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Sonntag, 12. Februar 2012
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Aktienbörsen Düstere Prognosen werden ignoriert

19.04.2009 ·  Die Konjunkturdaten bleiben düster. Doch die Anleger an den Aktien- und Rohstoffbörsen hoffen auf eine baldige Wende zum Besseren. Kritiker fürchten dagegen die negative Wirkung der Banken: Diese haben bisher auf „kreativer Buchführung“ gesetzt.

Von Benedikt Fehr
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Die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für den weiteren Verlauf der größten Krise seit der Depression in den 1990er Jahren sind ziemlich düster, aber die Investoren an den Aktienmärkten setzen auf eine baldige Erholung. Jedenfalls hat sich die Rally an den Aktienbörsen rund um den Globus auch in der Woche nach Ostern fortgesetzt. Vor allem die überraschend guten Quartalsergebnisse einiger amerikanischer Großbanken sorgten für Zuversicht. Skeptiker unken, dass gerade die Banken demnächst wieder für Ernüchterung sorgen dürften.

Nach der jüngst veröffentlichten Analyse des IWF dürfte die globale Rezession aufgrund des Zusammentreffens von Finanz- und Wirtschaftskrise ungewöhnlich schwer und lange ausfallen; zudem sei nur mit einer schleppenden Erholung zu rechnen.

Zahl der Baubeginne in Amerika gesunken

Einige der neuen Konjunkturdaten lassen sich so deuten: So war die europäische Industrieproduktion im Februar um 18 Prozent geringer als ein Jahr zuvor, in den Vereinigten Staaten lag sie im März um 13 Prozent niedriger. Das hat die Kapazitätsauslastung in Europa im ersten Quartal auf den langjährigen Tiefstand von 75 Prozent fallen lassen; in den Vereinigten Staaten ist sie sogar auf 69,3 Prozent abgesackt, den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1967. Spielraum für Preiserhöhungen haben die Unternehmen damit kaum, eher im Gegenteil. Das wiederum dürfte die Gewinne belasten.

Zu den negativen Nachrichten zählt auch, dass die Zahl der Baubeginne in den Vereinigen Staaten zuletzt wieder ab-, die Zahl der Zwangsversteigerungen hingegen zugenommen hat. Weiter geht die Ratingagentur S&P nun davon aus, dass nicht weniger als 29 Prozent der von ihr als spekulativ eingestuften 765 europäischen Unternehmen bis Ende 2010 Insolvenz anmelden werden.

Die Ratingagentur Fitch wiederum hat vor dem Risiko beträchtlicher Kreditausfälle in Osteuropa gewarnt. Und in Detroit mehrten sich am Freitag die Anzeichen für eine Insolvenz des großen Autokonzerns GM.

Börsen wurden „über Gebühr abgestraft“

Die Anleger an den Aktienmärkten haben alles dies Beiseite gewischt. Sie spekulierten darauf, dass die großen Konjunkturprogramme, die Regierungen rund um den Globus aufgelegt haben, demnächst einen starken Aufschwung auslösen werden.

Vor allem aber sorgte für Zuversicht, dass mehrere amerikanische Großbanken gute Quartalsergebnisse vorgelegt haben. Das ließ die Hoffnungen auf ähnlich gute Ergebnisse anderer Unternehmen, insbesondere der Banken, wachsen. So ist der Index für europäische Bankaktien allein in der vergangenen Woche um 17 Prozent gestiegen. Der deutsche Leitindex Dax kletterte in den jüngsten fünf Börsentagen um satte 7,3 Prozent; mit 4677 Punkten liegt er inzwischen 30 Prozent über seinem Tief vom 6. März.

