06.11.2008 · Der Devisenmarkt ist nervös. Die Zentralbanken verstärken mit ihrem Leitzinsaktivismus die Kursschwankungen, die aufgrund der Finanzmarktturbulenzen der vergangenen Monate schon ausgeprägt genug waren.
An den Finanzmärkten haben sich die Verhältnisse in den vergangnen Monaten dramatisch verändert. Auch am Devisenmarkt. Konnten Anleger im Rahmen der Kredit getriebenen Euphorie lange Zeit immer wieder etablierte Trends „spielen“, so ist es damit vorbei.
Hat die Wirtschafts- und Kreditkrise alleine schon durch die ausgelösten Positionsanpassungen zu Turbulenzen geführt und die Volatilitäten steigen lassen, indem sie bei niedrig verzinslichen Währungen wie dem Yen, dem Schweizer Franken und auch dem amerikanischen Dollar zu einer raschen und starken Aufwertungsbewegung führten, so wird diese Hektik inzwischen noch überlagert durch den Aktionismus der internationalen Zentralbanken.
Zentralbanken weltweit neigen zum Aktionismus
In den vergangenen Monaten hat nicht nur die amerikanische Zentralbank den Leitzins von 5,25 auf zuletzt noch ein Prozent gesenkt, sondern inzwischen haben sich der Bewegung auch viele andere Zentralbanken weltweit angeschlossen. Am Donnerstag kam es in Europa zu einem wahren Zinssenkungsreigen: Die Bank of England senkte den Leitzins in einem massiven Schritt von 4,5 auf drei Prozent, die Schweizer Nationalbank nahm ihren Leitzins überraschend um einen halben Prozentpunkt nach unten auf zwei Prozent und die europäische Zentralbank entsprach den Erwartungen, indem sie den Zins von 3,75 auf 3,25 Prozent senkte.
Auf diese Weise reagieren sie auf die schwache globale Wirtschaftsentwicklung. Die Finanzkrise zwingt die Weltkonjunktur nach der neuesten Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Jahr 2009 in die Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt der Industriestaaten werde zusammengenommen auf Jahresbasis um 0,3 Prozent schrumpfen - das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit einer Erholung sei erst Ende 2009 zu rechnen, heißt es weiter.
Diese Entwicklung ließ sich mit Blick auf vorlaufende Indikatoren schon länger abschätzen. Sie führte zusammen mit der Kreditkontraktion schon in den vergangenen Monaten dazu, dass die spekulative Luft aus den Energie- und Rohstoffmärkten entwich. Auf diese Weise schwinde zusammen mit Basiseffekten die inflationären Impulse rasch dahin. Sie geben den Zentralbanken den Zinssenkungsspielraum, den sie nun zunehmend ausnutzen um die Finanzmärkte zu beruhigen und den wirtschaftlichen Abschwung zu bremsen.
Volatilitäten nehmen zu - Zinsabstand zum Yen schwindet zusehends
Ob tiefe Zinsen angesichts der weit verbreiteten Bonitätsprobleme etwas bringen, mag bezweifelt werden. Sie dürften zumindest nicht schaden, so lange in der internationalen eher deflationäre als inflationäre Phänomene zu beobachten sind. Die Börsen reagierten am Donnerstag auf die Zinssenkungen nur kurz positiv. Am Devisenmarkt hält sich die Wirkung zumindest bei den europäischen Kernwährungen in Grenzen, da sie sich gegenseitig weitgehend aufheben.
Dagegen scheint der Yen nach den Korrekturen der vergangenen Tage wieder unter Aufwertungsdruck zu geraten. Das lässt sich einfach erklären. Denn erstens führen die hohen Volatilitäten dazu, dass weitere Risikopositionen abgebaut werden. Das gilt auch für die so genannten Carry Trades. Zweitens verringert sich mit den Zinssenkungen in Europa der Zinsnachteil der amerikanischen und der japanischen Währung immer weiter. Auf diese Weise verändert sich die relative Attraktivität, nachdem niedrige Zinsen den Yen in den vergangenen Jahren gegen den Euro und gegen Hochzinswährungen hatten im Trend abwerten lassen.
Auf diese Weise werden zumindest in Ansätzen kompetitive Ungleichgewichte bereinigt, die in den vergangenen Jahren aufgrund der Zinsdifferenz zu starken, aber aus der Realwirtschaft nicht ableitbaren, Währungstrend geführt hatten.
„Am Devisenmarkt herrscht das Gesetz der Willkür“, sagte Devisenexperte Uwe Janz vom Bankhaus M.M. Warburg & CO. Die konjunkturelle Unsicherheit übertrage sich immer mehr auf den Devisenmarkt. Die „extremen“ Kursschwankungen sorgten bei Profi-Händlern für Zurückhaltung. Die Kursentwicklung sei „sehr, sehr sprunghaft“ und erfolge ohne wirklichen fundamentalen Grund.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |