Badawa Portia in Johannesburg leidet, wenn die Preise steigen. Wenn sie für ihre sechsköpfige Familie einkauft, bekommt sie immer weniger Ware. Jede Woche kauft sie für 220 Rand ein, umgerechnet 22 Euro - doch immer, wenn sie an die Kasse tritt, muss sie Sachen liegenlassen, weil das Geld wieder nicht reicht.
Badawa kann nicht lesen und nicht schreiben, und es hat lange gedauert, bis sie gelernt hat, welche Lebensmittel sie sich in welcher Menge leisten kann. Das hat jahrelang gut funktioniert. Doch jetzt sind die Preise für Mais und andere Lebensmittel in Südafrika in den Himmel geschossen. Und Badawa ist ratlos. "Ich kann nicht mehr ausgeben, weil ich einfach nicht mehr Geld habe", sagt sie. Deshalb muss mal ein Laib Weißbrot liegenbleiben, mal die Seife. Zahnpasta kann sich die Familie schon lange nicht mehr leisten.
Wut in Ramaphosaville
Badawa Portia ist 41 Jahre alt und lebt in Ramaphosaville, einem der schäbigsten Townships der südafrikanischen Metropole. 25.000 Menschen drängen sich hier zwischen dem Gelände eines Goldbergwerkes und dem eines Eisenwerks. Quer durch das Township verläuft zudem eine Gaspipeline. Vor drei Jahren wurde Ramaphosaville zudem zum Synonym für die Fremdenfeindlichkeit in Südafrika, als ein wütender Mob Jagd auf Ausländer machte und ein Mann aus Moçambique bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Doch der eigentliche Adressat der Ausschreitungen war die eigene Regierung, die den Menschen in Ramaphosaville vor jeder Wahl ein besseres Leben verspricht und sich nach der Wahl nicht mehr daran erinnern will.
Badawas Mann Albert ist arbeitslos wie so gut wie jeder andere auch in Ramaphosaville. Gelernt hat er nichts, und die Tagelöhnerjobs, mit denen er früher die Familie über Wasser gehalten hat, gehen längst an die billigere Konkurrenz aus Zimbabwe und Malawi. Die Familie lebt von Kindergeld und vom staatlichen Unterhalt für ein "Pflegekind", den Sohn ihrer verstorbenen Schwester Mkule. Zusammen hat die Familie 1520 Rand im Monat. Nach Miete, Schulkosten und dem Preis fürs Brennholz sind 220 Rand pro Woche für Lebensmittel das Äußerste, was sie ausgeben kann, sagt Badawa.
Früher konnte die Familie ihre nötigsten Bedürfnisse mit 144 Rand stillen. Trotz ihres kleinen Einkommens hatten die Portias regelmäßig Geld übrig für ein Kilo Fleisch oder Geflügel, danach reichte es noch zu vier Liter der heißgeliebten Coca-Cola. Heute kostet allein das wöchentliche Brot und Gemüse 215 Rand. Das bedeutet: kein Fleisch mehr, kein Geflügel, kein Obst. Und erst recht keine Cola.
Zweistellige Preissteigerungsraten
Um elf Prozent sind die Lebensmittelpreise in Südafrika in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen, im Jahr davor waren es 13 Prozent. Selbst Lammfleisch ist teuer geworden. "Lammfleisch?" Badawa schnaubt verächtlich. "Das kenne ich nur aus Erzählungen", sagt sie. Die exorbitanten Preissteigerungen lassen bereits die südafrikanische Mittelklasse aufstöhnen. Ganz unten aber, in Ramaphosaville, kommt die Preisrally einer Katastrophe gleich.
Die Familie Portia ist den monatlichen Hiobsbotschaften aus dem Supermarkt ausgeliefert. Denn Ramaphosaville ist ein urbaner Slum. Will heißen: Es gibt keine Grünflächen, auf denen Hirse oder Maniok oder auch nur Tomaten angepflanzt werden können. Das Gelände rund um die Siedlung ist in Privatbesitz. "Wir haben dort versucht zu pflanzen", erzählt Badawa: ein paar Tomaten, ein paar Kartoffeln. "Aber dann sollten wir Miete für das Land bezahlen."
Selbst Maisbrei wird teuer
Also sind die Portias auf das billigste aller Lebensmittel umgestiegen, auf "Pap". Das ist ein Maisgericht, ein Brei eigentlich, dessen Konsumenten an ihren grotesk unförmigen Körpern zu erkennen sind. Im südafrikanischen Volksmund heißt Pap auch "Zim-Burger", weil Pap so ziemlich das Einzige zu essen war, was sich in Zimbabwe während der Hungerkrise überhaupt noch auftreiben ließ. Das Zeug macht satt und dick und sonst nichts. Es schmeckt nicht einmal.
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Doch dann wurde auch noch der Mais teuer. Ein fünf Kilo schwerer Sack Maismehl, der für eine sechsköpfige Familie knapp eine Woche reicht, kostet jetzt rund 30 Rand. Allein im vergangenen Jahr ist der Preis um 25 Prozent gestiegen, im Jahr waren es schon 30 Prozent.
Badawa hat vor kurzem bei der Nachbarin die Fernsehnachrichten geschaut. Da war die Rede von einem Generalstreik in Nigeria, weil die dortige Regierung die Subventionen für Treibstoff aufgehoben hat. Badawa weiß nichts über Nigeria außer, was alle Südafrikaner über Nigerianer wissen, nämlich dass man denen nicht trauen darf. Einer der Demonstranten im Fernseher hielt ein Plakat hoch, über das Badawas Nachbarin lauthals lachen musste. Darauf stand: "Bald haben wir Armen nichts anderes mehr zu essen als die Reichen." Badawa findet, der Nigerianer hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.