Supermacht

Neben dem Dollar existiert mit dem Euro nur eine weitere internationale Ankerwährung von Bedeutung. Bild: dpa

Der Dollar wird in der Welt wichtiger. Die Vereinigten Staaten definieren die Rahmenbedingungen für Kapitalanleger und Kreditnehmer rund um den Globus.

          Seit mehreren Jahrzehnten kursiert in der Finanzwelt die These, eigentlich müsse der Dollar als inoffizielle Weltwährung an Bedeutung verlieren. Denn spätestens mit dem wirtschaftlichen Aufstieg von Schwellenländern wie China und Indien geht der Anteil der Vereinigten Staaten am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Welt spürbar zurück. Gleichzeitig nimmt die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten von Jahr zu Jahr zu - eine Tendenz, die schon vor langer Zeit den amerikanischen Ökonomen Larry Summers zu der Feststellung veranlasste, irgendwie wirke es „seltsam, dass die größte Macht der Welt auch der größte Schuldner der Welt“ sei. Immer wieder sah man die führende Stellung des Dollars herausgefordert: in den achtziger Jahren durch das damals wirtschaftlich besonders potent erscheinende Japan, danach durch den Euro als Gemeinschaftswährung eines den Vereinigten Staaten wirtschaftlich annähernd entsprechenden Verbundes von Ländern und heute durch den Yuan (Renminbi) der aufstrebenden Volksrepublik China.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Ein nüchterner Blick auf die Zahlen zeigt indessen: Die Hoffnungen auf eine Entthronung des Dollars haben bisher getrogen. Im Gegenteil wirkt der Dollar heute so mächtig wie in seinen besten Zeiten. Die maßgeblich durch die US-Notenbank Fed, die amerikanische Regierung und die amerikanische Finanzbranche definierten finanziellen Rahmenbedingungen beeinflussen direkt oder indirekt die Entscheidungen von Anlegern und Kreditnehmern rund um die Welt.

          Die Bedeutung des „Dollar-Blocks“

          Unmittelbar ist der finanzielle Einfluss der Amerikaner spürbar in Ländern, die ihre Währung an den Dollar gekoppelt haben. Hier sind die Ökonomen Ethan Ilzetski, Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff in einer aktuellen Arbeit zu dem Schluss gekommen, dass die Welt heute in dieser Hinsicht nicht sehr viel anders ist als im ersten Vierteljahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Dollar die Ankerwährung im weltumspannenden Festkurssystem von Bretton Woods war.

          Dieses Weltwährungssystem ist längst kollabiert, aber immer noch binden viele Länder ihre Währung entweder offiziell an den Dollar, oder sie orientieren sich in ihrer praktischen Geldpolitik am Wechselkurs, ohne ein offizielles Wechselkursziel zu nennen und dieses sklavisch zu verteidigen. Dies gilt zum Beispiel für Japan und für China. Die Bedeutung dieses „Dollar-Blocks“ hat, gemessen am Anteil dieser Länder am Welt-BIP, im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zugenommen, weil sich unter ihnen viele rasch wachsende Schwellenländer befinden.

          Die Geldpolitik dieser Länder hängt stark an der Fed, aber der Einfluss der Fed reicht weit über die Beeinflussung anderer Notenbanken heraus. Der Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Hyun Song Shin, hat in einer Reihe von Arbeiten gezeigt, dass der Wechselkurs des Dollars wie ein „Angst-Index“ wirkt. Niedrige Zinsen und ein zur Schwäche neigender Dollar beflügeln die in Schwellenländern begebenen Dollar-Kredite und Dollar-Unternehmensanleihen, während ein zur Stärke neigender Dollar dort die Finanzierungsbedingungen verschlechtert.

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