Die Hoffnung kommt aus Kenia. Am Fuß des Mount Kenya, nahe der Stadt Meru, steht Naman Manyara inmitten eines kleinen Feldes von Birnenkürbissen. Prall sind sie und reif für die Ernte. Ein paar Meter weiter wachsen Paprika und Süßkartoffel.
Manyara ist ein kenianischer Kleinbauer - und sehr zufrieden. "Es gibt jetzt immer etwas zu ernten", sagt er. Drei Ernten im Jahr fährt er mittlerweile ein. Manyara ist Mitglied einer Bauernkooperative, die mit deutschen Entwicklungshilfe-Krediten ein simples, aber effektives Bewässerungssystem finanziert hat. Jetzt können sie nicht nur die vierfache Menge ernten, sondern auch ganz neue Produkte anbauen.
Manyara pflanzt inzwischen nicht nur Mais, sondern auch Kürbisse und Paprika, Bananen, Pfeilwurz, Auberginen, weißen Pfeffer, Kartoffeln und Tomaten. Früher waren die Bauern den Regenfällen ausgeliefert, und wenn der Regen ausblieb, vertrocknete der Mais. Heute dreht Bauer Manyara einfach den Hahn auf.
Nicht nur Entwicklungshilfe hilft
Die Ertragssteigerung durch das neue Bewässerungssystem ist allerdings nur die eine Seite des plötzlichen Erfolges von Bauer Manyara. Die andere Seite ist die drastische Preissteigerung bei Lebensmitteln, die sich auch in Kenia bemerkbar gemacht hat. Die Nahrungspreise sind in den vergangenen drei Jahren um fast ein Drittel gestiegen.
Dass die Lebensmittel so teuer geworden sind, liegt nicht nur an überschießenden Spekulationen auf dem Weltmarkt. Auch in Kenia war das Wetter so schlecht, dass die Getreideernten eingebrochen sind. Nach Angaben des Welternährungsprogramms wird Kenia dieses Jahr vermutlich ein Drittel mehr Getreide importieren als zuvor.
Bauer Manyara profitiert davon. Alleine die Preise für Mais, von denen er früher kaum leben konnte, haben sich zuletzt fast jährlich verdoppelt. Für seine vorletzte Ernte hatte ihm der Aufkäufer noch 20 Kenya-Shilling (18 Cent) pro Kilo geboten. Im letzten Jahr waren es schon 40 Shilling, und für dieses Jahr rechnen die Bauern in den beschaulichen Hügeln am Mount Kenya mit mindestens 50. Es lohnt sich wieder, Bauer zu sein. "Mein Leben ist sehr viel besser geworden", sagt Naman Manyara.
Und immer noch unterbezahlt
Natürlich hat ein Bauer immer etwas zu schimpfen, und diesen Part übernimmt in der Kooperative Dinah Kanoti, eine resolute Mittvierzigerin. Die Aufkäufer, sagt sie, reichen die hohe Preise nicht an die Bauern weiter. "Wir bekommen mehr Geld für unsere Produkte, das stimmt", sagt sie. "Aber ich habe das Gefühl, wir sind immer noch unterbezahlt."
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Trotzdem hat sich das Leben der 250 Kooperative-Mitglieder dramatisch zum Besseren gewendet. Jetzt können sie am Mount Kenya in feste Häuser investieren, in Saatgut und in Schulbildung für ihre Kinder. Die Kinderkrankheiten sind drastisch zurückgegangen, weil der Gang zum Arzt zwar immer noch teuer, aber mittlerweile erschwinglich ist.
Investitionspläne
Inzwischen erwirtschaftet die Kooperative zwischen 1,4 und 1,8 Millionen Kenya-Shilling Einnahmen pro Woche. Davon können die Bauern den Kredit für das Bewässerungssystem zurückzahlen, und jedem bleiben trotzdem noch rund 25.000 Shilling im Monat. Das sind rund 220 Euro, viel Geld in Kenia. In der Kooperative überlegen die Bauern, ob sie einen Lastwagen kaufen. Dann könnten sie die Aufkäufer ausschalten, die Produkte direkt in die Supermärkte bringen, und den Verdienst noch einmal drastisch steigern.
Ihre Produktion haben die Bauern schon gesteigert - trotz des schlechten Wetters. Ob mehr die Spekulanten für den Preisanstieg verantwortlich waren oder die größere Nachfrage aus Asien - für Manyara ist das gar nicht so wichtig. Er kann sich jetzt sogar zwei Arbeiter leisten. Die braucht er auch, weil er anders mit der Arbeit gar nicht mehr nachkommt.