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Aktien der Ölkonzerne Steigende Rohstoffpreise locken Anleger

18.06.2009 ·  Mit dem rasanten Anstieg der Notierungen rücken Ölaktien in den Blick. Sie gelten als sichere Bank. Doch Vorsicht: Manche Konzerne finanzieren die Dividenden, die sie zahlen, auf Kredit. Das irritiert viele Analysten.

Von Tim Höfinghoff
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Was waren das für turbulente Zeiten: Im vergangenen Jahr erlebte der Ölpreis einen Höhenflug und stieg auf 147 Dollar je Barrel (159 Liter). Dementsprechend kletterten auch die Gewinne der Ölkonzerne immer weiter. Mit der Finanzkrise und dem globalen Wirtschaftsabschwung sank jedoch nicht nur der Ölpreis bis auf rund 32 Dollar. Auch die Gewinne der Unternehmen sanken deutlich.

Mittlerweile hat sich der Ölpreis erholt. Er legte seit Jahresbeginn um knapp 100 Prozent zu und notiert nun um die Marke von 70 Dollar je Barrel. Dieser rasante Preisanstieg hat aber weniger mit einem globalen Wirtschaftsaufschwung und einer besonders stark wachsenden Ölnachfrage zu tun, sondern auch damit, dass Spekulanten im Ölgeschäft kräftig mitmischen und die Preise treiben. Der Chef des weltgrößten Ölkonzerns, Exxon-Mobil, Rex Tillerson, warnt: "Die Nachfrage hat sich noch nicht erholt."

Dennoch: Die Ölkonzerne rücken wieder in den Blickpunkt der Anleger. Dabei geht es vor allem um die großen Unternehmen wie Exxon-Mobil, Royal Dutch Shell und BP. Aber lohnt sich für Anleger jetzt der Einstieg in diese Branche? Generell gilt: Ölaktien sind eher Substanzwerte, also keine Wachstumswerte, die durch kurzfristige Kursanstiege auffallen. Im Gegenzug bieten Ölkonzerne in der Regel eine stabile Dividende. Entscheidend für die Branche ist naturgemäß der Ölpreis - und da sind die Aussichten für die Branche mäßig: "Der Ölpreis wird dieses Jahr deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen", prognostiziert Branchenkenner Achim Wittmann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Folge: "Die Erträge der Konzerne werden dieses Jahr im zweistelligen Bereich sinken."

Exxon-Mobil machte Anleger glücklich

Das klingt für die Aktionäre weniger gut. Doch Wittmann argumentiert, dass die Prognose in den Aktienkursen der Ölkonzerne längst berücksichtigt sei. Und: Die Bewertungen der Unternehmen seien auf niedrigem Niveau. Auch was die Ausstattung mit Eigenkapital sowie die Entwicklung der Ertragskraft angehe, stünden die Ölkonzerne gut da und sollten "die Ertragsrückgänge wegstecken können". Alles in allem seien die Kursrisiken begrenzt. Auch der Ölexperte der ING, Jason Kenney, argumentiert, dass die Weltökonomie sicherlich noch schlechte Nachrichten verdauen müsse. Sollte der Ölpreis weiter sinken, könnten Konzerne dies aushalten.

Bisher hatte Exxon-Mobil die Anleger stets verzückt: Es gab jedes Jahr höhere Gewinne, die Dividende stieg in den vergangenen fünf Jahren um knapp 60 Prozent - auf zuletzt 1,55 Dollar je Aktie. Doch nun sind die Anleger zunehmend verärgert: Die Exxon-Aktie entwickelte sich im ersten Quartal schwächer als der S&P-500-Index. Überhaupt: Der Öl-Multi meldete für das erste Quartal dieses Jahres einen kräftigen Gewinnrückgang - von 11 Milliarden Dollar auf 4,6 Milliarden Dollar. Im Jahr 2008 hatte der amerikanische Multi noch einen Rekordgewinn von 45 Milliarden Dollar verbucht.

