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Agrarrohstoffe Wende am Kaffeemarkt in Sicht

23.02.2007 ·  In Brasilien zeichnet sich eine sinkende Kaffee-Produktion ab. Die Internationale Kaffee-Organisation warnt sogar vor einer akuten Knappheit. Fachleute rechnen daher mit einem Ende des Preisverfalls.

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Rohkaffee kann im Laufe dieses Jahres wesentlich teurer werden. Seit Ende Dezember stehen die Preise zwar unter Druck. Aber ziemlich genau die Hälfte der Terraingewinne, die seit Ende Oktober in New York beim Handel mit Arabicas verzeichnet wurden, ist wieder getilgt. Für viele Analysten ist dies jedoch nur ein Zwischenspiel im Rahmen einer Hausse, die sich über mehrere Jahre erstrecken könnte. Die Preisentwicklung in London, wo sich der Handel auf die Gattung Robusta - und nicht auf Arabica - gründet, verzeichnet seit Mitte Oktober unter bisweilen heftigen Schwankungen eine leicht steigende Tendenz.

Aus saisonalen Gründen könnte der Druck auf die Notierungen dies- und jenseits des Atlantiks zum Frühjahr hin zunehmen, denn auf der nördlichen Halbkugel geht der Winter, die Zeit des höchsten Kaffeeverbrauchs, langsam dem Ende zu. Da der Winter in diesem Jahr aber in weiten Regionen sehr mild ausgefallen ist, könnte die besonders in New York aufgetretene Schwäche bereits eine angemessene Reaktion des Marktes auf gedämpften Verbrauch darstellen.

Spekulationsbereitschaft der Fonds schwindet

Die jüngst beobachteten Stabilisierungstendenzen stützen diese These. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass in Vietnam, dem nach Brasilien zweitgrößten Produzenten der Welt, die Robusta-Ernte 2006/07 (Oktober/September) inzwischen eingebracht ist und dass damit der Verkaufsdruck aus kommerziellen Sicherungsgeschäften spürbar nachlässt.

Hinzu kommt, dass sich der Kaffeemarkt seit Wochen durch einen Mangel an Anregungen auszeichnet. Dies hat einerseits die Spekulationsbereitschaft besonders der Fonds offenkundig schwinden lassen. Sie haben ihre Netto-Kaufpositionen in New York während der zurückliegenden Wochen spürbar abgebaut. Andererseits eröffnet dies aber auch beträchtliches neues Kaufpotential für den Fall, dass die hausseträchtigen Aspekte im Handelsgeschehen wieder in den Vordergrund treten sollten. Bemerkenswert erscheint, dass die Kaffeehändler und Röster während des Preisverfalls der vergangenen acht Wochen nach übereinstimmenden Marktberichten beharrlich auf der Käuferseite standen.

Ernte sinkt aus zyklischen Gründen

Dass sich die hausseträchtigen Perspektiven für Kaffee eher früher als später wieder Geltung verschaffen, gilt als sicher. Die laufende Saison wird zwar einen Produktionsüberschuss in einer noch nicht zuverlässig abschätzbaren Höhe bringen, aber 2007/08 folgt mit größter Wahrscheinlichkeit ein Defizit. Es dürfte die seit Jahren zu beobachtende Tendenz zu sich mehrenden Rechnungsjahren mit Fehlmengen fortsetzen. Fachleute sind überzeugt, dass der 2006/07 entstehende Überschuss nicht ausreicht, um die stark geschrumpften Vorräte wieder auf ein Niveau zu heben, das den Markt entspannen könnte. Es heißt, der zu erwartende Überhang an Rohkaffee am Ende der Saison werde sich im Verhältnis zum Verbrauch auf einem historisch niedrigen Wert bewegen.

Der Schlüssel für die tatsächliche und die statistische Versorgungslage in der kommenden Saison liegt nach einhelliger Ansicht bei Brasilien, dem mit Abstand führenden Produzenten der Welt. Unbestritten sinkt die von Mitte des Frühjahrs an einzubringende neue Ernte, die statistisch der Weltsaison 2007/08 zugerechnet wird, gegenüber 2006/07 schon aus zyklischen Gründen stark. Hinzu kommt, dass die Witterungsbedingungen im Herbst 2006 nicht günstig genug waren, um eine zufriedenstellende Blüten- und Fruchtbildung an den Kaffeesträuchern zu bewirken. Dies hat noch bis in den Dezember hinein Prognosen kursieren lassen, nach denen die kommende Ernte gegenüber der zurückliegenden von etwa 45 Millionen Sack (je 60 Kilogramm) auf 25 Millionen Sack oder weniger sinken könne. Solche extremen Voraussagen sind inzwischen auch wegen günstiger Wuchsbedingungen zwar verstummt, aber Fachleute halten einen Rückgang des Ertrags auf 32 bis 35 Millionen Sack für realistisch.

Droht eine aktue Knappheit?

Umfassendere statistische Daten zur Lage am Weltmarkt kamen zuletzt von der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO). Sie schätzt den Weltverbrauch an Kaffee im laufenden Kalenderjahr auf 118 Millionen Sack. Gegenüber 2006 bedeutete dies eine Zunahme um 1,7 Prozent. Mit Blick auf Brasilien erklärt die ICO, die starke Zunahme der Exporte von dort in den vergangenen Monaten lasse erwarten, dass die laufende Saison in diesem Land mit einem Vorrat von nur noch 10 Millionen Sack enden dürfte.

Wegen der Aussicht auf eine deutlich sinkende Produktion 2007/08 kann nach Einschätzung der ICO dort in der neuen Saison eine akute Knappheit entstehen. Der Fachdienst Cropcast sagt für 2007/08 einen Rückgang der Weltproduktion an Kaffee von 127,97 Millionen Sack, einem Rekord, auf 112,29 Millionen Sack voraus. In Brasilien soll der Ertrag von 45 Millionen Sack auf 34 Millionen Sack sinken, in ganz Südamerika von 62,73 Millionen Sack auf 51,13 Millionen Sack, in Asien von 32,88 Millionen Sack auf 29,81 Millionen Sack und in Afrika von 14,98 Millionen Sack auf 14,06 Millionen Sack.

Quelle: gap., F.A.Z., 23.02.2007, Nr. 46 / Seite 21
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