Im Vergleich zum Jahresbeginn liegt der Dax aber immer noch 3 Prozent im Minus. Ähnliches gilt für die Börsenbarometer in Wall Street, Tokio, Zürich, Paris und London. Völlig anders sieht die Entwicklung in den Schwellenländern aus. So liegt der Leitindex in Indien seit Jahresbeginn 14 Prozent im Plus, in Korea 18 Prozent, in Brasilien 22 Prozent und in Taiwan 25 Prozent. In China beträgt der Anstieg 38 Prozent, in Moskau sogar 51 Prozent.

Für Fachleute erklären sich diese Haussen teils damit, dass diese Börsen zuvor über Gebühr „abgestraft“ worden seien. Zudem fließt offenbar Kapital an diese Märkte zurück, weil Anleger darauf setzen, dass die Konjunkturprogramme vor allem in den konsumstarken Schwellenländern die Wirtschaft auf Touren bringen werden.

Zudem haben einige dieser Börsen vom Anstieg der Rohstoffpreise profitiert: Mit zuletzt rund 50 Dollar für das Barrel liegt der Preis für Rohöl um 36 Prozent über seinem zyklischen Tief; der Preis für Mais hat seit seinem Tief 23 Prozent zugelegt, der für Baumwolle 27 Prozent.

Anstieg des Kupferpreises wegen chinesischer Käufe

Optimisten werten auch dies als Vorboten eines starken Aufschwungs. Doch gibt es auch eine andere Erklärung: So führen Händler den besonders auffälligen Anstieg des Kupferpreises, der seit Jahresbeginn um 50 Prozent gestiegen ist, vor allem auf chinesische Käufe zurück.

Daran wiederum machen sich Spekulationen fest, dass China einen Schwenk in seiner Währungspolitik vollziehen könnte: Statt die im Export erlösten Dollar wie gehabt am amerikanischen Kapitalmarkt anzulegen, erwirbt China demnach mit den Dollar Rohstoffe und legt diese auf Lager.

China würde sich so die niedrigen Rohstoffpreise zunutze machen; gleichzeitig wäre dies eine Alternative zur Anlage der erlösten Dollar in äußerst niedrig verzinsten amerikanischen Staatspapieren - und würde zudem dem Risiko einer Dollar-Abwertung begegnen.

Banken haben von „kreativer Buchführung“ profitiert

Für die Skeptiker sind die jüngsten Kursgewinne freilich nur eine Zwischenerholung in einem langfristigen Abwärtstrend. Gerade von den Banken drohe weiteres Ungemach, unken sie. Die Stunde der Wahrheit werde möglicherweise schon in dieser Woche schlagen, wenn Bundesregierung, Bundesbank, Bankaufsicht und Bankenrettungsfonds Soffin unter dem Stichwort „Bad Banks“ über die langfristige Sanierung der deutschen Kreditwirtschaft beraten.

Im Raum stehen - von offizieller Seite unbestätigte - Schätzungen, dass die Verluste 200 Milliarden Euro betragen könnten, ja womöglich sogar 500 oder 600 Milliarden Euro. Für die öffentlichen Haushalte, welche die Verluste letztlich wohl größtenteils schultern müssten, wäre dies ein Desaster.

Mit ähnlichem Bangen sehen Fachleute auf die amerikanischen Banken. Die guten Handelsergebnisse erklärten sich vor allem damit, dass der Dollar-Leitzins praktisch bei null liege, mäkeln Skeptiker; die Zinsstrukturkurve sei damit so steil wie schon seit Jahren nicht mehr, was eine lukrative Fristentransformation ermögliche. Abgesehen davon hätten einige Banken im ersten Quartal von „kreativer Buchführung“ profitiert.

Die Stunde der Wahrheit schlage hier mit der Veröffentlichung der Stresstests, welche die amerikanische Regierung den größten Banken des Landes verordnet hat. Nach Schätzungen von Skeptikern könnten Amerikas Finanzhäuser noch 1.500 Milliarden Dollar an frischem Kapital benötigen - ebenfalls größtenteils vom Staat, sprich dem Steuerzahler.

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