So viel hatte noch niemals zuvor ein Unternehmen verdient. Doch jetzt sind Exxon-Anteilseigner auch wenig erfreut darüber, dass der Konzern ständig mehr Geld in den Rückkauf eigener Aktien steckt, aber für die Ölsuche und Förderung vergleichsweise wenig investiert. So gab Exxon zuletzt mehr Geld für Aktienrückkäufe aus als die nächstgrößten zehn Ölkonzerne der Welt zusammen. Im Jahr 2008 summierte sich der Rückkauf eigener Aktien fast auf 40 Milliarden Dollar. Dennoch ging der Exxon-Kurs im ersten Quartal um 15 Prozent zurück. Aus Sicht von Analysten ist Exxon zwar weiterhin sehr rentabel, doch der größte Ölkonzern der Welt ist an der Börse bereits hoch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Exxon liegt bei 17, bezogen auf die Gewinnschätzung für das Jahr 2009. Andere Unternehmen wie BP kommen auf ein KGV von 12, bei Shell ist es ein KGV von 11. Bezüglich amerikanischer Ölanbieter präferiert LBBW-Analyst Wittmann daher Chevron. "Die haben auch eine geringe Verschuldung." Das Thema Verschuldung ist ohnehin entscheidend: Denn die Ölkonzerne sind immer öfter bereit, in Zeiten sinkender Erträge die Verschuldung zu erhöhen, um den Aktionären weiterhin gleichbleibende oder sogar höhere Dividenden zu bieten. Dies gilt auch für den größten europäischen Ölkonzern Shell, der mit einer Restrukturierung dem Abschwung in der Branche begegnen will und zuletzt einen herben Gewinnrückgang in Höhe von knapp 60 Prozent zu verbuchen hatte. "Die Frage bleibt, ob Anleger es gutheißen, wenn ein Unternehmen sich weiter verschuldet, nur um die Dividendenzahlungen zu garantieren", sagt ING-Experte Kenney. Doch seiner Ansicht nach sind Unternehmen wie Shell auch weiterhin in der Lage, eine höhere Verschuldung zu verkraften.

Schwierigkeiten der Ölförderung nehmen zu

Dennoch bleiben viele Probleme für die Konzerne: So nimmt nicht nur der Druck auf die Öl-Multis von Politikern und Umweltgruppen zu - wegen Umweltverschmutzung etwa, aber auch wegen des Trends, mehr regenerative Energiequellen zu nutzen, statt weiterhin primär auf fossile Brennstoffe zu setzen. Zudem sind die Schwierigkeiten der Ölförderung gestiegen. Eine Faustregel in der Branche lautet: Wenn der Ölpreis über der Marke von 50 Dollar liegt, lohnen sich neue Förderprojekte. Doch die einfach zu erreichenden Quellen sind längst erschlossen. Inzwischen müssen die Unternehmen den Rohstoff aus Gewässern in großen Tiefen fördern oder aus Ölsanden gewinnen. Das ist aufwendig und teuer.

Hinzu kommt, dass viele Ölvorkommen in Ländern liegen, die selbst die Vorräte ausbeuten wollen und westliche Ölunternehmen aus dem Land drängen, die dort bisher aktiv waren.

Für Anleger, die in Ölfirmen investieren wollen, gilt: Sie wetten auch darauf, dass diese Werte bei einer baldigen Konjunkturerholung als erste wieder an Wert gewinnen. Nach Meinung von LBBW-Analyst Wittmann sind derzeit primär die Werte von BP und Total interessant. Beide Unternehmen hätten größere Förderprojekte in Planung und würden solide Bilanzen sowie weiterhin hohe Dividenden bieten. Was für die internationalen Ölkonzerne bleibt, ist die Tatsache, dass der Druck, die Kosten zu senken, zunimmt: "Der Ölpreis mag sich innerhalb eines Jahres halbiert haben", sagt ING-Experte Kenney, "doch die Kosten der Unternehmen haben sich in dieser Zeit nicht halbiert."

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Wirtschaft.

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