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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Agrarrohstoffhandel Rückzug aus Nahrungsmittel-Geschäft

 ·  Investitionen in Weizen, Mais und Soja: Banken stehen wegen der Spekulation mit Agrarrohstoffen in der Kritik. Nun zieht sich die Commerzbank aus den Wetten zurück.

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© ZB Maiskolben

Die Commerzbank hat sich aus spekulativen Geschäften mit Agrarrohstoffen verabschiedet. Am Donnerstag teilte Deutschlands zweitgrößte Bank mit, alle Agrarprodukte aus dem Rohstoff-Fonds Comstage ETF CB Commodity EW Index TR entfernt zu haben. Außerdem will die Commerzbank keine neuen börsennotierten Finanzprodukte mehr anbieten, die auf Grundnahrungsmitteln basieren. Gründe für die Entscheidung wollte eine Commerzbank-Sprecherin nicht nennen. Sie bestätigte, dass der Rohstoff-Fonds kein Weizen, Zucker, Soja und Mais mehr enthält. Übrig blieben in dem Fonds noch Energierohstoffe und Metalle.

Damit folgt die Commerzbank anderen Banken hierzulande, die ähnliche Schritte bereits vollzogen haben. Kritiker machen Börsengeschäfte der Anleger dafür verantwortlich, dass Lebensmittelpreise steigen und für Hunger in armen Ländern sorgen. Dies gelte nicht nur für Banken und Hedgefonds, sondern auch Privatanleger, die mit Hilfe von Rohstoff-Fonds in Waren wie Weizen, Mais und Soja investieren. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte im vergangenen Herbst allen voran die Deutsche Bank wegen Agrarspekulationen kritisiert.

Ernteausfälle wegen Rekordhitze

Befürworter des börsennotierten Agrarhandels argumentieren hingegen, dass nicht nur Landwirte profitieren, weil sie ihre Waren über die Börse absichern können. Auch würden starke Preisschwankungen vermieden. Ebenso urteilen sie, dass statt der Spekulation viel mehr die fundamentalen Angebots- und Nachfrageaspekte die Preisentwicklung an den Agrarmärkten bestimmen.

In den vergangenen Wochen waren die Preise für viele Agrarrohstoffe auf der Welt stark gestiegen. Auch die Preise für Lebensmittel wie Getreide legen zu, berichtete die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Hintergrund sind Ernteausfälle in den Vereinigten Staaten wegen der Rekordhitze in dem Land. Auch in anderen Anbauländern wie Russland verschlechterten sich die Ernteaussichten. Zwar räumen selbst Banken ein, dass spekulativ orientierte Anleger die Preise an den Agrarrohstoffmärkten beeinflussen können, doch dies beziehe sich nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Preise. In den vergangenen Monaten hatte die Kritik an den Finanzinstituten wegen der Rohstoffgeschäfte allerdings zugenommen. Das Thema galt bei manchen Banken mittlerweile als derart heikel, dass sich Analysten nicht mehr zu dem Thema äußern wollten.

Das Thema Spekulation weiter untersuchen

Die Fondsgesellschaft der Sparkassen Dekabank war dieses Jahr das erste Finanzinstitut, das ankündigte, auf Wetten auf die Preisentwicklung von Agrarrohstoffen zu verzichten. Die Bank entschied, in dem Fonds Deka Commodities keine Grundnahrungsmittel mehr abzubilden. Der Fonds wurde so umgebaut, dass Rohstoffe wie Weizen und Mais nicht mehr enthalten sind. Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) entschied, bei den LBBW-Produkten auf Agrarrohstoffe zu verzichten. Die Deutsche Bank kam hingegen zu dem Ergebnis, nicht komplett aus diesem Markt auszuscheiden. Die Bank entschied aber, dieses Jahr keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Grundnahrungsmitteln mehr anzubieten. Zudem wollte die Deutsche Bank das Thema Spekulation am Agrarmarkt weiter untersuchen. Derweil haben andere Unternehmen, wie ETF Securities, weiterhin börsennotierte Wertpapiere im Angebot, die die Preisentwicklung von Agrarrohstoffen abbilden.

Mit Blick auf die Entscheidung der Commerzbank hieß es bei Foodwatch: „Wenn sich eine Bank nicht sicher ist, welchen Schaden ihre Rohstoffanlagen anrichten, gibt es nur einen verantwortlichen Schritt: Diese Anlagen aus Vorsorgegründen nicht mehr anzubieten“, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. „Am Handeln der Commerzbank sollten sich andere Häuser ein Beispiel nehmen, allen voran die Deutsche Bank.“ Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern, stehe aber weiter mit Foodwatch in Kontakt, hieß es.

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