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Agrarrohstoffe Spekulanten treiben den Sojapreis

25.05.2007 ·  Sojabohnen sind so teuer wie seit fast drei Jahren nicht mehr, Sojaöl erreicht den höchsten Stand seit 1984. Doch die Insider bezweifeln, anders als die Spekulanten, schon seit einer Weile, dass die Rally noch lange weiterlaufen kann.

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Soja wird immer teurer. An der Terminbörse CBOT in Chicago waren für den Juli-Kontrakt Sojabohnen am Freitag 8,13 Dollar je Scheffel zu zahlen, so viel wie seit Juni 2004 nicht mehr. Sojaöl stieg sogar auf den höchsten Stand seit 1984.

Die Anstiege sind so massiv, dass sie nur zum Teil mit der für den Sojapreis typischen Saisonalität zu begründen sein dürften. Die höchsten Kurse zeigen sich zwar häufig während und nach der Pflanzzeit im Mai und Juni. Beobachter erklären den jüngsten Anstieg aber vielmehr mit Blick auf eine europäische Kampagne gegen Palmöl, das mit Sojaöl konkurriert. Am Tag zuvor hatten außerdem Meldungen über eine verstärkte Nachfrage aus der Futtermittelindustrie den Markt erreicht.

Teures Palmöl stützt den Sojapreis

Malaysia und Indonesien, die beiden größten Palmöl-Produzenten, sehen sich dem Vorwurf von Umweltgruppen ausgesetzt, dass Regenwald für die Plantagen abgeholzt werde. Ein malaysischer Minister meinte laut Bloomberg, die Kampagnen könnten „einigen Einfluss“ auf den Palmölverbrauch in Europa haben.

Doch auch der Palmöl-Future in Malaysia legte zu, nachdem gemeldet wurde, dass Chinas Import sich in den ersten Monaten des Jahres um mehr als ein Viertel erhöht hat. „Die Preise für malaysisches Palmöl bewegen sich nahe einem neuen Neun-Jahreshoch, das stützt auch die Sojabohnen“, zitiert Bloomberg Mike Zuzolo, den Chef von Risk Management Commodities aus Lafayette im Bundesstaat Indiana.

Anbaufläche in Amerika sinkt

Am Donnerstag hatte das Statistikamt der Vereinigten Staaten mitgeteilt, dass die Nachfrage nach Sojabohnen von Weiterverarbeitern wie Bunge im vergangenen Monat im Vergleich zum Vorjahr um knapp sieben Prozent gestiegen ist. Das Geschäft mit Futtermitteln brummt.

Berichte des amerikanischen Agrarministeriums (USDA) weisen zudem darauf hin, dass das Soja-Angebot sinken wird. Die Landwirte wollen die Anbaufläche für Mais im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf den größten Wert seit 1944 steigern. Den Soja-Anbau wollen sie dagegen um elf Prozent senken - auf den kleinsten Wert seit mehr als zehn Jahren.

Im jüngsten Wochenbericht rechnet das USDA damit, dass die amerikanischen Bauern in der Saison 2006/2007 rund 14 Prozent weniger Sojabohnen ernten werden als 2005/2006. Dagegen werde eine „rapide wachsende Produktion“ von Biodiesel in den Vereinigten Staaten für eine steigende Nachfrage sorgen.

Nachfrage dürfte weiter steigen

Wichtigste Produzenten von Soja sind die Vereinigten Staaten, Brasilien und Argentinien. Mit Abstand größter Importeur ist China, gefolgt von der Europäischen Union. Die Nachfrage nach Soja dürfte steigen, wenn der Trend der Schwellenländer zu einem höheren Fleischkonsum anhält, denn Soja ist ein wichtiges Futtermittel. Dazu kommt, dass Soja nach Raps der wichtigste Grundstoff für Biodiesel ist.

Auf der anderen Seite stieg das Angebot in den vergangenen Jahren stärker als bei anderen Getreidesorten. Die Saison 2005/06 brachte in Amerika eine Rekordernte. Die wichtigsten Erzeugerländer probieren nicht zuletzt mit Gentechnik, die Ernteerträge zu steigern.

Insider sind verhältnismäßig skeptisch

Es scheinen gute fundamentale Gründe für die jüngste Soja-Hausse zu sprechen. Doch ein Blick auf die „Commitment of Traders“-Daten, aus denen die Positionen der Marktteilnehmer hervorgehen, zeigt, dass die Rally zu einem guten Teil von spekulativen Geldern gestützt sein dürfte. Gesammelt werden die CoT-Angaben von der Commodity Future Trading Commission (CFTC), die den Futures- und Rohstoffhandel überwacht.

Die Daten zeigen, dass die „Commercials“ seit einigen Monaten sehr skeptisch sind, ob die Hausse des Sojapreises noch lange Bestand haben kann. Ihre Nettopositionierung ist inzwischen deutlich „short“, vor einem Jahr war sie deutlich „long“. In der Gruppe der „Commercials“ fasst die CFTC die professionellen Händler zusammen, die sich auf dem Futures-Markt gegen Preisschwankungen absichern wollen. Sie dürfen als Insider gelten, schließlich haben sie sehr gute Einblicke ins Marktgeschehen.

Korrektur darf nicht überraschen

Die Nettopositionierung der „Non-Commercials“, die den Futures-Markt nicht zum Absichern, sondern in erster Linie zum Spekulieren verwenden, folgt dagegen dem Sojapreis nach oben. Das bedeutet, dass in den vergangenen Monaten immer mehr Großspekulanten auf den Trend steigender Sojapreise aufgesprungen sind.

Viele Marktbeobachter meinen, der Anleger fahre langfristig besser, wenn er sich an der Positionierung der „Commercials“ orientiert, denn diese könnten die Marktentwicklungen besser abschätzen als die Spekulanten. In diesem Sinne dürfte eine Korrektur des Sojapreises nicht überraschen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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